Ferrari ist dieses Jahr eine Wundertüte. Nach dem überlegenen Sieg in Barcelona folgte eine herbe Niederlage in Spielberg. "Der Stop-and-Go-Charakter der Strecke hat uns einfach nicht gepasst", grummelte Teamchef Frederic Vasseur anschließend. Auch für Silverstone hatte man sich nicht viel ausgerechnet. Zu viele Geraden, zu viel Vollgas. Doch dann feierte die Scuderia am Ende fast einen Doppelsieg.
Beim Belgien-Grand-Prix erwartet die Ferrari-Piloten am kommenden Wochenende eine ähnliche Strecke. Die Ardennen-Achterbahn in Spa-Francorchamps hat jede Menge langer Geraden und viele schnelle Kurven zu bieten. Wieder sieht sich Ferrari auf dem Papier im Nachteil, was das Duell gegen den WM-Rivalen Mercedes angeht. Der Silberpfeil kann die Stärken seines Hybrid-Antriebs und die stabile Aerodynamik hier voll ausspielen.
Mercedes reist also als Favorit nach Belgien. Aber so einfach gibt man sich bei Ferrari nicht geschlagen. Nach Informationen der italienischen Ausgabe von Motorsport.com haben die Ingenieure um Chefentwickler Loic Serra größere Umbauten am SF-26 geplant. So soll zum Beispiel das kleine Flügel-Element hinter dem Auspuff für ein Rennen wieder abgebaut werden.

Ferrari baut für ein Rennen den Auspuff-Flügel wieder ab.
Neuer Flügel für höhere Top-Speeds
Der sogenannte "Flick Tail Mode" (FTM) produziert zusätzlichen Abtrieb, wenn die Piloten auf dem Gas stehen. Aber er erhöht auch den Abgasgegendruck, was Leistung kostet. Sieben PS soll die Maßnahme angeblich bringen. Klingt nicht viel, kann auf der Power-Strecke in Spa aber einen Unterschied machen. Anpressdruck spielt dagegen nur eine Nebenrolle. In Belgien ist eher ein geringer Luftwiderstand gefragt, um auf den Geraden nicht zur leichten Beute zu werden.
Um den Top-Speed auf der Geraden zu erhöhen, hat Ferrari noch ein zweites Ass im Ärmel. Die Ingenieure lassen einen neuen Heckflügel an den SF-26 schrauben. Das Leitwerk steht nicht nur im geschlossenen Zustand weniger steil im Wind, es soll im "Straight Mode" auch noch effizienter arbeiten. Ferrari war das erste Team, dass einen sogenannten Rotationsflügel eingesetzt hat, bei dem sich der Flap auf den Geraden um 180 Grad nach oben dreht.
Red Bull legte in Miami ein ähnliches Modell nach, hatte zuletzt aber mit der Technik zu kämpfen. Max Verstappen flog zwei Mal heftig ab, nachdem der Flügel beim Schließen nicht den erwarteten Anpressdruck geliefert hatte. Bei Ferrari funktionierte der Flügel dagegen einwandfrei, so dass die Ingenieure jetzt in Belgien schon die erste Evolutionsstufe zünden. Nach Berechnungen von "Motorsport.com" soll das Upgrade 11 km/h zusätzlich beim Top-Speed bringen.

Ein neuer Macarena-Flügel soll im hochgeklappten Modus noch weniger Luftwiderstand bieten.
Wetterumschwung hilft Ferrari
Experten erwarten jedoch, dass Ferrari alleine mit aerodynamischen Maßnahmen nicht das Defizit bei der Motorleistung wettmachen kann. Vor allem die Effizienz bei der Rekuperation lässt bei der roten Göttin noch zu wünschen übrig, was schon zuletzt in Silverstone erkennbar war. Auch Spa-Francorchamps ist wieder eine Strecke, auf der die Piloten gut mit der elektrischen Energie haushalten müssen.
Der Reifenverschleiß ist ebenfalls ein Thema, bei dem Mercedes bisher meistens Vorteile hatte. In Belgien bringt Pirelli die Mischungen C2, C3 und C4 – also eine relativ konservative Auswahl. Sollten die Temperaturen so kühl werden, wie die letzten Prognosen andeuten (16 bis 20 Grad), würde das Ferrari in die Karten spielen. Mercedes sollte den Gegner auf keinen Fall unterschätzen. Ferrari ist wie gesagt immer für eine Überraschung gut.





