Schon vor dem Rennwochenende in Miami war klar, dass Technik-Freunde voll auf ihre Kosten kommen. McLaren und Ferrari hatten im Vorfeld große Veränderungen angekündigt. Bei Red Bull hält man sich beim Thema Technik-Neuerungen traditionell eher bedeckt. Umso größer war dann der Wow-Effekt, als der umgebaute RB22 am Freitag (1.5.) aus der Garage rollte.
Auch Fans, die für das Thema Aerodynamik kein besonders geschultes Auge haben, konnten die Veränderungen auf den ersten Blick erkennen. Beim Seitenkasten ging das Upgrade weit über ein kleines Facelift hinaus. Die Flanken sind zwar immer noch so schmal wie vorher, was man an der herausstechenden Crashstruktur auf Cockpithöhe erkennen kann, aber an der Oberseite wurde die Verkleidung komplett neu modelliert.
Der RB22 trägt nun eine deutlich steilere Rampe, über die Luft nach hinten zum Diffusor geführt wird. Damit die Strömung nicht seitlich entweichen kann, wurde eine tiefe Rinne in die Carbonhaut integriert. So extrem kann man das an keinem anderen Auto des aktuellen Jahrgangs sehen. Auch ohne Adrian Newey ist die Zeit des Extremismus in Milton Keynes offenbar noch nicht vorbei.

Der Seitenkasten von Red Bull trägt eine kleine Beule. Dahinter führt eine tiefe Rinne die Luft zum Heck.
Red Bull baut schon wieder um
Mit so einem großen Upgrade bei Red Bull war auch deshalb nicht gerechnet worden, weil in diesem Bereich schon vor der Rennpause Hand angelegt wurde. Das letzte Seitenupgrade in Suzuka hatte aber offenbar nicht den gewünschten Effekt. Also wurde zum nächsten Rennen in Miami direkt nachgelegt.
Die Seitenkästen waren aber nicht der einzige Hingucker am RB22. Nach dem Vorbild von Ferrari wurde auch der Heckflügel umgebaut. Wie beim roten Auto rotiert der Flap im Geraden-Modus nun ein halbes Mal um die eigene Achse. Diese Lösung soll deutlich weniger Luftwiderstand produzieren als die konventionelle Variante. Das Red Bull die eigene Version schon in Miami einsatzbereit hat, spricht für ein hohes Entwicklungstempo.

Auch die Konkurrenz warf einen interessierten Blick auf den Red Bull. McLaren-Teamchef Andrea Stella kam höchstpersönlich vorbei.
McLaren-Teamchef vor der Red-Bull-Garage
Die offizielle Upgrade-Liste, die an jedem Rennwochenende von der FIA veröffentlicht wird, weist noch eine Reihe weiterer Veränderungen aus, die nicht direkt auf den ersten Blick ins Auge fallen. So wurde auch am Frontflügel, am Unterboden und an den Hinterrad-Winglets Hand angelegt.
Als das Auto am Freitagmittag zur vorgeschriebenen Display-Session aus der Garage geschoben wurde, ließ es sich auch die Konkurrenz nicht nehmen, mal einen Blick zu riskieren. Ingenieure von McLaren, Ferrari und Mercedes schauten bei Red-Bull-Box vorbei. Selbst McLaren-Teamchef Andrea Stella riskierte einen Blick. Man darf gespannt sein, ob sich Max Verstappen mit seinem verwandelten Dienstwagen wohler fühlt als noch in Suzuka.












