Häufig können zwischen den zwei Garagen ein und desselben Teams ganze Welten liegen. Der perfekte Beleg fand sich am Qualifying-Samstag (18.7.) bei Audi. Während Gabriel Bortoleto nach den vier Silverstone-Zählern seinen Rückenwind direkt in den achten Startplatz – Rekord für die vier Ringe – umsetzte, musste Nico Hülkenberg gleich mehrere Probleme beklagen.
Am offensichtlichsten war der Hydraulik-Schaden, der seinen R26 im Q2 runterwärts zur Pouhon-Doppel-Links lahmlegte. Davor fand der Deutsche allerdings schon wenig Freude am Auto. "Wir hatten frühzeitig Getriebeschwierigkeiten, wodurch das Schalten unrund lief. Wir nehmen es so hin, gehen das Problem über Nacht an und greifen morgen neu an."
Neben der Technik misslang Audi anfangs zudem das Operative. Der Renndirektor Allan McNish bestätigte anschließend: "Nicos allererster Versuch während Q1 wurde von Verkehr gestört, was uns dazu zwang, einen neuen Reifensatz aufzuziehen. Da steckte mehr Potenzial im Auto, als wir schlussendlich zeigen konnten."

Noch landet der Audi R26 öfter als gewollt ungeplant in der Garage. Trotzdem gewinnt der Newcomer immer mehr Kontrolle über das Technik-Paket.
Störrische Hydraulik hält auf
Hülkenberg scheint das Pech diese Saison gepachtet zu haben. Dreimal musste er Rennen vorzeitig beenden. In Miami wurde sein Audi zu heiß, in Barcelona stellte ein kurioser Zwischenfall die Elektronik ab und jüngst in Silverstone sponn das Getriebe. In Australien konnte Hülkenberg nicht mal starten. Der 38-Jährige ist also Kummer gewohnt. Hoffnung liefert dafür der zwölfte Startplatz durch Strafen für Lando Norris und Isack Hadjar.
Angesprochen auf Bammel vor weiterem Hydraulik-Ärger beließ es Nico Hülkenberg bei einem pragmatischen Fazit: "Sorgen habe ich keine. Das Auto wird jetzt repariert: Entweder hält es morgen oder nicht. Unser Top-Speed ist aber nicht das Gelbe vom Ei. Von daher schauen wir mal, was morgen möglich ist."
Die Ingolstädter Arbeitgeber erklären zum Hydraulik-Dauerthema, dass es oft nicht wiederkehrende Probleme sind, sondern dass verschiedene Baustellen aufbrechen. Teils können die Gründe erst nach den Wochenenden endgültig gefunden und aussortiert werden. Trotzdem herrscht keine Panik.

Sechs Punkte auf dem Konto, Audis bestes Quali-Ergebnis und Kollege Hülkenberg im Griff: Gabriel Bortoleto beweist den Wert seiner Verpflichtung.
Über den Erwartungen
Gute Laune fand sich derweil in der Garage von Gabriel Bortoleto. Der Youngster qualifizierte sich auf der neunten Position und rutschte einen Platz vor. Im Audi-Lager nahm man das beste Qualifying-Resultat der bisherigen Historie so oder so gerne mit. Speziell, weil man eher ein biederes Wochenende in den Ardennen befürchtet hatte. Allan McNish jubelte: "Der Q3-Sprung übertraf unsere eigentlichen Erwartungen."
"Gabriel fuhr beeindruckende Runden. Das ist eine großartige Belohnung für den vielen Aufwand und beweist, was wir im besten Fall zeigen können." Der wichtigste Indikator für McNishs Truppe war die Augenhöhe mit den Racing Bulls. Das B-Team von Red Bull gilt momentan als Maßstab des F1-Mittelfelds.
Gabriel Bortoleto warnte dennoch vor voreiligem Übermut: "Sonntag wird nicht leicht werden: Die Racing Bulls liegen trotzdem vor uns und werden uns das Leben schwermachen. Ich gebe alles, was ich habe, um auf der positiven Überraschung aufzubauen." Weitere Zähler für ihn und die ersten für Hülkenberg in dieser Saison wären wichtig, um Audi an den nächsten WM-Rivalen Williams heranrücken zu lassen. Dann würden auch beide Garagenseiten glücklich sein.












