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Czinger 21C: Jetzt als V Max- und High-Downforce-Variante

Czinger 21C mit V Max- und High-Downforce-Variante Als Longtail oder mit High-Wing

Der Czinger 21C ist ein Hypercar mit bis zu 1.350 PS starkem Hybridantrieb. Es gibt ihn in zwei Modellversionen: mit optimiertem Topspeed oder maximalem Abtrieb.

Czinger ist einer der aktuell jüngsten Hypercar-Hersteller der Welt. Zu den Besonderheiten der Firma gehört unter anderem die Teilefertigung aus 3D-Druckern- und Fräsen. Die Kalifornier wollten ihr erstes Hypercar namens 21C, das genau nach diesen Verfahren produziert wird, eigentlich auf dem Genfer Autosalon 2020 enthüllen. Nach dessen Absage hatten sie die Premiere ins Internet verlegt. Das in Los Angeles gebaute Hypercar ist auf 80 Exemplare limitiert und in jeder Hinsicht spektakulär.

Die Fahrerin oder der Fahrer sitzt zentral in einem komplett in Alcantara ausgekleideten Cockpit unter einer von Carbon-Streben durchzogenen Glaskuppel. Nicht daneben, sondern dahinter nimmt ein weiterer Insasse Platz, was aerodynamische Vorteile bringen soll. Das Duo befindet sich in einem Chassis aus Verbundmaterial, das auf Carbon basiert. Die Frontansicht erinnert mit ihren übereinander positionierten Scheinwerfern stark an den 24-Stunden-Rennwagen aus dem Hause Glickenhaus. Czinger verzichtet jedoch auf radikale Einschnitte in der Motorhaube. Dafür gibt es üppig bemessene Lufteinlässe zwischen den Türen, die sich scherenmäßig im Koenigsegg-Stil öffnen, und den Hinterrädern.

Hybridantrieb mit Mittelmotor-V8

Beim Antrieb handelt es sich um einen selbstentwickelten Hybrid-Strang auf 800-Volt-Basis, der mit einem 2,88 Liter großen Mittelmotor-V8 mit flacher Kurbelwelle sowie zwei Elektromotoren arbeitet. Hinzu kommen ein Riemen-Starter-Generator an der Kurbelwelle und Lithium-Titanat-Batterien als zusätzliche Energiequelle. Der doppelt turbogeladene Verbrenner dreht bis 11.000 Umdrehungen – hier kommt der Vorteil der flachen Kurbelwelle zum Tragen. Der Twin-Turbo-V8 leistet allein 948 PS, den Rest steuern die an jedem Vorderrad positionierten E-Maschinen bei. So kommt der 21C auf eine Systemleistung von 1.250 PS bei 10.500 Umdrehungen. Gegen Aufpreis wächst die Leistung gar auf 1.350 PS, wobei sowohl der Verbrenner als auch die E-Maschinen mehr Power beisteuern. Die Gänge sortiert ein ultraleichtes sequenzielles Sieben-Gang-Getriebe mit Mehrscheiben-Kupplung.

Das Design ist auf eine möglichst optimale Windschlüpfigkeit bei niedrigem Gewicht ausgelegt. Czinger gibt ein Leergewicht von 1.250 Kilogramm an, was zu einem Leistungsgewicht von exakt einem Kilogramm pro PS führt. Das resultiert in Kooperation mit dem Antriebs-Layout samt Allrad und Torque Vectoring in absurden Fahrleistungen. Den Null-auf-Hundert-Sprint soll der Czinger 21C in 1,9 Sekunden absolvieren. Die Übung "Null auf 400 km/h und zurück" ist in 27,1 Sekunden erledigt. Für die Viertelmeile stellt Firmenchef Kevin Czinger eine Zeit von 8,1 Sekunden in Aussicht. Der Topspeed liegt bei 407 km/h.

Mit Flügel oder ohne

Seine Premiere feierte der Czinger 21C im Jahr 2019 als ein weitgehend flügelloses Hypercar, das auch in der Lage sein sollte, mit Methanol oder anderen E-Fuels klarzukommen. In Sachen Anpressdruck gab das Unternehmen für diese 21C-Variante 615 Kilogramm bei 160 km/h an, bei 322 Sachen (200 Meilen pro Stunde) sind es 2,5 Tonnen. 2020 präsentierten die Kalifornier eine "Lightweight Track Configuration" (LTC), die nur noch 1.218 Kilogramm wiegen und dank ihres mächtigen Flügelwerks noch mehr Abtrieb generieren sollte.

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Fahrer vorne, Beifahrer hinten: Der Czinger 21C präsentiert eine eigenwillige Sitzplatzanordnung.

Heute ist von der Normal- und LTC-Version keine Rede mehr. Stattdessen debütierte der 21C im Rahmen der Monterey Car Week 2022 in zwei neuen Varianten. Die High-Downforce-Exemplar im Farbton "Blue my Mind" präsentiert neben einem großen Heckflügel auch im Bereich des Vorderwagens Luftleitelemente. Hier ist nicht nur der Frontsplitter konturiert und zieht sich seitlich um die Schürze herum, sondern sitzen auch Spoilerchen seitlich vor den Vorderrädern.

V-Max-Version debütiert in Monterey

In die entgegengesetzte Richtung geht die neue V-Max-Variante. Aufgesetzte Spoiler sind hier nicht zu sehen. Stattdessen präsentiert der 21C V Max die neue Farbe "Red My Mind" sowie ein verlängertes und aerodynamisch angepasstes Heckprofil, wie wir es beispielsweise vom McLaren Speedtail kennen. Diese 21C-Modellversion ist es auch, für die vorgenannte Fahrleistungen gelten. Innen entspricht der V Max weitgehend dem 21C mit High-Downforce-Paket, verfügt also auch über die hintereinander angeordneten Sitze. Für Motorsport-Flair sorgt weitreichend verbautes Carbon, während ein Staufach samt maßgeschneidertem Gepäckset einen Hauch von Alltagstauglichkeit suggeriert.

Im Detail: Czinger 21C Vmax

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Einen Hinweis, wozu das kalifornische Hypercar in der Lage ist, gibt ein Rundenrekord: Die Rennstrecke in Laguna Seca umrundete ein früher Prototyp des Czinger 21C am 21. Juli 2021 in einer Zeit von 1:25,44 Minuten. Fahrer Joel Miller war mehr als zwei Sekunden schneller als Randy Pobst, der zuvor mit einem McLaren Senna die bisher gültige Bestmarke aufstellte. Während der Rekordrunde herrschten perfekte äußere Bedingungen, bei denen die straßenzugelassenen Michelin Pilot Sport Cup 2R-Reifen offensichtlich bestmöglich arbeiten konnten. Der Laguna-Seca-Rekord ist jedoch nur der "erste in einer geplanten Reihe von Rekordversuchen", teilt Czinger mit. Vielleicht geht es für den 21C also irgendwann auch auf die Nordschleife.

Diskret in Preisfragen

Die Felgen verfügen über einen zentralen Schnellverschluss und sind stets mit den erwähnten Michelin-Pneus ummantelt. Zudem ist eine Keramik-Bremsanlage auszumachen und bei den heftigen Leistungsdaten auch zu erwarten. Seine Abgase entsorgt der Hybrid-Sportler über einen zentral positionierten Auspuff – eine weitere Koenigsegg-Analogie. Zwischen Flügel und Auspuff verläuft eine LED-Rückleuchte über die gesamte Breite des Fahrzeugs.

Czinger behauptet, dass sein Erstlingswerk "eines der fortschrittlichsten Performance-Fahrzeuge des 21. Jahrhunderts" sein wird. Was eine Erklärung des Namens sein könnte: 21 und C für Century (engl. Jahrhundert). Mit Blick auf den hohen Anteil an Kohlefasern, das aufwändige 3D-Druck-Fertigungsverfahren und die Kosten für die hauseigene Antriebs-Entwicklung führt zu entsprechend hohen Preisen: Sowohl mit High-Downforce-Paket als auch in der V-Max-Variante beginnt es bei zwei Millionen Dollar, wobei sich der Preis je nach Umfang der Sonderwünsche auch auf 2,3 bis 2,5 Millionen Dollar (der Dollar- entspricht aktuell fast genau dem Eurokurs) treiben lässt. Ein wenig Geduld ist allerdings noch gefragt: Ausgeliefert wird erst ab Ende 2023.

Kevin Czinger entwickelte schon ein E-Auto

Kevin Czinger ist in der Autobranche übrigens kein Unbekannter. Schon 2009 war er maßgeblich an der Gründung des Herstellers Coda beteiligt, der das Ziel hatte, ein Elektroauto für die Masse zu entwickeln. Im März 2012 kam es auf den Markt und konnte mit 200 Kilometern Reichweite sogar den Nissan Leaf überbieten. Der eher biedere Auftritt war der Karosserie aus dem Hause Hafei Motors zuzuschreiben, welche auf einem Mitsubishi-Modell der späten 1990er-Jahre basierte. Allerdings war Czinger zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr im Unternehmen angestellt. Er musste im Herbst 2010 aufgrund verfehlter Produktionsziele seinen Hut nehmen.

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Das wird eine Hyper-Luftblase und niemals auf den Straßen zu sehen sein.

Fazit

Mit dem Czinger 21C bringen die Newcomer aus Kalifornien ein wenig Westcoast-Feeling ins stetig wachsende Hypercar-Segment. Wie üblich sind die Versprechungen groß. Ob der Hybrid-Sportwagen in seinen unterschiedlichen Darreichungsformen die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen kann, muss sich erst noch zeigen. Aber der souveräne Rundenrekord in Laguna Seca ist bereits ein vielversprechender Karrierestart.

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