Die australischen Formel-1-Fans dürften sich gerne an die erste Halbzeit der Vorsaison erinnern. Nach dem Rennen in Zandvoort hatte Oscar Piastri die Fahrerwertung mit 34 Punkten angeführt. Doch seitdem ging beim Mann aus Melbourne praktisch alles schief, was schiefgehen konnte. In einem spannenden Endspurt musste sich der 25-Jährige seinem Teamkollegen Lando Norris und Max Verstappen geschlagen geben.
Und nach der Winterpause ging es direkt mit einigen Tiefschlägen weiter. Beim Saisonauftakt in Australien krachte der Lokalmatador schon auf den Weg in die Startaufstellung in die Bande. Eine Woche später verhinderte ein Batterie-Problem den Start in China. Danach schien es mit zwei Podiumsplätzen in Suzuka und Miami kurz aufwärts zu gehen. Seitdem ließ es der Pilot jedoch etwas an Konstanz vermissen.
Mit 92 WM-Punkten aus den ersten zehn Rennen fiel die Bilanz durchwachsen aus. In der Fahrerwertung bedeutet das Rang sechs – direkt hinter Norris, der eher noch einen Tick mehr vom Technik-Pech betroffen war. Sorgen machen muss den Piastri-Fans vor allem, dass ihr Idol dem Teamkollegen nicht mehr richtig hinterherkommt. Norris konnte sechs der letzten sieben Quali-Duelle für sich entscheiden.

Beide McLaren-Piloten hatten in Belgien mit Problemen zu kämpfen.
Beide McLaren unter Wert geschlagen
In Spa war der Weltmeister das ganze Wochenende ein paar Zehntel schneller unterwegs. Und er wäre ohne die Startplatzstrafe und die Boxenstopp-Panne sicher vor dem Schwesterauto ins Ziel gekommen. Allerdings muss man zur Verteidigung von Piastri auch erwähnen, dass sein Auto nach einem Duell mit Charles Leclerc Teile des Leitblechs auf der rechten Seite verloren hatte.
Auch im Qualifying wurde der Mann aus Down Under unter Wert geschlagen. Piastri sprach anschließend von einer Power-Anomalie, die ihn im entscheidenden Versuch ein paar Zehntel kostete. Zur Wahrheit gehört aber auch dazu, dass schon in den Trainings zuvor immer ein Stück zum Teamkollegen fehlte.
Teamchef Andrea Stella hat das Problem schon identifiziert: "Die Piloten sprechen immer wieder darüber, dass diese Rennwagen-Generation einen speziellen Fahrstil erfordert. Wenn man zu sauber fährt, dann kommen am Ende keine guten Rundenzeiten heraus. Man muss richtig attackieren und akzeptieren, dass das Auto ins Rutschen gerät. Man muss richtig aktiv am Lenkrad sein."

Letztes Jahr passte Piastri das Auto zunächst besser, dieses Jahr kam Norris stärker aus den Startlöchern.
Piastri muss Fahrstil umstellen
Norris fällt es offenbar leichter, sich auf die Bedürfnisse des Autos einzustellen. Piastri geht das nicht so leicht von der Hand: "Wir arbeiten mit Oscar hart daran, dass er den Charakter der Autos mehr in seinen natürlichen Fahrstil einbezieht. Dieses Phänomen sehen wir aber auch bei anderen Teamkollegen, zum Beispiel bei Antonelli und Russell oder manchmal auch bei Hamilton und Leclerc."
Piastri stehen nun also noch ein paar Simulator-Sessions bevor, um sich an die Bedürfnisse des MCL40 anzupassen. Stella will seinen Piloten längst noch nicht abschreiben: "Ich bin mir sicher, dass wir eine Lösung finden und das wieder das ganze Talent von Oscar zum Vorschein kommt."
Vielleicht hilft Piastri ja auch das Upgrade-Paket, das für Budapest in der Pipeline steckt – darunter ein ganz neuer Unterboden. Der Pilot will aber nicht zu viel erwarten: "Das Auto ist ja jetzt schon schnell. Wir haben nur Probleme, immer die komplette Performance rauszuquetschen. Vielleicht fällt uns das mit den neuen Teilen etwas leichter."

Wer hat am Ende die Nase vorn im Team-Duell? Und feiert McLaren dieses Jahr noch Siege?
Ambitionierter Upgrade-Plan
Auch Norris zeigte sich mit dem jetzigen Paket zufrieden: "Ohne die Strafe und den verpatzten Boxenstopp wäre ich deutlich weiter vorne gelandet. Die Pace war so gut, dass ich vielleicht sogar um den Sieg hätte kämpfen können. Das ist sehr positiv, obwohl wir am Auto gar nichts geändert haben. In Silverstone sind wir noch meilenweit hinterhergefahren. Wir müssen jetzt verstehen, warum uns diese Strecke besser gelegen hat."
Stella gibt sich für den Ungarn-GP vorsichtig optimistisch. Ganz oben auf seiner Favoritenliste steht aber ein anderes Team: "Sowohl in Budapest als auch in Zandvoort ist wohl der Ferrari wieder das schnellste Auto. Sie haben einen sehr starken Speed in den Kurven. Uns fehlt da noch etwas Grip. Die Upgrades sollten uns in diesem Punkt helfen. Für die Rennen danach haben wir auch schon neue Teile geplant. Ich hoffe, dass wir in der zweiten Saisonhälfte wieder um Siege kämpfen können."












