Safety-Car - GP Kanada 2022 Wilhelm
Yuki Tsunoda - Alpha Tauri - GP Kanada 2022
Max Verstappen - Red Bull - GP Kanada 2022
Helme - GP Kanada 2022
Red Bull - GP Kanada 2022 40 Bilder

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Taktik-Check GP Kanada 2002: Poker mit VSC-Jokern

Taktikcheck GP Kanada 2022 Strategie-Poker mit VSC-Jokern

GP Kanada 2022

Zwei Mal VSC, ein Mal ein echtes Safety Car – der Grand Prix von Kanada war ein Fest für Strategie-Freunde. Sechs Fahrer trafen das perfekte Timing. Doch nur in zwei Fällen hat es wirklich etwas gebracht. Wir blicken auf die verschiedenen Optionen.

Pirelli lag wie meistens falsch. Der italienische Reifenhersteller prognostizierte ein Einstopp-Rennen als schnellsten Weg ins Ziel. Die Mercedes-Strategen warnten schon vor dem Start: "Das wird ein Zweistopp-Rennen. Auf der grünen Strecke werden die Reifen stark abbauen." So war es dann auch. Nur vier der 17 Fahrer im Ziel kamen mit einem Reifenwechsel über die 70 Runden. Und der Beste wurde am Ende Fünfter.

Zwei Stopps waren schneller. Doch dabei kam es auch darauf an, wer die drei Geschenke während des Rennens annahm und wer nicht. Die Regie bot den Fahrern zwei VSC-Phasen und ein echtes Safety Car an. Ein Stopp unter VSC-Tempo war in Montreal neun Sekunden schneller als unter Rennspeed. Sergio Perez und Mick Schumacher lösten in den Runden 9 und 19 jeweils eine VSC-Phase aus. Beide blieben in Kurve acht mit technischem Defekt stehen.

Yuki Tsunodas Unfall an der Boxenausfahrt brachte das Safety Car auf die Strecke. Ferrari-Rennleiter Mattia Binotto kritisierte die Rennleitung: "Es dauerte wieder einmal viel zu lange, bis sie eine Entscheidung getroffen haben. Wir hatten mit Sainz genau eine Sekunde Zeit, um uns zu entscheiden. Zum Glück haben unsere Jungs sensationell reagiert, sonst wäre Carlos an der Boxeneinfahrt vorbei gewesen."

Max Verstappen - GP Kanada 2022
xpb
Max Verstappen beklagte früh im Rennen Graining an den Vorderrädern.

Vier Fahrer nutzen erstes VSC-Geschenk

Das erste VSC-Geschenk in Runde 9 nahmen nur Max Verstappen, Lewis Hamilton, Yuki Tsuonda und Nicholas Latifi an. Für sie war damit klar: Das wird ein Zweistopp-Rennen. Der frühe Zeitpunkt hielt viele davon ab zuzugreifen. Es bestand die Gefahr, zu tief ins Feld zu fallen und in einem DRS-Zug zu verhungern. Deshalb holte Mercedes auch nur Hamilton an die Box. Er fiel in eine freie Lücke hinter seinen Teamkollegen und Esteban Ocon.

Red Bull zog bei Max Verstappen den Stecker, weil seine Vorderreifen zu körnen begannen und Carlos Sainz die Lücke zum Spitzenreiter schloss. Der Schaden für Verstappen war gering. Er fiel nur auf Platz drei hinter Fernando Alonso, von dem man wusste, dass er keine große Gegenwehr leisten würde. Alonso hatte schon vor dem Rennen gesagt, dass es keinen Sinn mache, gegen die Red Bull und Ferrari im Zweikampf seine Reifen zu verheizen. Die waren nicht seine Gegner.

Beim zweiten VSC-Signal griffen sieben Fahrer zu. Für George Russell, Esteban Ocon, Guanyu Zhou, Daniel Ricciardo, Sebastian Vettel und Lando Norris kam das Geschenk zum nahezu perfekten Zeitpunkt. Ab da konnte man es sogar versuchen ohne weiteren Stopp durchzufahren, auch wenn sich später herausstellen sollte, dass das keine gute Idee war.

George Russell - GP Kanada 2022
xpb
George Russell nutzte die zweite VSC-Phase zum ersten Stopp, Lewis Hamilton kam schon in der ersten VSC-Phase.

Sainz bekommt nur halben VSC-Vorteil

Carlos Sainz erwischte die VSC-Phase nur noch halb und profitierte deshalb auch nur zu 50 Prozent davon. Dazu der Vergleich mit Verstappen, der eine VSC-Phase früher seinen Reifenwechsel abspulte. Der Weltmeister ging mit 2,649 Sekunden Vorsprung an die Box und kam mit 6,407 Sekunden Rückstand wieder raus. Macht einen Zeitverlust von netto 9,036 Sekunden.

Sainz hatte bei seinem ersten Stopp einen Vorsprung von 4,362 Sekunden. Danach lag er 9,492 Sekunden zurück. Der Ferrari-Pilot verlor damit 13,854 Sekunden auf seinen Gegner im Red Bull. Einen Teil davon machte er im zweiten Stint dank der frischeren Reifen wieder wett. Sainz verkürzte den Rückstand innerhalb von 22 Runden auf 5,945 Sekunden. Macht einen Vorteil von 0,16 Sekunden pro Runde. Am Ende spielte das keine Rolle. Das Safety Car in Runde 49 dampfte alle Abstände auf Null ein.

Für Alonso war das Timing der zweiten VSC-Phase extrem unglücklich. Ursprünglich wollte Alpine auf den Medium-Reifen mindestens bis Runde 25 durchhalten, um ein Einstopp-Rennen möglich zu machen. Das zweite VSC änderte den Plan. Doch als Alonso auf der langen Geraden vor der Boxeneinfahrt war, gab der Rennleiter wieder grünes Licht.

So musste der Trainingszweite noch acht lange Runden mit dem ersten Reifensatz durchhalten und verlor dabei allein auf Teamkollege Ocon auf frischen harten Reifen 7,6 Sekunden. Ein Teil des Zeitverlustes ging nicht nur auf die Reifen. Das pneumatische Ventilsystem verlor Luft. Das kostete Leistung.

Lando Norris - GP Kanada 2022
Motorsport Images
McLaren holte beide Autos direkt in Folge an die Box. Doch bei Lando Norris lagen die Reifen nicht rechtzeitig parat.

Ferraris Angst vor Hamilton

Das finale Safety Car kam in Runde 49 ziemlich spät. Zu spät für den Einstopper Charles Leclerc, der schon in der 41. Runde zum Reifenwechsel an der Box stand. Zu spät für die Mercedes-Piloten, die ihren zweiten Stopp in den Runden 44 und 45 abwickelten. "Lewis musste rein. Seine Reifen waren hinüber. Mit George hätten wir noch etwas warten können, doch da kannst du nicht mehr auf ein Safety Car zu einer bestimmten Runde spekulieren", erklärten die Strategen.

Auch Red Bull zog die Reißleine unter Renntempo. Sainz hatte einen Reifenvorteil von elf Runden. Die Gefahr, dass die Hinterreifen nicht bis zum Ende durchhalten, war zu groß. Deshalb gab Verstappen die Führung auf und deckte sich mit einem weiteren Satz harter Reifen für die restlichen 27 Runden ein.

Aus 5,9 Sekunden Vorsprung wurden 10,8 Sekunden Rückstand. Dafür 23 Runden jüngere Reifen. Ferrari hatte seinen Blick nicht nur auf Verstappen. "Wir hätten uns auch ohne das Safety Car überlegt, Carlos ein zweites Mal an die Boxen zu holen, um uns gegen Lewis abzusichern", verrät Binotto.

Red Bull und Ferrari war nicht entgangen, dass die Mercedes-Piloten zeitweise so schnell wie die Spitze fuhren. "Unser Abstand zur Spitze war wie immer. So um die sieben Zehntel", gaben die Mercedes-Ingenieure Entwarnung. "Wir hatten nur weniger Reifenverschleiß als Red Bull und Ferrari. Das hat uns auf alten Reifen besser aussehen lassen."

Carlos Sainz - GP Kanada 2022
xpb
Sainz ließ sich für den letzten Stint harte Reifen aufziehen. Damit konnte er Verstappen aber nicht überholen.

Warum verzichtet Sainz auf Soft-Reifen?

Für Carlos Sainz, Esteban Ocon, Valtteri Bottas, Guanyu Zhou, Daniel Ricciardo und Alexander Albon war die Neutralisation nach Tsunodas Unfall eine Erlösung oder zumindest eine willkommene Gelegenheit sich mit frischen Reifen für den Schlussspurt einzudecken.

Verstappen dagegen fluchte: "Das machte mich vom Angreifer zum Verteidiger. Ich greife lieber an." Red Bull war fest davon überzeugt, dass ihr Mann Sainz ohne das Safety Car zehn Runden vor Schluss eingeholt hätte. Binotto meinte: "Es wäre eng geworden."

Verstappens Reifennachteil von sechs Runden fiel im Finale nicht groß ins Gewicht. Es wäre sicher enger für ihn gewesen, hätte Ferrari Sainz auf Soft-Reifen gestellt. Dann hätte der Spanier in den Runden nach dem Re-Start vielleicht das Überholdelta von sechs Zehntel geschafft.

Doch Ferrari war die Nummer zu heiß. Man ging von einer kurzen Safety-Car-Phase und damit einer längeren Restlaufzeit für die Reifen aus. Und man fürchtete ein mögliches Körnen der Vorderreifen. Es dauerte dann doch bis Runde 55, bis das Rennen wieder angepfiffen wurde. Hätte Ferrari das gewusst, wäre es das Risiko vielleicht wert gewesen.

Esteban Ocon - GP Kanada 2022
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Leclerc hing ewig hinter Ocon fest. Der Ferrari tat sich mit dem Überholen schwer.

Leclerc mit Traktionsproblemen

Für Charles Leclerc hatte die Strategie-Software von Ferrari Platz fünf als mögliches Resultat ausgeworfen. Mercedes rechnet offenbar anders. "Alle unsere Rechenmodelle sind davon ausgegangen, dass Leclerc vor uns ins Ziel kommt." Was keiner auf der Rechnung hatte: Leclerc tat sich schwer mit dem Überholen, hing ewig hinter Ocon fest. Dabei hatte Leclerc den neuen Heckflügel am Auto, der einen besseren DRS-Effekt gibt.

Der WM-Dritte klagte jedoch über eine schlechte Traktion und Probleme mit dem Differential. Wie wichtig eine gute Beschleunigung aus der Haarnadel heraus war, zeigte George Russell. Der Engländer fuhr den größten Flügel im Feld und hätte damit eigentlich gar nicht überholen können. Aber der Mercedes mit der Nummer 63 war so stabil auf der Bremse und hatte eine so gute Traktion, dass Russell innerhalb von fünf Runden die beiden Haas und Ocon aufschnupfte.

Kommen wir zu unserer Frage am Beginn der Geschichte? Wer hat die VSC- und SC-Phasen am besten genutzt? Von den vier Einstoppern erwischte nur Valtteri Bottas das Safety Car. Charles Leclerc, Lance Stroll und Kevin Magnussen stoppten unter Rennspeed. Bottas war der große Profiteur. Er wäre bei einem normalen Reifenwechsel hinter die Gruppe Leclerc-Zhou-Ricciardo-Vettel gefallen. Stroll hat noch einen Punkt geholt, obwohl er das Safety Car verpasste.

Von den Zweistoppern hatten Carlos Sainz, Esteban Ocon, Guanyu Zhou, Daniel Ricciardo und Alexander Albon ein gutes Fingerspitzengefühl. Auf dem Papier. Hat es ihnen etwas genützt? Es hat zumindest keinem geschadet. Am meisten profitierte noch Ocon davon, weil ihn die zweite VSC-Phase nach vorne spülte und ihm das Safety Car eine Absicherung gab.

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