Was war schon alles über Lewis Hamilton geschrieben und gesagt worden. Zu alt, zu langsam, nicht mehr auf dem Niveau seiner Gegner. Das Jahr 2025 war das schlechteste in seiner langen Formel-1-Karriere. Der Wechsel von Mercedes zu Ferrari schien nach hinten los gegangen zu sein. Gegen Teamkollege Charles Leclerc war der Engländer häufig unterlegen.
Die neue Saison bot mit der neuen Autogeneration eine Chance. Und Hamilton wirkte von Anfang an revitalisiert. Nach drei Podestplätzen in den ersten sechs Rennen hat der 41-Jährige in Barcelona (14.6.) nun den vorläufigen Höhepunkt bei Ferrari erreicht. Hamilton gewann in Katalonien seinen ersten Grand Prix für die Scuderia. Es war der 106. Sieg in seiner Karriere. Damit beendete er auch eine lange Durststrecke. Seit Spa 2024 hatte er kein Rennen mehr für sich entschieden.
Am Funk wurde der Brite emotional: "Grazie a tutti! Danke für eure harte Arbeit! Ich kann euch nicht genug danken. An meine Familie: 'Ich liebe euch.' Und an meine Fans: Danke, dass ihr an mich geglaubt habt!'" Als der Triumphator das Auto verlassen hatte, musste er sich erst einmal sammeln und ging kurz in die Hocke, ehe er in die Arme seiner Mechaniker sprang.

Lewis Hamilton feierte in Barcelona seinen ersten Sieg für Ferrari.
Ferrari mit Soft-Reifen am Start
Ausgerechnet sein langjähriger Mercedes-Rivale Nico Rosberg führte im Anschluss die Interviews. Mit dem Deutschen war er vor zehn Jahren in Barcelona in Runde 1 kollidiert. "Ich habe letztes Jahr meinen Traum begonnen, der so schlecht angefangen hatte. Aber alle haben an mich geglaubt. Als Kind habe ich die vielen Erfolge von Ferrari am Fernseher gesehen und da habe ich mir gesagt, auch mal für Ferrari fahren zu wollen. Forza Ferrari!"
Der Erfolg der Scuderia war keiner des Glücks. Die Pace des SF-26 in den Händen des siebenmaligen Weltmeisters war stark. Die Updates am Ferrari hatten schon in der Qualifikation ihre Wirkung gezeigt. Die Pole-Position verpasste Hamilton um nur 64 Tausendstelsekunden.
Für den ersten Stint schickten die Strategen den Routinier auf dem Soft-Reifen ins Rennen. Zum einen wollte man auf der dreckigen Spur den Nachteil mit mehr Grip kompensieren. Zum anderen setzte Hamilton dank des frühen Stopps in Runde 11 die Gegner unter Druck. Für den zweiten Teil des Rennens war er nun auf frischen harten Reifen unterwegs. Pole-Setter George Russell antizipierte zwar früh, dass sein ehemaliger Teamkollege drei Mal an die Box fahren würde, doch Mercedes wollte die Track-Position halten und holte Russell ebenfalls früh zum Service herein.

Die Drei-Stopp-Strategie bei Ferrari ging perfekt auf.
VSC-Phase hilft Hamilton
Zum zweiten Mal stoppte Hamilton in der 29. Runde und nahm dieses Mal einen frischen Satz der Medium-Pirelli mit. Mercedes reagierte nicht auf die Taktik und wechselte bei Russell sowie Stallgefährten Kimi Antonelli in Runde 36 bzw. 37 zum letzten Mal die Reifen. Der Vorsprung des Führenden schmolz zwar, aber nur langsam.
Unter normalen Umständen hätte Hamilton nach seinem dritten Stopp auf der Strecke die Mercedes sowie Lando Norris (McLaren) schnappen müssen. Dazu kam es aber nicht. Sein alter McLaren-Rivale Fernando Alonso löste eine VSC-Phase aus, die Hamilton in die Karten spielte. Die Strategen beorderten ihren Star in Runde 41 an die Box, der die Führung behalten konnte und auf den frischen Reifen nichts mehr anbrennen ließ.
Einen kurzen Schreckmoment hatte der Barcelona-Sieger aber noch zu überstehen. Die Rennleitung hatte ein mögliches Vergehen unter gelber Flagge notiert. Die Onboard-Aufnahmen zeigten jedoch, dass Alonso unmittelbar vor ihm ausgerollt war. Die gelbe Flagge wurde erst kurz darauf verhängt.
Greift Hamilton in den WM-Kampf ein?
Nach dem emotionalen Erfolg macht auch der Blick auf die Tabelle Lust auf mehr. Der bisherige Dominator Antonelli rollte kurz vor Schluss aus. Hamilton liegt nur noch 41 Punkte hinter dem Italiener. Die Upgrades von Barcelona haben gezeigt, dass Ferrari auf dem richtigen Weg ist. Und wenn Hamilton einmal am Erfolg schnuppert, ist der Rekordmann zur Stelle.
Der erste Sieg für die Mythos-Marke passierte zudem an derselben Stelle wie Michael Schumachers erster Triumph für Ferrari. Vor 30 Jahren deklassierte Schumi die Konkurrenz im Regen von Barcelona. Der Rest der Erfolgsgeschichte ist bekannt. Ob Hamilton nun an diese anknüpfen wird? "Ich werde keine Vorhersagen abgeben. Wir werden natürlich weiter pushen und hart arbeiten."












