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Hennessey Venom F5
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Hennessey Venom F5 (2021): Zwei-Millionen-Euro-Hypercar ist ausverkauft

Hennessey Venom F5 (2021) Das Zwei-Millionen-Euro-Hypercar ist ausverkauft

1000. GP

Seit seiner Premiere hat sich am Hennessey Venom F5 einiges geändert. Das absurd schnelle und teure Hypercar absolviert derzeit letzte Tests und hat in Monterey weitere Käufer von sich überzeugt.

Der Hennessey Venom F5 hat schon einige Premieren hinter sich. Erstmals zeigte der texanische Tuner im Sommer 2014 Bilder seines selbstentwickelten Hypercars. Im Herbst 2017 zog er dann bei der SEMA Show in Las Vegas das Tuch von einem weiterentwickelten Venom F5. Ein halbes Jahr später folgte das Europa-Debüt beim Genfer Autosalon 2018. Danach veröffentlichte Hennessey nur noch Neuigkeiten im Internet zu den Fortschritten beim US-Boliden. Doch inzwischen haben die Amerikaner endlich das Serienauto offiziell enthüllt – zuletzt im Rahmen der Monterey Car Week Mitte August 2021.

Das Modell unterscheidet sich grundlegend vom bisher gezeigten, von Hennessey inzwischen als "Konzeptstudie" bezeichneten Venom F5. Vor allem in puncto Aerodynamik haben die Amerikaner ihr Prestigeobjekt weiterentwickelt. Das Hypercar verfügt über einen Karbon-Fronsplitter, einen glatten Unterboden und einen mächtigen Diffusor, weshalb der Heckflügel eher zierlich ausfällt. Allerdings soll es ein Track Pack für den Venom F5 geben, das größer dimensionierte Flügel an Front und Heck beinhaltet. Den cW-Wert für den Standard-F5 gibt Hennessey mit 0,39 an.

Erste Testphase abgeschlossen

Ob die Aerodynamik funktioniert, überprüft Hennessey seit Februar 2021 in einer ersten Prototypen-Testphase. Dazu sind die Texaner auf der eigenen Teststrecke im heimischen Sealy und einer 3,5 Kilometer langen Start- und Landebahn auf einer ehemaligen US-Luftwaffenbasis im US-Bundesstaat Arkansas unterwegs. Dabei soll der Venom F5 bereits 200 mph (322 km/h) geschafft haben – und das, obwohl er nur mit halber Leistung gefahren sein soll.

Zwei weitere Testphasen, in denen auch das Kohlefaser-Chassis seine Qualitäten unter Beweis stellen muss, werden folgen. Obwohl es nur 86 Kilogramm wiegt, soll es sich durch eine besonders gute Verwindungssteifigkeit auszeichnen. Um diese zu gewährleisten, hat Hennessey die Karbonfasern im Zentrum des Chassis im Fischgräten-Muster angeordnet. Auch die 4,67 Meter lange, 1,97 Meter breite und 1,13 Meter hohe Karosserie (Radstand: 2,80 Meter) besteht aus Kohlefaser und ist bei diesem Erstlingswerk, bei dem es sich um ein Kundenfahrzeug handelt, in "Speed Devil Blue" lackiert. Eine Besonderheit zeigt sich im Schwellerbereich: Dieser ist außen in die Scherentüren integriert, was ein Problem vieler anderer Supersportwagen löst: Die Insassen müssen nicht mühsam über einen extrem breiten Schweller ein- und aussteigen.

500 km/h sind das Ziel

Den Motor hat Hennessey an das neue Chassis angepasst; seine Eckdaten bleiben jedoch gleich. Der 280 Kilogramm schwere Twin-Turbo-V8, der den passenden Beinamen "Fury" trägt, verfügt über 6,6 Liter Hubraum und liefert im finalen Zustand beeindruckende technische Daten: 1.842 PS und maximal 1.617 Newtonmeter bei 5.500/min., was ein Leistungsgewicht von 0,74 kg/PS ergibt. Um diese Werte zu erreichen und das Drehzahllimit weit oben anzusiedeln (der rote Bereich startet bei 8.500/min.), verfügt der Motor über allerlei Hightech- und Leichtbau-Komponenten, von denen einige aus Titan gefertigt sind und aus dem 3D-Drucker stammen. Bei den Turboladern handelt es sich um Exemplare mit Doppelkugellagern und 3D-gedruckten Titangehäusen. Die Ladeluftkühlung hat Hennessey im Vergleich zu früheren Versionen verbessert.

04/2021, Hennessey Venom F5 Serienversion
Hennessey Performance
Hier passiert die "Magie": Der neue Hennessey-V8 heißt Fury und leistet 1.842 PS.

Für den trocken 1.360 Kilogramm schweren Venom F5 strebt Hennessey ein Vmax-Ziel von 311 mph (umgerechnet 500 km/h) an. Von dieser Geschwindigkeit leitet sich auch der Name ab: F5 steht für die höchste Tornado-Kategorie, die Windgeschwindigkeit von bis zu 512 km/h erreichen kann. Der höchste Gang ist gar derart lang übersetzt, dass theoretisch sogar 534 km/h möglich wären. Zum Vergleich: Der Vorgänger Venom GT, 1.244 Kilo schwer, hatte auf dem Kennedy Space Center-Gelände eine Höchstgeschwindigkeit von 435,31 km/h erreicht. Die Beschleunigungswerte des Venom F5: Null auf 100 km/h in 2,6 Sekunden, null auf 200 km/h in 4,7 Sekunden, null auf 300 km/h in 8,4 und null auf 400 km/h in 15,5 Sekunden.

Nur im F5-Modus gibt's die volle Power

Doch nicht nur das neue Chassis und der angepasste Motor sollen den Erfolg garantieren. Das Fahrwerk arbeitet mit Einzelradaufhängung, Doppel-Querlenkern und vielfältig einstellbaren Penske-Gewinde-Dämpfern an allen Rädern. Die vorne 9,5x19 und hinten12x20 Zoll großen Schmiedefelgen sind mit Michelin Pilot Sport Cup 2-Reifen in den Dimensionen 265/35 ZR19 vorne und 345/30 ZR20 hinten ummantelt. Hinter den Rädern sitzt eine Bremsanlage, die mit 390 Millimeter großen Karbon-Keramik-Scheiben von Brembo sowie mit Sechs- und Vierkolben-Sätteln aus dem Hause AP Racing arbeitet.

12/2020, Hennessey Venom F5 Chassis
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Der Hennessey Venom F5 besteht zum Großteil aus Karbon; das Chassis ist gar komplett aus dem Werkstoff gefertigt.

Die vier Endrohre des Edelstahl-Auspuffs münden zentral und recht weit oben angeordnet zwischen den Heckleuchten. Den Kraftfluss an die Hinterräder regelt ein halbautomatisches Siebengang-Getriebe mit Lenkradwippen. Neben einer Traktionskontrolle inklusive ESP ist auch eine Launch Control installiert. In den Fahrmodi sind fünf Abstimmungen hinterlegt: Sport, Track, Drag, Wet und F5 – nur in Letzterem entfesselt sich die volle Power.

Karbon, Leder und Alcantara im Cockpit

Das eckige, oben offene Volant, das mit seinen zahlreichen Einstellmöglichkeiten gut in ein Formel 1-Auto passen würde, befindet sich in einem "von der Raumfahrt inspirierten Interieur". Dieses ist in weiten Teilen aus Karbon gefertigt. Hinter dem Lenkrad findet sich ein sieben Zoll großes Fahrer-Informations-Display. Die Mittelkonsole beherbergt neben den "N"-,"D"- und "R"-Tasten auch jene für Fensterheber, Warnblinker, Feststellbremse, Frontlift und Türverriegelung sowie die Klimaregelung.

12/2020, Hennessey Venom F5 Serienversion
Hennessey Performance
Innen gibt es viel Karbon, etwas Leder und Alcantara sowie ein Lenkrad im Formel-1-Stil.

Zentral im Armaturenbrett sitzt ein Neun-Zoll-Touchscreen aus dem Hause Alpine. Dieser bietet Apple Carplay- und Android Auto-Konnektivität, navigiert die Venom-Besatzung durch die Lande und lässt sich per Bloutooth mit Smartphones koppeln. Leder an den Türen, am Armaturenbrett und an den Sitzen sowie Alcantara an Dachhimmel und Ablagefächern zaubern etwas Wohlfühl-Atmosphäre in das Cockpit.

Serienmodell kostet 2,1 Millionen Dollar netto

Aktuell absolviert der Hennessey Venom F5 intensive Straßen- und Rennstreckentests, im Herbst nimmt das Team dann den letzten Feinschliff in Sachen Beschleunigung, Hochgeschwindigkeits-Stabilität und Bremsen vor. Direkt im Anschluss soll das 500-km/h-Ziel in Angriff genommen werden. Die Produktion der ersten Autos hat bereits begonnen; bis 2023 soll die Kleinserie gefertigt werden. Wobei Hennessey bereits Neuerungen für das Hypercar ankündigt. Neben einem "Track Pack" soll zu gegebener Zeit eine Überraschung folgen, die "buchstäblich nicht von dieser Welt ist".

Unerreichbar bleibt der F5 nicht nur wegen seines Tempos. Sondern auch deshalb, weil die auf 24 Exemplare limitierte Kleinserie bereits ausverkauft ist: Die letzten Exemplare haben die Texaner eigenen Angaben zufolge in Monterey unter die Leute gebracht. Je zwölf Autos sind dabei für die USA sowie die internationalen Märkte bestimmt. Das Hypercar kostet 2,1 Millionen US-Dollar netto. Rechnet man die deutsche Mehrwertsteuer hinzu (19 Prozent), macht das umgerechnet einen Bruttopreis von knapp 2,14 Millionen Euro.

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Fazit

Nun, da endlich das Serienauto offiziell enthüllt ist, verdichtet sich der Eindruck, dass Hennessey mit dem neuen Venom F5 tatsächlich mit Feuereifer an der 500-km/h-Grenze rüttelt. Ein V8 mit 1.842 PS und ein ebenso stabiles wie leichtes Chassis dürften auf jeden Fall helfen.

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