Gabriel Bortoleto nahm es direkt auf sich. Der Leitplankenkontakt während Q1, der ihn mit gebrochener linker Aufhängung in der Hafenschikane stranden ließ, war klar sein Fehler. "Völlig unnötig! Mit meinem Auto hätte ich locker die Q1-Hürde geschafft, weswegen es dieses Extra-Risiko nicht gebraucht hätte. Nach dem dritten Training fühlte ich mich noch so gut."
Der Zeitpunkt des Leitschienen-Treffers ärgerte den brasilianischen Youngster demnach mehr als der Fehler an sich. "Diese Kurve ist bekannt dafür. Es passiert. Wäre es im zweiten oder dritten Quali-Segment so gekommen, hätte ich die Situation besser verarbeiten können. Ich mache solche Fehler nicht allzu oft. Er geschah aber nun und er schadet uns. Ich werde in mich gehen."
Eine mögliche Erklärung für die Zwei-Zentimeter-Fehleinschätzung könnte ausgerechnet die gute Leistung von Audi am Freitag gewesen sein. "Vielleicht ließ ich mich von der Ausgangslage emotional übermannen. Trotzdem will ich die Gedanken jetzt schnell abschütteln. Wir haben auf einer unserer besten Strecken, wenn es um das Punktepotenzial geht, nun einen Nachteil. Ich habe das Team in diese Lage gebracht und gebe weiter alles."

Monaco hätte für Audi eigentlich einer der wenigen sonnigen Orte in dieser Saison sein sollen. Doch im Qualifying übernahmen die Schatten.
Mini-Schaden erklärt Hülkenberg-Hadern
Das Zurückfallen von Nico Hülkenberg im Q2 schien den vier Ringen zunächst unerklärlich. Zuvor war der Deutsche konsequent Top-10-Fahrer. Er überlegte: "Ich bin bei meinen Versuchen einfach auf einem Plateau angekommen. Es gab keine Sprünge mehr, obwohl die letzte Runde sauber war. Aber dass wir uns über die verpassten Top 10 ärgern, ist doch ein gutes Zeichen."
Weiterer Balsam dürfte eine spätere Entdeckung der Mechaniker gewesen sein. Das Auto hatte einen kleinen äußeren, aber in diesem Bereich ausreichenden Schaden. Sportdirektor Allan McNish erklärte gegenüber auto motor und sport: "Wir waren zuversichtlich, dass wir uns für das Qualifying weiterentwickeln konnten. Natürlich waren die Top-Teams außer Reichweite, aber die Top 10 blieben realistisch. Ich bin sehr überzeugt, dass es an einem glücklicheren Tag beide ins Q3 geschafft hätten."
Als früherer Le-Mans-Rennfahrer hat McNish nur noch eine Devise: "Niemals aufgeben! Monaco ist sehr speziell. Manchmal beißt es Dich, manchmal die anderen. Auch wegen des aktuellen Reglements stehen wir vor vielen Unbekannten morgen. Die Chancen auf Unterbrechungen sind immer hoch."
Taktikwüste Monte Carlo
Wird sich Audi vielleicht noch selbstständig über Strategie aus der Misere retten? "Ganz grundsätzlich kann man hier seit Ewigkeiten nur sehr schwer überholen. Dazu ist das strategische Fenster durch das Aus der letztjährigen Zwei-Stopp-Vorgabe wieder deutlich limitierter. Es bleibt dabei: Am Quali-Samstag entscheidet sich das meiste."
Und wie wäre es mit einem Hauptsache-ankommen-Mindset? "Es ist eine Balance. Natürlich setzt hier niemand alles aufs Spiel. Gleichzeitig lässt aber auch keiner einen Meter Respektabstand zur Barriere. Wir wollen unbedingt alle 78 Runden abspulen, denn jeder Kilometer und jeder Pitstop machen unser Team aktuell besser. Unsere Rennen in Miami und Montreal haben diese Wahrheit auch nochmal unterstrichen.
Allan McNish will seine ruhige Stimmung nach dem Doppelpech nicht missverstanden wissen. "Ganz klar: Wir sind heute enttäuscht. Nach Top-10-Ergebnissen in allen Trainings sollte man es sein. Andererseits sind wir hier in der Lage, uns über die verpasste Chance zu ärgern. Daraus kann man einiges ziehen."












