Miami wird richtungsweisend sein, da waren sich alle Experten einig. Entsprechend gespannt wurde verfolgt, wie gut sich die elf Teams am Freitag (1.5.) aus der fünfwöchigen Pause zurückmelden. Wegen der vielen Upgrades durfte man eine kleine Verschiebung des Kräfteverhältnisses erwarten. Dass sich das Feld im Sprint-Qualifying an der Spitze komplett neu sortieren würde, kam dann aber doch überraschend.
Wichtigstes Fazit: Die Zeiten der Mercedes-Dominanz sind vorbei – zumindest beim Miami-Wochenende. George Russell und Kimi Antonelli hinkten der Konkurrenz in den ersten beiden K.O.-Runden weit hinterher. Am Ende gelang Antonelli mit dem zweiten Startplatz immerhin noch erfolgreich Schadensbegrenzung.
Dem WM-Spitzenreiter fehlten nur gut zwei Zehntel auf die Bestzeit von Lando Norris. Russell fuhr der Konkurrenz auch im Top-Ten-Finale deutlich hinterher. Der Brite blieb mit mehr als sechs Zehnteln Rückstand deutlich hinter den Erwartungen zurück. Mit Startplatz sechs ist der Sprint-Sieg für den WM-Zweiten bereits in weite Ferne gerückt.

Bei Ferrari hat das Miami-Upgrade noch nicht so richtig gezündet.
Ferrari nicht zufrieden
"Die Balance hat einfach nicht gepasst. Die Reifen haben im kurvigen Mittelsektor schnell überhitzt. Mich überrascht es etwas, wie groß die Fortschritte der anderen sind", staunte Russell anschließend. "Mal schauen, was morgen von diesem Startplatz noch möglich ist. Normalerweise geht im Sprint nicht viel. Vielleicht ist das mit diesen Autos dieses Jahr etwas anders."
Ferrari konnte im Q3 auch nicht in den Kampf um die Pole-Position eingreifen. Im Gegensatz zur Konkurrenz schafften es Charles Leclerc und Lewis Hamilton nicht, sich mit den Soft-Reifen im Top-Ten-Finale entscheidend zu steigern. Beide beklagten sich über zu wenig Grip. Im Freien Training hatte Leclerc noch die Bestzeit gesetzt, im Sprint-Quali musste sich der Monegasse mit Platz vier zufriedengeben.
Hamilton reiht sich noch drei Plätze weiter hinten ein. Die Aussagen des Rekordsiegers im Anschluss erinnerten fast schon an das miserable Vorjahr, als der Ferrari-Neuling lange nach Antworten suchte: "Ich hatte gehofft, dass es besser läuft. Das Auto hat sich aber nicht besonders gut angefühlt. Wir müssen jetzt herausfinden, warum wir nicht schneller sind."

Bekanntes Bild: Norris jubelte wieder mal in Miami.
Spezialstrecke für Norris und McLaren
Bei McLaren sah es lange nach einer reinen ersten Papaya-Startreihe aus. Nur Antonelli konnte die Papaya-Wand in letzter Sekunde noch durchbrechen und wenigstens Oscar Piastri hinter sich lassen. Lando Norris war an diesem Freitag eine Klasse für sich. Trotz eines kleinen Fehlers in Kurve 16 raste der Weltmeister locker auf die Pole Position.
"Es ist schön, nach langer Zeit mal wieder richtigen Grip zu spüren. Diese Strecke war immer schon gut zu uns. Ich liebe Miami einfach. Ich habe mich heute von der ersten Runde an wohl im Auto gefühlt", strahlte Norris anschließend. Der Brite wusste, bei wem er sich bedanken musste: "Wir haben gut in der Fabrik gearbeitet. Wir konnten mit einem guten Fortschritt rechnen. Es ist ein gutes Zeichen, dass unsere Kalkulation gestimmt hat."
Die Frage lautet, ob Miami nur eine Eintagsfliege oder der Beginn einer neuen McLaren-Serie war. Der Kurs um das Hard-Rock-Stadion hat dem Team aus Woking schon in den letzten Jahren immer gut gepasst. Auch wenn das Auto nun ganz anders ist, kommt es in der Formel 1 immer wieder mal vor, dass Teams über mehrere Rennwagen-Generationen hinweg Lieblingsstrecken haben.

Max Verstappen kommt mit dem komplett umgebauten Red Bull auch immer besser in Schwung.
Spitze rückt enger zusammen
Erstmals in diesem Jahr ist die Formel 1 zudem auf einer Strecke unterwegs, die den Piloten beim Energie-Management unter die Arme greift. Die vielen harten Bremszonen in Miami erleichtern das Aufladen der Batterie. Dazu kam auch noch die Reduzierung des Ladelimits. Möglicherweise kommt das McLaren mehr entgegen, auch wenn Mercedes in Sachen Power Unit mit dem gleichen Material unterwegs ist.
"Es ist noch ein sehr früher Zeitpunkt des Wochenendes", warnte Teamchef Andrea Stella vor übertriebener Euphorie. "Wir haben schon im Freien Training erste Anzeichen gesehen, die uns optimistisch stimmen konnten. Die Upgrades haben wie erwartet abgeliefert. Es ist schön, McLaren wieder vorne zu sehen, auch wenn es erst Freitag ist und es sich nur um eine Sprint-Quali-Session handelte."
Zak Brown hatte vor der Zeitenjagd von sieben Zehnteln gesprochen, die das Upgrade-Paket bringen soll. Die Prognose sorgte bei Stella für ein kurzes Lächeln: "Das kann ich nicht bestätigen. Es waren ein paar Zehntel. Es ist aber auf jeden Fall gut für den Sport, wenn McLaren, Ferrari und Red Bull Fortschritte machen und wieder gemeinsam vorne kämpfen."

Vom Mercedes-Vorsprung ist in Miami nichts mehr zu sehen. In Montreal soll die alte Hackordnung wieder hergestellt werden.
Kann Mercedes in Montreal kontern?
Die Frage lautet, wie lange die Mercedes-Schwächephase andauert. Das Silberpfeil-Team hatte vor dem Miami-Wochenende bereits gewarnt. Im Gegensatz zur Konkurrenz fielen die Upgrades am W17 relativ klein aus. Die Ingenieure in Brackley entschieden sich, die drei Wochen bis Montreal mitzunehmen, um noch mehr Performance aus den neuen Teilen rauszuholen.
Insgeheim hatte man offenbar gehofft, dass der Vorsprung der ersten Rennen ausreicht, um auch mit dem alten Paket noch konkurrenzfähig zu sein. Das darf nach dem Freitag von Miami bezweifelt werden, auch wenn Mercedes über die Renndistanz immer noch mal eine Schippe drauflegen kann.
Die erste Quali-Niederlage ist noch kein Grund zur Beunruhigung für die Truppe von Toto Wolff. Aber auch McLaren will in Montreal noch ein paar Teile nachlegen. Sollte Mercedes dann immer noch hinterherhinken, muss man sich im Silber-Lager Sorgen machen. McLaren war schon in den letzten Jahren das stärkste Team, was die Weiterentwicklung während der Saison anging.





