Das Leid des Charles Leclerc dauert an. Nach dem Unfall im Grand Prix von Monaco (7.6.) crashte der Ferrari-Pilot auch in der Qualifikation des Barcelona-GP nur sechs Tage später (13.6.). Der Monegasse stopfte rund neun Minuten vor Ende der des dritten Quali-Segments seinen SF-26 in die Bande von Kurve 4.
Danach schlich der 28-Jährige mit gesenktem Haupt vom Unfallort. Die Zeitlupen ließen darauf schließen, dass es sich um einen Fahrfehler des WM-Vierten gehandelt hatte. Am Ausgang von Kurve 4 kam Leclerc etwas zu weit heraus und beschleunigte auf der verschmutzten Seite des Asphalts. Dabei brach das Heck aus, Leclerc lenkte gegen und verlor dabei die Kontrolle über den Wagen. "Er war 10 km/h zu schnell an der Stelle und dann auf dem Dreck zu weit draußen und hat das Auto weggeworfen", sah auch Teamchef Frédéric Vasseur den Fehler bei seinem Angestellten.
"Ich habe die Bremse früher gelöst als in der Runde zuvor. Ich wusste, dass ich alles perfekt hinbekommen muss. Ich habe es versucht, aber jetzt bereue ich es", erklärte der niedergeschlagene Pilot anschließend.
"Dieses Wochenende hatte ich keinerlei Probleme. Das Auto hat sich toll angefühlt. Die Upgrades haben gut funktioniert. Deshalb schäme ich mich für das Ergebnis. Ich habe das Auto in die Wand gelegt. Jetzt muss ich morgen ein gutes Rennen zeigen, um mir selbst zu vergeben. Nur ein Sieg morgen kann das wieder gutmachen", suchte Leclerc keine Ausreden. Da es im ersten Versuch von Q3 passierte, setzte der achtmalige Rennsieger keine Zeit. Das Resultat war der zehnte Startplatz.
Hamilton rettet Ferrari-Ehre
In Monte-Carlo hatte Leclerc am Funk gewütet und die Schuld den Bremsen des Herstellers Brembo in die Schuhe geschoben. Für das Rennwochenende in Barcelona ist er auf Material von Carbon Industries gewechselt, das Teamkollege Lewis Hamilton schon seit längerer Zeit verwendet.
Für Leclerc läuft es seit einigen Rennen nicht mehr wie gewünscht. Stallgefährte Hamilton kommt dagegen immer besser in Fahrt. Die neue Autogeneration schmeckt dem Rekordsieger besser als die Groundeffect-Wagen, mit denen der 41-Jährige lange gefremdelt hatte.
In Barcelona schien es bis zum Qualifying so, dass Leclerc Spieß wieder umdrehen kann. Doch ab der Qualifikation lag Hamilton plötzlich wieder auf Augenhöhe mit Leclerc. Im direkten Duell steht es nun 4:3 für den Altmeister, der auf den letzten Drücker noch in die erste Startreihe stürmte. Lediglich 64 Tausendstelsekunden fehlten Hamilton auf seinen alten Mercedes-Teamkollegen George Russell. Mit seinem letzten Versuch schubste Hamilton noch Tabellenführer Kimi Antonelli im zweiten Mercedes auf Rang drei.

Lewis Hamilton sprengte die Mercedes und stellte seinen Ferrari auf den zweiten Startplatz.
Sieg-Chance für Hamilton?
"Das Wochenende war bislang sehr schwierig. Im ersten Training bin ich nicht gefahren. Als es dann ins zweite Training ging, war ich eine Sekunde langsamer. Ich habe mich nicht richtig wohlgefühlt. Und im dritten Training war ich immer noch vier bis fünf Zehntel hinten dran. Da habe ich mich echt gefragt, wo ich die Zeit herholen soll. Ab dem Q1 hat es dann gepasst, die Balance hat gestimmt und ich habe mich gut gefühlt", war Hamilton nach der Qualifikation glücklich.
"Wir haben viele neue Teile mitgebracht und es war wichtig, eine Verbesserung zu sehen. So nahe waren wir noch nie an Mercedes dran. Das ist die beste Qualifying-Leistung von Lewis seit zwei Jahren", war Vasseur über die Entwicklung des Superstars erfreut.
Ein Podium muss nach dem Samstag das Ziel für Hamilton sein. Geht im Rennen (14.6) sogar mehr? "Ich hoffe, dass ich morgen noch etwas mehr rausholen kann und mit denen [Mercedes] mithalten kann." Teamchef Vasseur weiß, auf was es ankommt. "Morgen geht es zu 100 Prozent um das Reifen-Management. Die Asphalt-Temperatur wird bei mehr als 50 Grad Celsius liegen – da können wir Spiegeleier braten", scherzte der Franzose und gab den Ferrari-Fans gleichzeitig Hoffnung auf den ersten Sieg des Jahres: "In den Longruns am Freitag waren wir auf dem Medium stark unterwegs."












