Alles über den Mercedes R129

So finden Sie den besten SL

Mercedes R129, Frontansicht Foto: Karl-Heinz Augustin 21 Bilder

Die Mercedes SL-Modelle des Typs R129 im typischen Bruno-Sacco-Design dominieren den Youngtimer-Markt. Großes Angebot und günstige Preise locken. Worauf muss man achten, und welche Version ist die beste?

Vorbildlicher Rostschutz, ein zeitlos-elegantes Design, wertvolle Materialien und ein damals zukunftsweisendes technisches Konzept zeichnen den Mercedes-Benz SL der Baureihe 129 aus. Viele Eigenschaften also, die für ein echtes Langzeitauto sprechen, das immer noch in Leistung, Sicherheit und Bedienungskomfort hohe Ansprüche erfüllen kann. Heute spielt der R 129 weit mehr als sein rostgeplagter Vorgänger vom Typ 107 die Rolle des idealen Alltags-SL.

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Damals 7 Jahre Lieferzeit, heute reichlich verfügbar

Der Roadster, der anfangs unfassbare 7 Jahre Lieferzeit hatte, ist reichlich verfügbar, über 200.000 Exemplare wurden gebaut. Sein Preisniveau liegt niedrig, schon für weniger als 10.000 Euro gibt es brauchbare Exemplare, vor allem vom weniger gefragten Premieren-Typ Mercedes-Benz 300 SL-24.

Als der Mercedes SL der Baureihe R 129 seinen chromreichen Vorgänger R107 mit dem einzigartigen 70er-Jahre-Charme nach 18 Jahren Bauzeit ablöste, brachte er den für die Marke mit dem Stern typischen Innovationsschub. Ein Überrollbügel, der ab einer riskanten Querbeschleunigung selbsttätig ausfährt, sogenannte Integralsitze, die auch bei Cabriolets ohne B-Säule eine optimale Gurtführung gewährleisten und eine Verwindungssteifigkeit, die dank hochfest legierter Stähle ihresgleichen sucht. Als Zugabe verwöhnte ein leichtes Coupédach aus Aluminium.

Bis auf das Einsteigermodell Mercedes-Benz 300 SL, das mit legendärem Namen auf den bewährten, aber unspektakulären Dreiliter-Zweiventiler mit 190 PS setzt, treten die Versionen der ersten Serie mit Vierventilmotoren von hoher spezifischer Leistung an, ein Konzept, das sich bis zum Zwölfzylinder-Typ 600 SL durchsetzt, dessen Triebwerk im Prinzip aus zwei 300-SL-24-Einheiten entsteht.

Aufwändiges Fahrwerk nach Baby-Benz-Vorbild

Auch die Fahrwerkstechnik des Mercedes-Paradesportwagens Mercedes SL knüpft in der R129-Generation endlich an den hohen Standard an, der fast ein Jahrzehnt früher ausgerechnet vom Einsteigermodell 190 E vorgegeben wurde.

Vorn die Dämpferbeinachse an Doppel-Querlenkern, hinten die Raumlenkerachse, ebenfalls mit zwei Querlenkern pro Rad, aber mit drei zusätzlichen Schub- und Zugstreben zur exakten Führung. Fahrwerksseitig ist so ein Mercedes SL der Baureihe R129 auch in Sachen Spurweite und anderen Grundabmessungen quasi ein Mittelklasse-W124. Das senkt heute die Teilepreise und sicherte einst in Bremen eine günstige Fertigung nach rationeller Plattformstrategie. Was der R129 gottlob nicht vom 124er geerbt hat, ist die ausgeprägte Rostanfälligkeit. Hier zeigt sich der moderne Sacco-Roadster für Mercedes-Verhältnisse vorbildlich resistent.

Rost ist beim Mercedes R129 kein Drama

Wenn die Korrosion den Mercedes R129 mal erwischt, was bei den durchweg hohen Laufleistungen der Sportwagen durch intensiven Ganzjahresbetrieb passieren kann, dann rostet er an den gleichen Stellen wie sein 2,7 Millionen mal gebauter Bruder.

Als Erstes sollte man bei der Besichtigung eines Mercedes SL der Baureihe R129 die Wagenheberaufnahmen unter den Plastikkappen der Schwellerverkleidungen inspizieren, dann die Dämpferbein- und Schraubenfederteller im vorderen Radhaus kontrollieren und zuletzt auf einer Hebebühne die Blechaufnahmen der Raumlenkerachse mit Taschenlampe und spitzem Schraubendreher untersuchen. Rost an den Türunterkanten, an den Radläufen und rundum oberhalb der Kunststoffbeplankung ist leicht sichtbar, die Umstellung auf Wasserbasislack steckte der in Kleinserie gebaute Luxus-SL viel besser weg als das Volumenmodell W124.

Wenn das Hardtop fehlt – Preisabschlag

Auch das Interieur des Mercedes R129 ist von solider Qualität, aber im Laufe der Jahrzehnte reißen die Sitzwangen auf, das Leder wird spröde und rissig, und die Kunststoffauflage der Instrumententafel wellt sich. Ein neues Verdeck für den R129 kostet beim lokalen Mercedes-Vertreter übrigens 4.500 Euro, freie Anbieter wie Sonnenland oder KHM liefern es für etwas mehr als die Hälfte. Auf das attraktive Coupédach konnte gegen Minderpreis von 3.135 Mark verzichtet werden. Es gehört jedoch seit jeher zum SL-Konzept wie der kurze Radstand und der leistungsstarke Frontmotor. Wenn es fehlt, sollte dies mit einem heftigen Preisnachlass entschädigt werden.

Elektronik in ungekanntem Ausmaß

Der Mercedes SL der Baureihe R129 wurde bereits mitten in das Elektronikzeitalter hineingeboren. Da droht der kostspielige Steuergeräte-GAU. Bei der Probefahrt sollte der Kaufinteressent dringend darauf achtem, dass alle Kontrollleuchten nach dem Start erlöschen und dass der Motor spontan anspringt, gleich rundläuft und willig Gas annimmt. Ausreden wie längere Standzeit und „muss erst warmlaufen“ sollten hier nicht gelten.

Triebwerke, die unwillig starten und nur zäh Leistung abgeben, können einen defekten Motorkabelbaum oder schwer zu diagnostizierende Fehler in der Zünd- und Einspritzanlage aufweisen. Das wird dann im Betrieb nicht besser, sondern schlimmer. Die einschlägigen Foren zum Mercedes R129 sind voll von hilflosen Anfragen rund ums Startverhalten.

Die Motoren vertragen durchweg hohe Laufleistungen, sind aber nicht frei von ärgerlichen Schwachstellen. Bei den Vierventil-Reihensechszylindern und Zwölfzylindern des Mercedes SL R129 sind es die Zylinderkopfdichtungen, bei den Achtzylindern sind es die Kunststoff- Gleitschienen der Steuerketten, die Probleme machen. Am besten man tauscht beides prophylaktisch aus, bevor sich Motorschäden anbahnen. Das kostet einheitlich 1.500 Euro, beim V12 pro Zylinderbank, versteht sich.

Regelmäßige Wartung ist Pflicht

Teure und komplexe Autos wie die Mercedes SL-Baureihe 129 brauchen dringend regelmäßige Wartung, um kostspielige Folgeschäden zu vermeiden. Ein möglichst lückenloses Wartungsheft sollte beiliegen, was bei der Risikogruppe unter 5.000 Euro sicher nicht der Fall ist. Wer sich von billigen Verbrauchswagen ins SL-Paradies verführen lässt, sollte sich des Risikos bewusst sein und noch mal 5.000 Euro flüssig haben, falls mal etwas verrutscht.

Junge Mercedes SL-Typen nach dem 1998-Facelift, das auch eine folgenschwere Motorenneuordnung mit sich brachte, lassen sich noch im Jahreswagenzustand mit wenig Kilometern auftreiben, ohne dass sie gleich doppelt so teuer sind wie der Zustand-2-Richtpreis von Classic-Analytics. Aber die häufig mit Xenon-Licht und Klarglas-Streuscheiben zwangsmodernisierten Wagen haben viel weniger Charme als die früheren Modelle.

V6-Motoren mit schlechterer Laufkultur und Sound

Die Umstellung des Mercedes SL der Baureihe R129 auf kostengünstige 90-Grad-V6-Motoren mit drei Ventilen pro Zylinder vom Typ M112 bedeutete beim SL 280 nur eine minimale Leistungsteigerung von elf PS, der 320 V6 wurde sogar um sieben PS schwächer als sein namensgleicher Vorgänger. Laufkultur und Sound litten beim V6 ganz erheblich.

Der V8 heißt ab 1998 folgerichtig als enger Verwandter des V6 M113 und ist ebenfalls ein Dreiventiler, seine Leistung sinkt gegenüber dem Vierventil-Vorgänger um 14 PS, dafür zeigt er sich bei den Gleitschienen weniger anfällig – heißt es jedenfalls in den Mercedes R129-Foren. Die AMG-Modelle sind schon wegen ihrer außerordentlichen Seltenheit ein Kapitel für sich. Und für die fragwürdigen Marketing-Editionen zahlt nur dann jemand deutlich mehr, wenn er sie wirklich will.

Den R129 kauft man am besten als 24V oder 32V

Freunde des Mercedes SL der Baureihe R129 schätzen nicht nur den Komfort und die Leistung des soliden und langlebigen Sportwagens, sie haben auch Gespür für den feinen Unterschied. Deshalb ziehen sie die brillanten Vierventil-Triebwerke ihren Rotstift-Nachfolgern vor. Vor allem der V6 wird dem First-Class-Anspruch des SL so gar nicht gerecht. Es lohnt sich auf jeden Fall, den Sacco-SL zu hegen und zu pflegen, die typimmanente Wertsteigerung wird auch hier bald greifen.

Das kostet ein Mercedes SL der Baureihe R129

Den Sacco-SL der Baureihe R129 gibt es in mäßigem Zustand schon ab 5.000 Euro. Aber das luxuriöse Cabriolet ist aufwendig gebaut und verzeiht keinen Wartungsstau. Gut ausgestattete Mercedes SL 500 mit Vierventil-Motor sind am gefragtesten, gefolgt vom SL 320. Die Marktpreise nennen wir in der Tabelle.

Marktpreise Mercedes SL Baureihe R129

Modell Preis bei Einführung Marktpreis gepflegter Zustand Marktpreis mäßiger Zustand
Mercedes SL 600 217.000 DM 11.900 Euro 4.700 Euro
Mercedes SL 500 125.400 DM 19.000 Euro 7.700 Euro
Mercedes SL 320 125.925 DM 17.900 Euro 9.800 Euro
Mercedes 300 SL-24 102.200 DM 12.900 Euro 5.900 Euro
Mercedes 300 SL 92.500 DM 15.100 Euro 6.900 Euro
Mercedes SL 280 114.655 DM 16.900 Euro 8.900 Euro
*alle Angaben von classic analytics (Stand 02/2015)

Fazit

Beim Mercedes SL der Baureihe R129 fällt die Entscheidung nicht schwer. Die älteren Modelle haben nicht nur im Detail mehr Charme, sondern auch die besseren Motoren. Etwa Vierventil- Reihensechszylinder statt der kostengünstigen 90-Grad-V6- Dreiventilmotoren. Meine Empfehlung lautet: SL 500 oder SL 280 vor Baujahr 1998, vor Einführung der Dreiventiler auch beim V8-Motor.

Technische Daten
Mercedes 600 SL Mercedes SL 280 AMG SL 73 Mercedes 500 SL Mercedes 300 SL Mercedes SL 55 AMG Mercedes 300 SL-24
Grundpreis 112.305 € 60.269 € 81.524 € 58.034 € 111.799 € 61.827 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4470 x 1812 x 1295 mm 4470 x 1812 x 1293 mm 4499 x 1812 x 1275 mm 4470 x 1812 x 1293 mm 4470 x 1812 x 1293 mm 4499 x 1812 x 1275 mm 4465 x 1812 x 1303 mm
KofferraumvolumenVDA 265 l 260 l 265 l 260 l 260 l 265 l 255 l
Hubraum / Motor 5987 cm³ / 12-Zylinder 2799 cm³ / 6-Zylinder 7291 cm³ / 12-Zylinder 4973 cm³ / 8-Zylinder 2960 cm³ / 6-Zylinder 5439 cm³ / 8-Zylinder 2960 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 290 kW / 395 PS bei 5200 U/min 142 kW / 193 PS bei 5500 U/min 386 kW / 525 PS bei 5500 U/min 235 kW / 320 PS bei 5600 U/min 140 kW / 190 PS bei 5700 U/min 260 kW / 354 PS bei 5500 U/min 170 kW / 231 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 230 km/h 300 km/h 250 km/h 228 km/h 250 km/h 240 km/h
Verbrauch 12,9 l/100 km
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