Die Formel 1 ist beim Monaco-Grand-Prix (7.6.) in einen echten Skandal geschlittert. In der nach Perfektionismus strebenden Rennserie ist der FIA mit der falschen Messung der Geschwindigkeit in der Boxengasse ein grober Fehler unterlaufen, dessen Auswirkungen immer noch nachwirken. Jetzt geht auch Mercedes gegen das letzte Urteil der Regelhüter vor. Alpine hatte nach dem Rennen Gebrauch von seinem "Recht auf Neubeurteilung" (Right of Review) gemacht und den dritten Platz für Pierre Gasly kurz vor Beginn des ersten Barcelona-Trainings (12.6.) zurückerhalten.
Das schmeckt aber einigen im Fahrerlager überhaupt nicht. McLaren und Red Bull hatten schon am Freitag angekündigt, das Urteil anzufechten und gegebenenfalls vor das zuständige FIA-Gericht zu ziehen. Sie finden das Vorgehen der FIA falsch. Schließlich sei in der Boxengasse bei 61 Durchfahrten der Piloten insgesamt 55 Mal trotz des falsch kalibrierten Messsystems kein Verstoß gemeldet worden.
Ein Fehler im Zeitnahmesystem führte dazu, dass viele Piloten fälschlicherweise der Überschreitung des Tempo-Limits bezichtigt und dafür bestraft worden waren. In der Boxengasse wird die Durchschnittsgeschwindigkeit automatisch durch das Überfahren mehrerer Zeitschleifen berechnet. Da die FIA einen Wert von 26,92 Metern zwischen zwei Messlinien verwendete, statt der korrekten 26,15 Meter, waren die Fahrer vom System als zu schnell ermittelt worden.
Russell verliert wichtige Punkte
Die Anordnung von Barrieren an der Boxengassen-Einfahrt erlaubte den Piloten eine andere Linie. Daraus ergab sich ein kürzerer Weg, den die Fahrer mit dem Tempo von maximal 60 km/h zurücklegen durften. Die FIA gestand den Schnitzer ein und annullierte die Zeitstrafen für Pierre Gasly. Das hievte den Alpine-Mann wieder auf den Platz, den er auf der Rennstrecke erkämpft hatte.
Mercedes ist das Urteil sauer aufgestoßen. George Russell hatte die falsche Zeitnahme ebenfalls erwischt, obwohl er nicht zu schnell gewesen war. Der Engländer hatte aber weniger Glück und musste seine Strafe noch während des Grand Prix absolvieren.
Bei seinem zweiten Stopp vergaßen die Mechaniker jedoch, die Fünf-Sekunden-Strafe regelgerecht abzusitzen. Das zog eine Durchfahrtsstrafe nach sich, die er nach dem Neustart antrat. Diese schleuderte den 28-Jährigen aus den Punkten. Mercedes argumentiert, dass ohne das falsche Messsystem der dritte Platz für Russell herausgesprungen wäre. Die aktuell 50 Punkte Rückstand auf Teamkollege Kimi Antonelli könnten damit auf 35 Zähler reduziert werden. Das würde im WM-Kampf einen deutlichen Unterschied machen.

Toto Wolff und Mercedes gehen gegen das Monaco-Ergebnis vor.
Wolff will Klärung
Normalerweise muss das "Right of Review" spätestens 96 Stunden nach dem Rennen bei der FIA vorliegen. Mit Ausnahme von Alpine hatten alle Teams diese Frist nach Monaco verstreichen lassen. Jetzt kommt den neuen Klägern aber ein besonderer Passus im Reglement zur Hilfe.
Das Recht auf Neubeurteilung kann auch 96 Stunden nach einer neuen Entscheidung der Stewards eingehen, die das Rennergebnis nachträglich ändert. So hatten McLaren, Red Bull und Mercedes Zeit, gegen das Urteil vorzugehen.
"Wir haben ein 'Right of Review' erbeten, weil wir am Tisch sitzen wollen, wenn die Entscheidungen getroffen werden", verkündete Toto Wolff noch am Sonntagabend in Barcelona. "Es ist eine Frage des Prinzips, um Klarheit zu erhalten, damit wir wissen, wie wir mit Strafen im Rennen umgehen können", flankierte Wolff sein Red-Bull-Pendant Laurent Mekies.
Ob sich das Ergebnis zum dritten Mal ändert, ist fraglich. Auf den ersten Blick scheint es unwahrscheinlich, da die anderen Fahrer ihre Strafen alle während des Rennens abgesessen hatten. Hier müsste die FIA mit fiktiven Abzügen arbeiten. Der Aufschrei wäre sowohl im Fahrerlager als auch außerhalb der Formel-1-Blase riesig.












