Lotus Evija - Type 130 - Hypercar Lotus

Lotus Evija mit 2.000 PS

Ein Elektro-Hypercar der Superlative

Lotus baut ein Hypercar. Vier Elektromotoren sollen dem Evija zu 2.000 PS verhelfen. Die Produktion startet Anfang 2020 und ist auf 130 Exemplare stückzahlbegrenzt. Der Evija kostet 1,75 Millionen Pfund plus Steuern.

Das kleine Lotus will die Großen ärgern. Mit einem Hypercar, das mit Superlativen nur so um sich wirft. Ein paar Zahlen gefällig? Der Lotus Evija soll 2.000 PS leisten. Richtig gelesen: zweitausend! Und damit doppelt so viel wie der erst kürzlich vorgestellte Ferrari SF90 Stradale. Oder 500 PS mehr als der Bugatti Chiron.

Das Hypercar soll in unter drei Sekunden auf Landstraßentempo beschleunigen. Es soll in weniger als neun Sekunden auf 300 km/h jagen. Nur mal so: Ein Lamborghini Aventador S mit 750 PS sprintet in 8,8 Sekunden auf 200 km/h. Dazu soll der rein elektrisch angetriebene Evija 400 Kilometer weit kommen nach dem Messzyklus WLTP. Und die Batterie soll in 18 Minuten wieder vollgeladen sein.

Sie merken schon. In diesen Sätzen steckt viel Konjunktiv. Diese Leistungsdaten sind noch nicht gesichert. Lotus setzt sie sich zum Ziel für sein erstes Hypercar, das Anfang 2020 im Werk Hethel produziert werden soll. Superlative prägen sich ein, im Gegensatz zu Kompromissen. „Mit diesem Hypercar zeigen wir und Geely, wie ernst es uns ist. Wir wollen keine leeren Versprechungen abgeben, sondern Lotus-typische Sportwagen bauen. Mit diesem Hypercar zeigen wir, dass wir wieder ganz oben mitmischen wollen bei der Technologie“, sagt Lotus-Sportwagen-CEO Phil Popham.

Hypercar als Statement

Der Evija ist das 130. Modell der Firmengeschichte, sofern man neben den Straßenautos auch alle Rennwagen mitrechnet. Deshalb wird der angestrebte Überflieger auch Type 130 genannt. Und deshalb werden genau 130 Exemplare gebaut.

Das Hypercar ist das erste echte neue Auto von Lotus seit 2008 und das erste große Projekt der Engländer, seit der heranwachsende chinesische Auto-Riese Geely sich den kleinen Sportwagenbauer mit der großen Tradition einverleibt hat. Lotus soll das Sportwagen-Aushängeschild von Geely werden. Dafür gibt es eine milliardenschwere Finanzspritze, die den gebeutelten und angestaubten Hersteller wieder aufblühen lassen soll. Man kann sagen: Type 130, sponsored by Geely.

Lotus und Geely: Da hatte die Welt erst einmal mit einem SUV gerechnet. Eine Bauform, die so gar nicht zum Markenimage passt, aber irgendwann kommen wird, um die Absatzzahlen anzukurbeln.

Doch erst einmal setzt Lotus mit seinem neuen Hypercar ein Ausrufezeichen. Mit dem Evija ist der Traditionshersteller auf dem besten Weg, sich wieder in den Köpfen der Sportwagen-Fans und Autoliebhaber festzusetzen. Lotus soll wieder auf ihre Landkarte. Das geht nur sehr schwer mit einem SUV. Dafür aber umso besser mit einem Hypercar. Dem ersten eines englischen Herstellers. Und weil Geely nun mal den Elektroantrieb pusht, baut Lotus ein vollelektrisches Hypercar mit Allradantrieb.

Teaser Lotus Type 130
1:02 Min.

Vier E-Motoren mit je 500 PS

Für jedes Rad ist ein Elektromotor zuständig. Lotus will jeweils eine Leistung von 500 PS erzielen. Das wären in Summe 2.000 PS. Das maximale Drehmoment soll 1.700 Newtonmeter betragen. Jeder Elektromotor wird zusammen mit einem Eingang-Planetengetriebe und einem Wechselrichter (Inverter) in einem Zylinder verpackt. Die sogenannte Electrical Drive Unit (EDU) liefert Getriebespezialist Xtrac. E-Motor und Inverter für dieses Packet steuert das Unternehmen Integral Powertrain Ltd bei.

Für die Entwicklung des Type 130 spannt sich Lotus mit mehreren Firmen und Zulieferern zusammen. Die Batterien kommen von Williams Advanced Technologies, das in der Elektrorennserie Formel E Erfahrung mit Elektroantrieben und Batterien gesammelt hat. Lotus verpackt sie wie einen Mittelmotor zwischen dem Cockpit und der Hinterachse. „Das Auto liegt so tief, dass wir in den Unterboden nicht noch flächendeckend Zellen packen können“, sagt Design-Direktor Russell Carr. Die Bodenfreiheit beträgt 105 Millimeter.

Das Hypercar ist kompakt in der Länge, geht dafür ordentlich in die Breite. Es ist 4,459 Meter lang, zwei Metern breit und 1,122 Meter hoch. Für das Gewicht peilt Lotus 1.680 Kilogramm an. Lotus predigt zwar Leichtbau, doch das ist angesichts der schweren Batteriepakete nicht möglich. Der Evija ist mehr als doppelt so schwer wie zum Beispiel die erste Elise von 1996, obwohl das einteilige Carbon-Chassis nur 150 Kilogramm wiegt. Es wird von der italienischen Firma CPC gebaut.

Die Kapazität der Lithium-Ionen-Batterie beträgt 70 Kilowattstunden. Lotus verspricht, dass die leergesaugten Speicher an einer Super-Schnellladestation mit einer Ladeleistung von 350 Kilowatt in weniger als 20 Minuten vollständig geladen sein sollen. Der Evija kennt fünf Fahrmodi: Range, City, Tour, Sport und Track. Lotus kündigt an, dass das Hypercar im Rennstrecken-Modus mindestens sieben Minuten mit voller Leistung durchhält. Ansonsten soll der Elektro-Sportwagen nach WLTP-Messzyklus maximal 400 Kilometer weit kommen (im Modus Rang vermutlich). Um das zu erreichen, wird der Evija auf der Autobahn vermutlich wie die meisten Tesla auf der rechten Fahrspur mit konstanter Geschwindigkeit kriechen.

Lotus Evija - Type 130 - Hypercar
Lotus
Durchströmung wie bei einem Le Mans-Rennwagen. Lotus macht sich den Venturi-Effekt zunutze.

Schokoladenseite des Evija? Das Heck!

Lotus mixt bei seinem Hypercar weiche Linien mit Kanten an den Radhäusern und Sicken, zum Beispiel an den Flanken. Der Evija hat kräftige Schultern, eine Kampfjet-artige Kuppel, und folgt den typischen Proportionen eines Hypercars. Flach, nach vorn gezogenes Cockpit, kurze Überhänge. Das Bodywork des Type 130, das wird auf den ersten Blick klar, dient in allererster Linie der Aerodynamik. Die Luft soll über den Fahrzeugkörper strömen, am Unterboden entlang, und durch die Karosserie hindurch. „Der Abtrieb ist enorm“, sagt Lotus, ohne Zahlen zu nennen. Müssen wir wie alles andere erst einmal glauben, weil wir es nicht überprüfen können.

Gehen wir von vorn nach hinten durch. Da fallen direkt die schmalen Leuchten auf, die denen des Ferrari 488 ähneln. Sie erhellen die Dunkelheit mit Laserlicht (Abblend- und Fernlicht). Daneben dringt die Luft in dreiecksförmige Öffnungen ein. Die Fahrzeugfront ist dreigeteilt. Den zentralen Kanal, der von zwei Stelzen eingegrenzt wird, nutzen die Ingenieure zur Kühlung der Batterien. Allein vier Kühler sollen die Temperaturen der Energiespeicher senken. Die seitlichen Kanäle kühlen die vorderen Elektromotoren. Im Erdgeschoss verbaut Lotus einen mehrteiligen Splitter, der Anpressdruck erzeugen soll.

Dreieckförmige Einsparungen prägen die Flanke. Es gibt keine Rückspiegel, sondern ausfahrbare Kameras. Lotus bringt sie im hinteren Teil der vorderen Kotflügel unter. Hinzu kommt eine Dachkamera. Das soll die Rundumsicht verbessern. Auffälligstes Merkmal in der Seitenansicht sind die großen Luftkanäle, die sie dem Evija vor die hinteren Kotflügel gestanzt haben. Das erinnert an den Ford GT. Die Luft, die hier eintritt, strömt im Heck aus.

Wo wir bei der Schokoladenseite des Type 130 wären. Um die Austrittsöffnung verlegen die Lotus-Designer eine LED-Lichterkette als Rückleuchten. Das sieht genauso spektakulär aus, wie der übermächtige Diffusor mit zentralem, zweigeteiltem Schacht und aktiver Aerodynamik. „Ohne Mittelmotor und angeschlossenes Getriebe können wir den Diffusor früher ansteigen lassen“, sagen die Designer. Der Diffusor beginnt bereits ab der B-Säule. Bei hohen Geschwindigkeiten soll ein ausfahrbarer Heckspoiler. zusätzlichen Abtrieb spenden. Der Evija soll mehr als 320 km/h erreichen. DRS (Drag Reduction System) senkt den Luftwiderstand, indem der Flügel dann nach hinten klappt.

All das hat natürlich seinen Preis. 1,75 Millionen Pfund plus Steuern kostet das erste vollelektrische Hypercar aus Großbritannien. Die Bestellbücher sind geöffnet. Wer eines haben will, muss erstens schnell sein und zweitens 250.000 Pfund anzahlen.

Lotus Evija - Type 130 - Hypercar
Lotus
Hier wird der Evija aufgeladen. An einer Super-Schnellladestation mit 350 Kilowatt soll der Vorgang nur 18 Minuten dauern.

Hypercar kein Schnellschuss

Die beiden Insassen sitzen knapp hinter der Vorderachse. Der Innenraum suggeriert Leichtbau. Das Armaturenbrett, das sechs Lüftungsdüsen trägt, ist dünn und auf der Beifahrerseite ausgeschnitten. Heißt: Man sieht die Beine. Die Carbon-Schalensitze sparen Gewicht. Für den Komfort will sie Lotus aber ordentlich polstern. Der Fahrer greift in ein oben und unten abgeflachtes Lenkrad. Darauf platziert Lotus einen roten Drehregler für die fünf verschiedenen Fahrmodi. Die Mittelkonsole ist sehr schmal und verläuft ungefähr im 60-Grad-Winkel zum Armaturenträger. Darauf platziert Lotus rautenförmige Schalter für Klima, Infotainment, Parkbremse. D, N, R: nichts Handschalter.

Leichtbau, Effizienz, Aerodynamik, Rennsport-Erbe, Kurvengeschwindigkeit, Prestige: Das soll das Hypercar vermitteln. Es soll Trends setzen, British und ehrlich sein. Die Formsprache folgt dem Wunsch nach Anpressdruck, und nicht in erster Linie nach Schönheit. Sieht aber trotzdem gut aus. Teile des Designs will Lotus auf zukünftige Modelle übertragen. „Wir wollten mit etwas Extremen starten, und dann weitermachen.“

Lotus Evija - Type 130 - Hypercar
Lotus
Das Cockpit des Lotus Evija suggeriert Leichtbau. Das Hypercar ist mit 1.680 Kilogramm aber schwer.

Extrem, da hat Lotus noch ein paar Zahlen für uns. Den Zwischenspurt von 100 auf 200 km/h geben die Engländer in weniger als drei Sekunden an. Von 200 auf 300 Sachen sollen weniger als vier Sekunden vergehen. Der Evija soll nicht nur geradeaus schnell sein. Deshalb die hochgestochene Aerodynamik. Deshalb klebrige Semi-Slick-Reifen vom Typ Pirelli Trofeo R. Sie zieht man auf 20 und 21 Zoll große Magnesium-Rädern. Und deshalb Torque Vectoring. Die individuelle Drehmomentzufuhr soll den Evija zu einem Kurven-Dynamiker machen. Gefühl am Lenkrad soll die elektrohydraulische Servolenkung vermitteln, eine anständige Verzögerung die Carbon-Keramik-Bremsanlage gewährleisten.

Das Hypercar verdeutlicht: Lotus und vor allem Eigentümer Geely meinen es ernst. Es ist ein erster Schritt, dem noch viele weitere folgen sollen, um aus einem Dauer-Sorgenkind, das über Jahre am Abgrund lebte, einen profitablen Sportwagenhersteller zu machen. Schon einmal wollte Lotus etwas Extremes, etwas Verrücktes bauen, ein Hypercar für die 1980er, erzählen sie. Das Experiment wurde eingestellt. Dieses Mal aber, dieses Mal baut es Lotus tatsächlich. Und man überstürzt es nicht. Man erzählt, Lotus hätte den Type 130 schon 2018 vorstellen können. Doch Neu-Chef Phil Popham habe nach seinem Amtsantritt im Oktober auf die Bremse gedrückt. Nach dem Motto: Wir machen keinen Schnellschuss. Weil dieser Treffer sitzen muss. Damit die Welt nicht nur weiß, für was Lotus von früher einmal stand, sondern immer noch steht.

Lotus Evija: Vollelektrisches Hypercar

Lotus Evija - Type 130 - Hypercar
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Fazit

2.000 PS: Wer in aller Welt braucht so viel Leistung? Vor allem in einem E-Auto. Das mal außen vorgelassen. Mit seinem Hypercar kann Lotus sein Image durchaus aufpolieren – sicher einfacher als mit einem SUV. Der Type 130 soll der Startschuss sein für eine bessere Zukunft. Geld ist vorhanden. Geely sei Dank. Wie es aussieht, gibt es dieses Mal eine sinnvolle Strategie. Lotus will Tradition mit Moderne verknüpfen. Ein Hypercar ist ein erster Schritt dorthin. Sofern es fahrdynamisch mit dem durchaus aufbrausenden Aussehen mithalten kann. Und die Fahrleistungen keine leeren Versprechungen sind.

Technische Daten

Lotus Evija
Außenmaße 4459 x 1122 mm
Höchstgeschwindigkeit 320 km/h
Alle technischen Daten anzeigen
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