Formel 1: So brach Red Bull auseinander - Geht jetzt auch Max Verstappen?

So brach Red Bull auseinander
Verlässt auch Verstappen das sinkende Schiff?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.04.2026
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Max Verstappen - GP Las Vegas 2023
Foto: Red Bull

Es war so etwas wie ein Running Gag im Fahrerlager. Immer, wenn ein wichtiger Mitarbeiter das Red-Bull-Team verlassen hatte, wiegelte Ex-Teamchef Christian Horner ab, dass die betreffende Person sowieso nicht mehr wichtig war, für den Erfolg nur eine Nebenrolle spielte und angeblich auf dem Abstellgleis landen sollte.

Verluste wurden stets kleingeredet. Doch irgendwann ließ sich nicht mehr leugnen, dass die Schlagkraft der ehemaligen Weltmeistertruppe durch die Abgänge gelitten hatte. 2023 sammelte der Rennstall aus Milton Keynes noch komplett dominant beide WM-Titel. In den beiden Jahren danach folgte der Absturz auf Rang drei im Konstrukteurspokal.

In der aktuellen Saison scheint der Fahrstuhl noch ein paar Etagen tiefer zu rutschen. Selbst Max Verstappen konnte die herben Pleiten bei den ersten drei Rennen nicht verhindern. Momentan versinkt das Top-Team in der Tabelle auf Position sechs im tiefen Mittelfeld – noch hinter Haas und Alpine. Von den eigenen Ansprüchen ist das weit entfernt.

Red Bull Führung  - GP Abu Dhabi 2023
xpb

Auto nicht konkurrenzfähig

Dass Red Bull mit dem ersten eigenen Motor abrutschen könnte, war zu befürchten. Die aktuelle Krise liegt aber nur zu einem kleinen Teil am Antrieb. Auch der Rest des Autos ist nicht konkurrenzfähig, was nicht nur die Ingenieure, sondern auch die Fahrer bestätigen.

Jos Verstappen hatte es im Zuge der Affäre um Ex-Teamchef Horner schon befürchtet, dass das gesamte Red-Bull-Team mit der Zeit auseinanderbrechen könnte. Der Niederländer sollte Recht behalten. Die Liste an freiwilligen und erzwungenen Abgängen ist lang. Wir blicken noch einmal zurück auf die turbulenten letzten Jahre:

Rob Marshall – Abgang 12/2023

Im Fall von Rob Marshall dachte Red Bull lange, dass man den Verlust kompensieren kann. Doch was der ehemalige Chefdesigner wert ist, sah man nach seinem Wechsel zu McLaren. Hier war der Ingenieur maßgeblich daran beteiligt, dass in Woking zwei Konstrukteurspokale in Folge sowie die Trophäe für die Fahrer-WM in die Vitrine wanderten. Marshall brachte vor allem seine Expertise beim Konstruieren von Aufhängungen und beim kontrollierten Verbiegen von Carbonteilen ein.

Adrian Newey – Abgang 05/2024

Die Königsfigur im Red-Bull-Schach ist sicher Adrian Newey. Kaum war er weg, ging es sportlich bergab. Dabei wurde immer behauptet, dass er zuletzt nur noch eine Nebenrolle einnahm und Pierre Waché der eigentliche Kopf hinter den jüngeren Erfolgen war. Auch wenn die Aufgaben bei der Entwicklung des Autos auf mehrere Schultern verteilt wurden, so war Newey immer eine große Hilfe, wenn es darum ging, neue Abstimmungslösungen zu finden und Setup-Probleme zu beheben.

Adrian Newey & Jonathan Wheatley - Red Bull - 2022
Carl Bingham via Getty Images

Jonathan Wheatley – Abgang 12/2024

Beim WM-Finale 2021 in Abu Dhabi hatte Jonathan Wheatley seinen großen Auftritt. Der Sportdirektor hielt den Druck auf die Rennleitung hoch und half in den letzten Runden mit, dass das Rennen noch einmal freigegeben wurde. Das Ergebnis ist bekannt: Verstappen feierte seinen ersten WM-Titel. Dazu machte Wheatley die Mechaniker-Crew zu einer schlagkräftigen Truppe, die mit schnellen Reparaturen und den besten Boxenstopps der Formel 1 glänzte.

Christian Horner – Abgang 07/2025

Auch wenn Christian Horner in den letzten Jahren nicht immer eine glückliche Figur machte, kann niemand seine Erfolge in der Vergangenheit abstreiten. Sein Wort hat auf der politischen Bühne Gewicht. Er weiß, wie man die Interessen eines Rennstalls auch abseits der Piste durchsetzt. Und er verfügt über ein großes Netzwerk, so dass offene Stellen schnell wieder besetzt wurden. Seine Fähigkeiten waren vor allem beim Aufbau des erfolgreichen Motoren-Programms gefragt.

Will Courtenay – Abgang 12/2025

Auch der Strategie-Chef musste bei Red Bull ersetzt werden. Will Courtenay wechselte in der Winterpause als neuer Sportchef zu McLaren. Dieser Verlust ist bei Red Bull wohl noch am ehesten aufzufangen. Mit Hannah Schmitz hat Verstappen noch eine zweite Top-Strategin, die an der Boxenmauer gute Entscheidungen trifft. Sie hatte sich die Leitung der Strategie-Abteilung früher mit Courtenay geteilt.

Max Verstappen & Helmut Marko - GP China 2025
Red Bull

Helmut Marko – Abgang 12/2025

Die Rolle von Helmut Marko wurde von Leuten, die keine Ahnung haben, gerne als Maskottchen von Red Bull verunglimpft – ähnlich wie es auch schon mit Niki Lauda bei Mercedes der Fall war. Dabei hatte Marko als Berater und Sportchef viele wichtige Funktionen. Neben dem Aufbau und der Leitung des Junior-Programms war der Grazer lange Jahre das Bindeglied vom Rennstall zum Red-Bull-Konzern und Firmengründer Dietrich Mateschitz. Jede wichtige Entscheidung ging über seinen Tisch. Ohne ihn hätte Verstappen wohl schon längst das Weite gesucht – oder wäre gar nicht erst gekommen.

Gianpiero Lambiase – Abgang 12/2027

Der nächste prominente Abgang heißt Gianpiero Lambiase. Der Renningenieur von Max Verstappen hatte einen großen Anteil daran, dass der Pilot die Konkurrenz regelmäßig auch mit unterlegenem Material ärgern konnte. Lambiase ist der Verbündete an der Boxenmauer, dem der vierfache Weltmeister zu 100 Prozent vertraut. Verstappen erzählte mal in einem Interview, dass er ohne Lambiase nicht mehr in der Formel 1 fahren wolle. Die Antwort gibt es spätestens 2028, wenn der Brite zu McLaren wechselt.

Die Liste ließe sich noch erweitern, zum Beispiel um Ex-Aerodynamik-Chef Dan Fallows oder die Top-Mechaniker Mat Caller, Lee Stevenson oder Ole Schack. Auch in der Marketing- und der PR-Abteilung gab es viele personelle Veränderungen. Aber das würde den Rahmen hier sprengen.

Fazit