Die Power Units sind dieses Jahr das große Streitthema. Das sogenannte ADUO-Verfahren, das den Motorenherstellern mit PS-Rückstand die Möglichkeit zum Nachbessern gibt, sorgte zuletzt für viele Diskussionen im Fahrerlager. Zur Überraschung aller Experten kam die FIA bei ihrer Analyse zum Ergebnis, dass Red Bull den stärksten V6-Motor besitzt. Alle anderen dürfen nachrüsten.
Auch Mercedes bekam grünes Licht, ein Upgrade zu bringen. Doch wie man hört, hält der WM-Spitzenreiter erst einmal die Füße still. Würde Mercedes jetzt nachrüsten, bestünde die Gefahr, dass man Red Bull wieder überholt. Dann dürfte wiederum der Konkurrent neue Teile homologieren. Also bleibt man lieber beim Status quo. Angeblich soll Mercedes sogar überlegen, den Joker erst in der kommenden Saison zu ziehen.
Die FIA sammelt derzeit Leistungsdaten aller Motoren für den zweiten Messzeitraum zwischen dem Grand Prix von Monaco Anfang Juni und dem Ungarn-GP Ende Juli. Dabei soll festgestellt werden, ob sich die Reihenfolge der Hersteller verändert hat. Parallel versucht Red Bull weiterhin, die ursprüngliche FIA-Einstufung überprüfen zu lassen, die den eigenen Verbrennungsmotor vor dem Kanada-GP als Klassenbesten bewertet hatte. Die Auswertung der entsprechenden Daten befindet sich nach Angaben des Weltverbands in der Schlussphase.

Mit dem Spielberg-Upgrade sollten die Batterie-Probleme behoben werden.
Mercedes rüstet für Spielberg nach
Schon in Spielberg wurden die Mercedes-Autos mit neuen Motoren-Paketen ausgerüstet. Obwohl hier noch keine ADUO-Upgrades verbaut waren, gab es erste Änderungen an der Hardware. Es handelte sich dabei um Maßnahmen, die der Zuverlässigkeit dienen. Solche Nachbesserungen dürfen jederzeit durchgeführt werden, wenn die FIA und die Konkurrenz zustimmt. In solchen Fällen gibt es nur selten Widerstand, weil jeder mal auf die Zustimmung der Gegner angewiesen ist.
Dass es Probleme mit der Zuverlässigkeit der Mercedes-Triebwerke gibt, ist auch kein Geheimnis. George Russell (Montreal) und Kimi Antonelli (Barcelona) hatten jeweils schon einen Komplettausfall zu verbuchen, nachdem Defekte an den Batterie-Paketen aufgetreten waren. Mit dem Tausch auf die Spielberg-Spezifikation wurden bei den Energie-Speichern und den Steuereinheiten erste Gegenmaßnahmen eingeleitet.
Mercedes-Teamchef Toto Wolff erklärte, dass die neuen Antriebseinheiten zwar keine technischen Leistungsverbesserungen enthalten, dennoch einen kleinen Vorteil brachten. "Es sind einfach neue Power Units", erklärte der Österreicher. "Mit weniger Laufleistung bringen sie natürlich ein bisschen mehr Dampf mit. Aber es gibt kein Upgrade und aktuell ist auch keines geplant."
Der leichte Leistungsgewinn ergibt sich vor allem daraus, dass fabrikneue Motoren noch keine altersbedingten Leistungsverluste aufweisen. Gleichzeitig geben die Zuverlässigkeitsverbesserungen Mercedes offenbar die Möglichkeit, die Aggregate etwas aggressiver zu betreiben.

Carlos Sainz rollte in Spielberg frühzeitig aus. Williams-Teamchef James Vowles sprach von einem neuen Problem.
Neues Motor-Problem am Williams
Alle Zuverlässigkeitssorgen konnten damit allerdings noch nicht behoben werden. Das Kundenauto von Carlos Sainz rollte schon nach 23 Runden mit einem Problem an der Motor-Elektronik aus. Dabei hatte Williams vor dem Wochenende die verbesserten Power Units erhalten. "Wir haben leider noch nicht genug Daten, um zu verstehen, durch was das Problem verursacht wurde", bedauerte Teamchef James Vowles. "Es hatte aber leider ziemlich heftige Auswirkungen."
Einen Vorwurf machte der ehemalige Mercedes-Strategiechef seinem Ex-Arbeitgeber aber nicht: "Es war klar, dass die Zuverlässigkeit im ersten Jahr dieser neuen Motoren ein Thema wird. Mercedes und McLaren waren ja auch schon betroffen. Ich bin aber sicher, dass sich das verbessern wird. Ich hatte das Privileg, über mehrere Jahre bei Mercedes arbeiten zu dürfen. Sie sind unglaublich gut darin, ein starkes Produkt zu entwickeln und es dann immer weiter zu verbessern."
Der Spielberg-Ausfall dürfte bei Mercedes High Performance Powertrains in Brixworth trotzdem die Alarmglocken schrillen lassen. Was bei Williams passiert ist, kann auch das Werksteam betreffen. "Dieses spezifische Problem sieht neu aus", verriet Vowles. "Deshalb ist es jetzt auch schwer, eine Garantie zu geben, dass es direkt für Silverstone gelöst werden kann. Aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass sie unglaublich schnell darin sind, solche Fehler zu analysieren und zu beheben."












