Sainz - Leclerc - GP Bahrain 2022 - Sakhir - Rennen Wilhelm
Verstappen - Leclerc - GP Bahrain 2022 - Sakhir - Rennen
Verstappen - Leclerc - GP Bahrain 2022 - Sakhir - Rennen
Charles Leclerc - Ferrari - GP Bahrain 2022 - Sakhir - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Bahrain 2022 - Sakhir - Rennen 63 Bilder

Rennanalyse GP Bahrain 2022: Ferrari zurück

Rennanalyse GP Bahrain 2022 Ferrari zurück auf der Siegerstraße

GP Bahrain 2022

Besser hätte es für Ferrari nicht laufen können. Der Rennstall der Herzen überragte die Konkurrenz mit einem Doppelsieg. Red Bull stolperte über die Technik. Mercedes versteht erst langsam sein Auto. Die neue Formel 1 ist auf dem richtigen Weg.

So darf es ruhig weitergehen. Die neue Formel 1 ist mit Pauken und Trompeten in die Saison gestartet. Alte Weisheiten gelten nicht mehr. Mercedes und Red Bull müssen vorerst Ferrari den Vortritt lassen. In unserer Rennanalyse beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Saisonauftakt.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Bahrain 2022 - Sakhir
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Charles Leclerc wehrte sich erfolgreich gegen Max Verstappen.

Wie viel schneller ist Ferrari?

Ferrari hat zum Saisonstart das ausgewogenste Paket. Der F1-75 ist berechenbar. Das rote Auto ist sowohl auf eine Runde wie über die Distanz schnell. Es schont die Reifen. Der Abtrieb ist hoch, was die guten Abschnittszeiten im Mitteteil von Bahrain beweisen. Das Verhältnis aus Anpressdruck und Luftwiderstand ist gesund. Der V6-Turbomotor ist eine Wucht. Es heißt, der Sechszylinder aus Maranello habe sogar mehr Dampf als im Vorjahr – trotz E10-Benzin.

Das rote Auto neigt auch nicht zum exzessiven Schaukeln auf den Geraden. Red Bull hat das Bouncing zwar auch im Griff, musste in Bahrain aber Abtrieb opfern, um auf den Geraden mithalten zu können. Die Topspeeds deuten darauf hin, dass es die Ingenieure vielleicht zu gut gemeint haben. Red Bull bezahlte es in den Kurven, und mit zu viel Reifenabnutzung im Rennen. Die Ingenieure rechnen vor: "Ferrari ist drei Zehntel pro Runde schneller als wir gewesen."

Charles Leclerc lieferte ein Meisterstück ab. Er gewann den Start auf frischen Softs gegen Max Verstappen auf gebrauchten weichen Reifen. Er konterte zwischen den Runden 17 und 19 nach den ersten Boxenstopps drei Überholversuche des Weltmeisters, der jetzt eine neue Garnitur der weichen Mischung hatte, während Leclerc auf gebrauchte Softs umsteckte. "Ich wusste, dass Max mich jeweils am Ende der Zielgeraden angreifen würde. Ich habe bewusst früher gebremst, um für die folgende Gerade selbst DRS zu bekommen. Das war die Taktik. Sonst hätte er mich dort überholt." Leclerc ging vor Kurve vier wiederholt an seinem Kontrahenten vorbei. Darauf folgt das Kurvengeschlängel, das weitere Versuche unterbindet.

Bis auf den ersten Boxenstopp, als vorne rechts nicht schnell genug getauscht wurde, passten alle Reifenwechsel. Ferrari taktierte mit beiden Fahrern richtig. Wobei Verstappen mit seinen Undercuts auch hätte vorbeikommen können. Das Team des Weltmeisters hatte den Vorteil der frischen Reifen unterschätzt, und seinen Star angewiesen, die Stints jeweils mit gezügeltem Gasfuß zu beginnen.

Ein gewisses Risiko schien zu entstehen, als man Leclerc nach Verstappens drittem Halt nicht reinholte. "Wir haben einen weiteren Stopp als zusätzliches Risiko gesehen. Unser Vorsprung war groß genug. Charles hatte die Reifen bis dahin gemangt. Er hatte genug Saft und Vorsprung, um vorne zu bleiben", erklärte Teamchef Mattia Binotto. "Max hätte Leclerc in der Theorie zwei bis drei Runden vor Zielflagge eingeholt", rechnet Red-Bull-Sportchef Helmut Marko vor. Das späte Safety Car zwang die Ferrari-Strategen zum Umdenken. Leclerc lobte nach dem Erfolg seine Mannschaft. "Wir haben ein Auto, mit dem wir um Siege kämpfen. Und wir wollen um den Titel mitsprechen."

Max Verstappen - Red Bull - GP Bahrain 2022 - Sakhir - Rennen
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Red Bull bezahlt die Technik-Pannen mit null Punkten.

Was sorgte für den Doppelausfall bei Red Bull?

Doppelsieg für Ferrari, doppelter Knockout für Red Bull. Max Verstappen haderte mit seinem Auto. Zunächst überhitzten die Bremsen. Die Balance schmeckte ihm nicht. Nach dem dritten Boxenstopp wollte sein RB18 nicht mehr richtig lenken. Beim Herablassen des Autos beschädigte der Wagenheber offensichtlich die Spurstange. Verstappen wäre trotzdem Zweiter geworden.

Vier Umläufe vor Schluss lief sein Honda-V6-Turbo aber trocken. Der Fehler im Benzinsystem kostete 18 WM-Punkte. Das gleiche Schicksal ereilte Teamkollege Sergio Perez in der letzten Runde. Auch sein Motor verdurstete. Die Konkurrenz spekuliert, ob sich Red Bull mit dem Benzin verkalkuliert hat. Das Team bestreitet: "In beiden Autos war noch Benzin im Tank." Eine Möglichkeit wäre, dass die Einheits-Benzinpumpe streikte. Magneti Marelli liefert das System vom Catch-Tank in die Hochdruckpumpe, die dann den Motor füttert. Dieses Bauteil machte bei den Testfahrten öfters Probleme bei verschiedenen Teams. Eine Stimme aus dem Fahrerlager: "Wenn dem so wäre, hätte Red Bull direkt die Schuld von sich gewiesen." Die Untersuchung des Teams läuft.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Bahrain 2022 - Sakhir - Rennen
Wilhelm
Das Auto ist für Mercedes die größere Baustelle als der Motor.

Wie groß ist die Mercedes-Baustelle?

Mercedes ist hinter Ferrari und Red Bull die dritte Kraft im Feld, und trotzdem WM-Zweiter. Das Podest und die 27 Punkte schmeicheln dem Auto. Lewis Hamilton fasste zusammen: "Wir haben wenigstens ein zuverlässiges Auto. Ferrari und Red Bull sind aber viel stärker. Ich konnte nur fünf Runden daran denken, mit Sainz zu kämpfen. Dann zog er weg. Unser Auto ist schwierig zu fahren. Ferrari und Red Bull sind zudem bärenstark auf den Geraden."

Teamchef Toto Wolff sprach nach dem Saisonauftakt von einer nützlichen Testfahrt. Das lässt tief blicken. "Wir konnten alle drei Reifensorten durchprobieren. Auf dem harten waren wir ziemlich langsam. Auf den Mediums waren wir auch nicht wirklich schnell. Wir müssen so ziemlich jeden Bereich verbessern, um bald mit Ferrari und Red Bull mitzuhalten."

Das Auto verstehen die Ingenieure inzwischen besser. Doch es wird dauern, bis das Bouncing verschwindet und dem Team bei der Abstimmung keine so großen Kompromisse mehr aufgezwungen werden. Mercedes peilt eine Kur bis zum Start der Europa-Saison in Imola an. Das wäre bereits Ende April, und soll über ein besseres Verständnis geschehen. Hamilton fürchtet: "Wir haben ein fundamentales Problem. Das wird länger dauern."

Um es in Zahlen auszudrücken: Auf eine Runde hinkt Mercedes eine halbe Sekunde hinterher. Über die Distanz wächst der Rückstand, weil der Silberpfeil die Reifen härter rannimmt. Ein Beispiel: Nach 34 Runden lag Hamilton 28,8 Sekunden zurück. Das entspricht acht Zehntelsekunden pro Runde. Der Motor ist keine Lebensversicherung mehr für Mercedes. Es scheint etwas Leistung zu fehlen. Suboptimal, nachdem der Verbrenner Anfang März eingefroren wurde. Man muss allerdings dazu erwähnen, dass Mercedes viel Abtrieb über den Heckflügel und Beam Wing draufpackte. Das schmälerte die Höchstgeschwindigkeit. Theorie und Simulationen behaupten, dass Mercedes auf Topniveau fahren könnte, sobald die Probleme gelöst sind. Hätte, wenn, aber: Der W13 muss den Beweis in der Praxis erbringen.

Kevin Magnussen - Haas - GP Bahrain 2022 - Sakhir - Rennen
Wilhelm
Haas und Alfa-Sauber hatten auf dem Bahrain International Circuit das schnellste Auto im Mittelfeld.

Wer ist schneller: Haas oder Alfa?

Motor ist ein gutes Stichwort. Die Ferrari-Kunden Haas und Alfa-Sauber profitieren vom gewaltigen Leistungssprung. Sie haben aber auch gute Autos gebaut, und die Standfestigkeitsprobleme zumindest zum Saisonstart gelöst. Sowohl der Haas als auch der Alfa überstrapazieren die Pirelli-Reifen nicht. Das Schweizer Auto ist in dieser Disziplin vermutlich eine Spur besser. "Unsere Rennpace war sensationell, sobald wir mal freie Fahrt hatten. Valtteri war teilweise schneller als Hamilton", sagte Alfa-Teammanager Beat Zehnder.

Von einem Vorteil zehrt Alfa-Sauber in den ersten Grand Prix: Das leichteste Auto im Feld kann vor allem im Rennen auftrumpfen, wenn die Tanks voll sind und die Reifen stärker belastet werden. Nur Alfa erreicht das Mindestgewicht. Der Rest liegt drüber, geschätzt zwischen fünf und 20 Kilo. Das sind gleich ein paar Zehntel pro Runde.

Nur der Start ging in die Hose. Da hatten sowohl Bottas als auch Rookie Guanyu Zhou durchdrehende Räder. "Vielleicht waren die Reifen zu kalt", mutmaßte Teamchef Frederic Vasseur. Mit ein paar Überholmanövern, schnellem Fahren und Reifenschonen sowie etwas Glück fuhr Bottas zurück in die Punkte. Das VSC kam gerade recht, um beim Reifenwechsel Zeit zu sparen. Die beiden Alpine plus Yuki Tsunoda waren vorher zum Service abgebogen. Drei Ausfälle von Honda-befeuerten Autos spülten Bottas auf Platz sechs. Youngster Zhou begeisterte mit Rang zehn. Alfa-Sauber und Haas führten das Mittelfeld an und bewegten sich auf Augenhöhe. "Den vierten Platz teilen wir uns mit Alfa", resümiert Haas-Teamchef Guenther Steiner.

McLaren versank im Tabellenkeller. Dort trifft man auf Williams und Aston Martin. Daniel Ricciardo und Lando Norris wurden bereits nach einer Runde angewiesen, auf den Geraden auszuscheren, um gewisse Bausteine unter der Verkleidung zu kühlen. Die Piloten mussten früh die Leistung herunterfahren, sowie das Gas vor dem Bremspunkt lupfen (Lift and Coast). Die Bremsen machten diesmal keine Probleme. Aston Martin hat zu wenig Abtrieb und einen zu hohen Luftwiderstand. Williams ist schnell auf den Geraden, dafür langsam in den Kurven. Spricht für zu wenig Anpressdruck. Das Auto untersteuert am Kurveneingang und übersteuert am -Ausgang.

Valtteri Bottas - Alfa Romeo - GP Bahrain 2022 - Sakhir - Rennen
Wilhelm
Die neuen Autos scheinen das Hinterherfahren leichter gemacht zu haben.

Ist das Hinterherfahren besser geworden?

Offenbar ja. Doch man sollte noch ein paar Rennen abwarten. In Bahrain konnte man auch mit den alten Autos gut überholen. "Es ist etwas besser, die Turbulenzen sind geringer. Aber diese Strecke geht auf die Reifen. Das kann das Bild verfälschen", sagt Verstappen.

Das Überholdelta wurde vor dem Rennen mit 0,7 Sekunden berechnet. Im letzten Jahr war es mehr als eine Sekunde. "Es fühlt sich einfacher an", so Routinier Fernando Alonso. "Viele Überholsituationen haben sich aber durch verschiedene Reifenzustände ergeben. Frisch gegen alt, soft gegen hart. Das kann schnell mal bis zu zwei Sekunden Unterschied ausmachen." Wie steht es um die Reifen? Bis auf Mick Schumacher fuhren alle ein Dreistopprennen. Der Reifenabbau scheint höher als gewollt.

GP Bahrain 2022 - Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Charles Leclerc Ferrari 1:37:33.584 h
2. Carlos Sainz Ferrari + 5.598 s
3. Lewis Hamilton Mercedes + 9.675 s
4. George Russell Mercedes + 11.211 s
5. Kevin Magnussen Haas + 14.754 s
6. Valtteri Bottas Alfa Romeo + 16.119 s
7. Esteban Ocon Alpine + 19.423 s
8. Yuki Tsunoda Alpha Tauri + 20.386 s
9. Fernando Alonso Alpine + 22.390 s
10. Zhou Guanyu Alfa Romeo + 23.064 s
11. Mick Schumacher Haas + 32.574 s
12. Lance Stroll Aston Martin + 45.873 s
13. Alexander Albon Williams + 53.932 s
14. Daniel Ricciardo McLaren + 54.975 s
15. Lando Norris McLaren + 56.335 s
16. Nicholas Latifi Williams + 61.795 s
17. Nico Hulkenberg Aston Martin + 63.829 s
18. Sergio Perez Red Bull Ausfall
19. Max Verstappen Red Bull Ausfall
20. Pierre Gasly Alpha Tauri Ausfall
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