Max Verstappen vs. Charles Leclerc - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen xpb
Max Verstappen vs. Charles Leclerc - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen
Esteban Ocon vs. Fernando Alonso - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen
Nicholas Latifi - Williams - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen
Lance Stroll vs. Alex Albon - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen 53 Bilder

GP Saudi-Arabien 2022 - Analyse Rennen

Rennanalyse GP Saudi-Arabien 2022 Top-Speed schlägt Abtrieb

GP Saudi-Arabien 2022

Max Verstappen konnte sich in einem heißen Duell gegen Charles Leclerc durchsetzen. Doch warum hat Ferrari freiwillig auf einen besseren Top-Speed verzichtet? Und warum war Carlos Sainz sauer auf die Rennleitung? In der Rennanalyse beantworten wir die letzten offenen Fragen zum Jeddah-Spektakel.

Wie verlor Perez die Führung?

Wie schnell die Stimmung in der Formel 1 kippen kann, musste Sergio Perez in Jeddah am eigenen Leib erfahren. Der Mexikaner hatte sich mit einer Zauberrunde in der Qualifikation die erste Pole Position seiner Karriere gesichert. Und nach dem gewonnenen Start sah es zunächst noch ganz danach aus, als könne die Nummer zwei bei Red Bull mal wieder einen Sieg landen. Doch sein 215. Rennen wird der Routinier wohl nicht besonders gut in Erinnerungen behalten.

In den ersten 14 Runden hielt Perez seine Verfolger noch zwischen anderthalb und zwei Sekunden auf Distanz. Doch dann gab Charles Leclerc plötzlich Gas. Der Monegasse kam bis auf eine Sekunde ran, der Ferrari-Kommandostand gab den Befehl zum Boxenstopp und schickte die Mechaniker aus der Garage. Dabei handelte es sich aber nur um einen Fake, um Red Bull aus der Reserve zu locken.

Der Schachzug ging besser auf, als es sich Leclerc wünschen konnte. Perez wurde direkt zur Abwehr eines möglichen Undercuts reingeholt. Kurz danach krachte Nicholas Latifi in der Zielkurve in die Mauer. Mit zeitsparenden Boxenstopps in der folgenden Safety-Car-Phase konnte nicht nur Leclerc an Perez vorbeigehen, sondern auch Max Verstappen und Carlos Sainz. "Wir wussten vorher, dass diese Gefahr besteht", klagte Perez nach dem Rennen frustriert. "Leider hat Latifi sein Auto zum falschen Zeitpunkt in die Mauer geschmissen. Das ist eben Racing."

Red Bull-Teamchef Christian Horner dementierte nach dem Rennen, dass man beim Timing des Boxenstopps auf einen Ferrari-Trick reingefallen sei: "Wir haben ihn genau in der Runde an die Box geholt, die wir mit ihm schon vor dem Rennen diskutiert hatten."

Nicholas Latifi - Williams - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen
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Der Latifi-Crash kostete Sergio Perez einen möglichen Sieg.

Warum gewann Verstappen das Duell gegen Leclerc?

Nach der Safety-Car-Phase diktierte lange Leclerc an der Spitze das Tempo. Verstappen wurde aufgefordert, Reifen und Energie für die heiße Schlussphase aufzusparen. Dann musste die Rennleitung in den Runden 38 und 39 plötzlich eine virtuelle Safety-Car-Phase einrichten, weil Fernando Alonso und Daniel Ricciardo nur wenige Meter voneinander entfernt mit technischen Problemen in der Boxeneinfahrt strandeten.

"In solchen Situationen kann sich das Kräfteverhältnis immer verschieben. Es kommt darauf an, wer die ausgekühlten Reifen schneller wieder ins Arbeitsfenster bekommt. Ich habe mich direkt wohlgefühlt und konnte attackieren", berichtete Verstappen später. In Runde 42 schloss der Weltmeister im letzten Sektor auf. Leclerc ließ den Red Bull noch vor der DRS-Linie freiwillig passieren, um dann mit geöffnetem Flügel auf der Zielgeraden den Konter zu setzen.

Eine Runde später setzte der Red Bull zum zweiten Anlauf an. Dieses Mal hatte Verstappen gelernt und bremste vor dem DRS-Strich ab. Doch auch Leclerc ging in die Eisen, bis an beiden Autos die Reifen qualmten. Leclerc gab nach dem Stehversuch früher wieder Gas und konnte seinen Verfolger auf der Zielgerade abschütteln.

Bei der dritten Attacke in Runde 46 griff Verstappen dann in die Trickkiste. Er ließ sich im schnellen Geschlängel nach Kurve 13 zurückfallen, um den Gegner in Sicherheit zu wiegen. Doch der Holländer schloss dank DRS in den letzten Kurven rasend so schnell auf, dass Leclerc seinen Platz nicht mehr rechtzeitig aufgeben konnte. Damit war er auf der Zielgerade fällig.

Weil Red Bull den besseren Topspeed hatte, konnte Leclerc am Ende nicht mehr kontern. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto gab, zu dass man beim Setup nicht die optimale Wahl getroffen hatte: "Red Bull war zu Beginn des Wochenendes auch noch mit mehr Abtrieb unterwegs, hat dann aber Flügel rausgenommen. Wir sind dabei geblieben, weil wir uns davon eine geringere Reifenbelastung in den Kurven versprochen haben. Aber der Verschleiß war hier am Ende leider kein Thema."

Max Verstappen vs. Charles Leclerc - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen
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Verstappen setzte sich am Ende mit einer halben Sekunde Vorsprung durch.

Warum war Sainz sauer auf die Rennleitung?

Carlos Sainz redete nach dem Rennen nicht lange um den heißen Brei herum: "Ich war heute einfach nicht auf dem Niveau von Max und Charles unterwegs." Trotzdem hätte sich der Spanier gerne etwas mehr in den Kampf um die beiden vorderen Plätze eingemischt. Für Ärger sorgte vor allem die erste Safety-Car-Phase. Als Sainz nach seinem Stopp die Box verließ, überquerte er die entscheidende SC1-Linie eine halbe Sekunde vor Perez. Trotzdem nahm der Red Bull beim Restart die dritte Position ein.

"Wir haben sofort bei der Rennleitung Bescheid gesagt", verriet Binotto. "Obwohl die Angelegenheit eigentlich ziemlich klar war, dauerte es mit der Entscheidung so lange, dass man zuerst den Restart durchgeführt und dann die Positionen gewechselt hat." Auch Sainz war nicht glücklich mit dem Tempo in der Rennleitung: "So etwas muss schneller und effizienter gehen. Dadurch konnte Checo mich beim Restart nicht angreifen. Und ich konnte Max nicht angreifen."

In der virtuellen Safety-Car-Phase wurde Sainz dann noch einmal benachteiligt. Sein Rückstand auf die Spitze vergrößerte sich von sechs auf zehn Sekunden. So etwas kann passieren, wenn man während der angeordneten Schleichfahrt mehr Zeit auf den Vollgaspassagen verbringt als die Konkurrenz. So blieb Sainz am Ende nur, den dritten Platz vor Perez ins Ziel zu bringen.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen
Wilhelm
Lewis Hamilton musste sich mit einem WM-Pünktchen zufriedengeben.

Warum war Mercedes so schwach?

Eigentlich wollte Mercedes in Jeddah die Wende einleiten. Doch dann fuhren die Silberpfeile der Konkurrenz sogar einen Tick weiter hinterher als in Bahrain. Obwohl der schnelle Stadtkurs deutlich weniger Bodenwellen aufweist, die das Bouncing noch verstärken, hoppelten Lewis Hamilton und George Russel wild über die Geraden. Die Gegenmaßnahmen, die sich die Ingenieure überlegt hatten, verpufften. Am Ende blieb wieder nichts anderes übrig, als das Fahrwerk höher zu schrauben, was aber auf Kosten der Pace ging.

Hamilton versuchte im Qualifying noch mit einem Risiko-Setup zu pokern, was sich aber als Griff ins Klo herausstellte. Der siebenfache Weltmeister fiel schon im Q1 durch den Rost. Russell traf die Abstimmung etwas besser und stellte seinen Dienstwagen auf den sechsten Startplatz. Im Rennen war für beide Werkspiloten wieder nur Schadensbegrenzung möglich. Die gelang mit den Plätzen fünf und zehn deutlich weniger erfolgreich als noch in Bahrain.

Einige Experten vermuten, dass ein großer Teil des Rückstands auch vom Motor kommt. "Das sind höchstens ein oder zwei Zehntel", rechnen die Ingenieure vor. "Die schlechten Topspeeds haben ihre Ursache vor allem im höheren Luftwiderstand." Schaut man sich den W13 mit seinen schlanken Seitenkästen an, kann man diese Erklärung kaum glauben. Doch die Techniker versichern, dass vor allem der Heckflügel des Silberpfeils verantwortlich für das fehlende Tempo auf den Geraden ist.

Esteban Ocon vs. Fernando Alonso - Formel 1 - GP Saudi Arabien 2022 - Rennen
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Die Alpine lieferten sich ein Duell am Rande der Kollision. Der Kommandostand griff aber zunächst nicht ein.

Gab es Stunk bei Alpine?

Die Alpine-Sponsoren dürften sich gefreut haben. In den ersten Runden des Rennens drängelten sich die beiden pink lackierten Werksrenner dauerhaft und formatfüllend ins TV-Bild. Esteban Ocon und Fernando Alonso lieferten sich über mehrere Runden ein heißes Duell um Position sechs. Ocon wehrte die ersten Attacken seines Teamkollegen zum Teil kompromisslos ab. Der Kommandostand verzichtete aber zunächst auf ein künstliches Eingreifen per Stallregie. Am Ende setzte sich Alonso durch, was aber wegen seines späteren Ausfalls keine Rolle spielte: "Platz sechs wäre für mich garantiert gewesen", schimpfte der Spanier.

Über das Duell mit Ocon fand der Doppel-Champion aber keine bösen Worte: "Wir haben schon in Bahrain gegeneinander gekämpft. Da waren wir auf unterschiedlichen Strategien unterwegs. Hier waren es gleiche Voraussetzungen. Ich denke, es lief alles fair ab. Wir haben viel Respekt voreinander und lassen uns immer ein Extra-Stück Platz." Auch von Ocon kamen keine Klagen: "Wir werden im Briefing sicher noch einmal darüber reden. Das Duell war sicher hart geführt. Aber wir wissen beide, wie weit wir im Zweikampf gehen dürfen."

GP Saudi Arabien 2022 - Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Max Verstappen Red Bull 1:24:19.293 h
2. Charles Leclerc Ferrari + 0.549 s
3. Carlos Sainz Ferrari + 8.097 s
4. Sergio Perez Red Bull + 10.800 s
5. George Russell Mercedes + 32.732 s
6. Esteban Ocon Alpine + 56.017 s
7. Lando Norris McLaren + 56.124 s
8. Pierre Gasly Alpha Tauri + 62.946 s
9. Kevin Magnussen Haas + 64.308 s
10. Lewis Hamilton Mercedes + 73.948 s
11. Zhou Guanyu Alfa Romeo + 82.215 s
12. Nico Hülkenberg Aston Martin + 91.742 s
13. Lance Stroll Aston Martin + 1 Runde
14. Alexander Albon Williams Ausfall
15. Valtteri Bottas Alfa Romeo Ausfall
16. Fernando Alonso Alpine Ausfall
17. Daniel Ricciardo McLaren Ausfall
18. Nicholas Latifi Williams Ausfall
19. Yuki Tsunoda Alpha Tauri Ausfall
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