Die Probleme mit der Antriebs-Software bei den Mercedes-Autos sorgten in der Startrunde des Belgien-Grand-Prix für ordentlich Chaos. Die fehlende Elektro-Power auf den ersten Metern führte dazu, dass sich das Spitzenfeld auf der langen Geraden zusammenschob. Ohne das Energie-Problem wäre es wohl auch nicht zum Duell zwischen George Russell und Lewis Hamilton in der Les-Combes-Passage gekommen.
Der Mercedes versuchte außen zu attackieren und den Schaden einigermaßen in Grenzen zu halten, der Ferrari hielt innen dagegen. Hamilton wurde offensichtlich überrascht vom späten Ausbremsversuch seines ehemaligen Teamkollegen. Am Scheitelpunkt berührte sein linkes Vorderrad das rechte Hinterrad des Mercedes, den es durch den Kontakt ins Kiesbett bugsierte.
Seinem Landsmann wollte Russell anschließend keinen Vorwurf machen. "Es war eher ein normaler Rennunfall. Vielleicht hätte ich eine etwas weitere Linie fahren können, er vielleicht etwas stärker bremsen können", so die schnelle Analyse. Der Engländer war weniger wütend auf Hamilton, sondern mehr auf das erneute Problem mit der Antriebseinheit.

Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur konnte die Strafe für seinen Piloten nicht nachvollziehen.
Vasseur findet deutliche Worte
Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur wurde noch deutlicher: "Ich denke, die Strafe war Müll. Alles passierte in der ersten Runde. Bei vergleichbaren Zwischenfällen in dieser Saison gab es nie eine Strafe. Wenn man sich die Szene genau anschaut, dann sieht man, dass Russell auf der linken Seite noch genug Platz hatte. Da war er noch nicht am Rand. Für mich war das ein normaler Rennunfall."
Die Rennleitung gab Hamilton jedoch die alleinige Schuld. Der Ferrari-Pilot sei untersteuernd in seinen Kontrahenten reingerutscht. Die für Kollisionen übliche Zehn-Sekunden-Strafe wurde allerdings durch ein paar mildernde Umstände halbiert. So erkannten die Kommissare an, dass Hamilton noch versucht hatte, den Aufprall zu verhindern und es sich nicht um ein besonders aggressives Manöver gehandelt habe.
Auch die Tatsache, dass sich die Kollision in Runde 1 ereignet hatte, wurde Hamilton strafmildernd ausgelegt. Der geringe Grip und das noch sehr eng zusammenliegende Feld hätten dazu beigetragen, dass am Ende der Geraden der Platz ausging. Deshalb kassierte der Sünder nur fünf und nicht zehn Sekunden.

Bei Lewis Hamilton fehlte nach der Kollision das Leitblech auf der linken Seite.
Hamilton mit Schadensbegrenzung
Dabei war Hamilton durch das abgerissene Unterboden-Leitblech eigentlich schon genug gestraft. Fünf bis zehn Punkte Abtrieb gingen dadurch verloren. Der Pilot bat beim Boxenstopp um eine Frontflügel-Korrektur, um das Untersteuern zu lindern. Doch dann verpasste der Ferrari-Mechaniker den richtigen Zeitpunkt, um sein Verstell-Werkzeug anzusetzen.
Beim Losfahren erwischte Hamilton das Crew-Mitglied mit dem rechten Vorderrad. Zum Glück blieb der Mann unverletzt. Das Balance-Handicap war damit aber nicht behoben. Der WM-Zweite schaffte es trotzdem noch, in den Schlussrunden Oscar Piastri einzuholen. Auf Verstappen fehlten im Ziel 5,7 Sekunden. Ohne die Strafe hätte es wohl zum Podium gereicht.
Das Ergebnis nahm Hamilton nach dem Rennen auf die eigene Kappe: "Ich denke immer noch an meinen Crash im dritten Training gestern. Bei der Reparatur wurde bei der Aufhängung etwas übersehen. Deshalb hat die Balance im Qualifying nicht gepasst. Das hat zwei, drei Zehntel gekostet. Durch den schlechten Startplatz kam es dann zum Zwischenfall in der ersten Runde. Das war wie ein Domino-Effekt. Die Pace war sehr gut. Ohne den Schaden hätte ich vielleicht sogar um den Sieg kämpfen können."












