Mercedes - Formel 1 - GP Singapur - Donnerstag - 29.9.2022 ams
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Mercedes unsicher: Wie sieht das 2023er Auto aus?

Angst vor Bodenwellen in Singapur Wie sieht der 2023er Mercedes aus?

GP Singapur 2022

Noch immer hat Mercedes in dieser Saison keinen Sieg gelandet. Damit dürfte es auch in Singapur schwer werden. Das Profil der Strecke passt zwar zum W13, doch die Buckelpiste ringt beim Setup Kompromisse ab. Die Ingenieure erhoffen sich vom GP Singapur weitere Antworten für 2023.

Die letzte sieglose Saison von Mercedes liegt mehr als ein Jahrzehnt zurück. Seit 2012 (inklusive) haben die Silberpfeile in jedem Jahr mindestens ein Rennen gewonnen. Lewis Hamilton siegte sogar in jeder Formel-1-Saison. Und der Rekordsieger der Königsklasse ist seit 2007 dabei. Seine Serie könnte 2022 enden. In dieser Saison schnupperte Mercedes nur an einem Erfolg. In England, Ungarn und den Niederlanden. Die großen Pokale blieben aber insbesondere Red Bull und Ferrari vorbehalten.

Das Ziel bleibt ein Sieg in dieser Saison. Es wäre eine Motivationsspritze für eine erfolgsverwöhnte Mannschaft. Und ein Beweis dafür, dass man aus einer schwierigen Saison genug gelernt und mitgenommen hat, um 2023 in beiden Weltmeisterschaften wieder angreifen zu können. Für den anstehenden GP Singapur rechnet sich Mercedes jedoch keine großen Chancen gegen Red Bull aus. Im Vorfeld spricht man von einem Zweikampf mit Ferrari um die Positionen dahinter.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2022 - Monza - Rennen
Wilhelm
Singapur sollte Mercedes besser liegen als zuletzt Monza. Doch gegen Red Bull sieht man keine Chance.

Streckenprofil passt zum W13

Dabei gibt es ein paar Umstände, die Mercedes auf die Beine helfen könnten. Das Streckenprofil passt zum W13. Weil es praktisch nur einen Kurventyp gibt, bis auf zwei schnellere Ecken hinten heraus. Da lässt sich leichter eine passende Abstimmung herausfiltern, als auf Pisten, die schnelle und langsame Kurven mixen. In Singapur wird mit maximalem Anpressdruck gefahren. "Dieser Typ Strecke liegt uns", meint George Russell. "Gleichzeitig kann Red Bull hier sein effizientes Auto nicht ausspielen. Ihr Topspeed-Vorteil kommt in Singapur nicht zum Tragen."

Die hohen Temperaturen sollten Russell und Teamkollege Hamilton helfen, die Reifen in der Qualifikation ins Arbeitsfenster zu bringen. Der Aufwärmprozess ist eine große Schwachstelle im Mercedes-System. Auf der anderen Seite ist der W13 das Auto, das die Reifen über die Distanz am besten konserviert. Auf einer Strecke, die die Hinterreifen quält, könnte das im Nachtrennen zum Joker werden.

Jedoch spricht ein Faktor gegen Mercedes. Singapur ist eine Rennstrecke übersät von Bodenwellen. "Das hier ist kein Rennasphalt, sondern ein reiner Belag für Straßenautos", klagen die Ingenieure. Es ist die vielleicht schlimmste Buckelpiste des Jahres. Schlimmer noch als Baku und Montreal, wo Mercedes besonders litt, weil man die Bodenfreiheit erhöhen musste, um den Unterboden zu schützen. Dann verliert das Auto mit dem kleinsten Arbeitsfenster im Feld überproportional an Abtrieb.

Ohne Bodenwellen siegfähig in Singapur

Die Mercedes-Ingenieure sind überzeugt: "Gäbe es auf diesem Kurs keine Bodenwellen, könnten wir zu 100 Prozent um den Sieg fahren." Weil man den Silberpfeil dann tiefer fahren könnte. Dabei generiert das Auto viel Anpressdruck. So aber fällt man wohl aus dem optimalen Fenster heraus. Mercedes fürchtet, dass Red Bull das Singapur-Wochenende dominieren wird.

Der RB18 federt Unebenheiten am besten weg. Und seine Aerodynamik stört es auch nicht so sehr, wenn der Unterboden nicht unmittelbar am Asphalt klebt. Red Bull will sich seinerseits nicht in die Favoritenrolle drängen lassen. Das Team von Weltmeister Max Verstappen warnt. Nicht vor Mercedes, sondern vor Ferrari. Das rote Auto sei auf Stadtkursen allgemein stark. Und in der Qualifikation besonders schnell. Davon zeugen zehn Pole Positions in dieser Saison. Überholen sei in Singapur trotz drei DRS-Zonen eine knifflige Aufgabe. Es fehlen lange Geraden.

Bei Mercedes glaubt man, dass Red Bull die rote Konkurrenz bewusst stark rede, um den Druck und die Aufmerksamkeit auf die andere Seite zu schieben. Ferrari könnte in Singapur in Probleme laufen. Der F1-75 schluckt Bodenwellen nicht mehr so wie im ersten Teil der Saison. Der Federungskomfort ist schlechter geworden, seit die Technische Direktive TD039 (ab dem GP Belgien) greift.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2022 - Monza - Rennen
Wilhelm
Bleibt Mercedes 2023 den Mini-Seitenkästen treu oder nicht? Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Kopie nie besser als Original

Für Mercedes wird Singapur zu einer weiteren Bewährungsprobe. "Auf buckeligen Stadtkursen waren wir in dieser Saison schlecht", sagt Russell. "Wir werden erst nach diesem Wochenende bewerten können, ob die Schritte, die wir auf unserem Weg gegangen sind, zu einer besseren Performance geführt haben. Ich erwarte nicht, dass wir so schnell sein werden wie in Budapest oder Zandvoort, aber auch nicht so schwach wie in Monza."

Die Ingenieure erhoffen sich weitere Antworten – vor allem in Hinblick auf die kommende Saison. Sollte man in Singapur gut abschneiden, würde das den Optimismus im Team befördern. Sollte es nicht laufen, wünscht man sich wenigstens zu wissen, woran es genau hakt, und wie man die Probleme weiter behandeln könne. Sollte man schlecht abschneiden, und keine Ahnung haben wie eine Lösung aussehen könnte, sehe man Schwarz für 2023.

Noch hat der Abo-Konstrukteurs-Weltmeister sein Auto und all die Tücken, die es in sich trägt, nicht zu 100 Prozent verstanden. Deshalb steht auch noch nicht fest, wie der nächstjährige Mercedes aussehen wird. Ob man vom Konzept der Mini-Seitenkästen abrückt oder nicht. Und zwar sichtbar oder nicht.

Die Grundstruktur für den W14 muss nämlich zu diesem späten Zeitpunkt im Jahr bereits stehen. Also wie das Chassis konstruiert wird, und das Kühlkonzept gestrickt werden soll. In Gesprächen ist herauszuhören, dass Mercedes seiner extrem kompakten Bauweise treu bleiben will. Diese eröffne alle Möglichkeiten beim Bodywork des Autos. Mercedes kann jede beliebige Karosserie drüber stülpen. Also locker leicht den Seitenkasten von Red Bull oder Ferrari nachbauen. Die Ingenieure sagen aber dazu: "Eine Kopie ist nie besser als das Original." Klingt danach, dass Mercedes weiter den eigenen Weg geht.

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