Lotus Evija - Hypercar - Produktion - 04/2021 Lotus
10/2020, Lotus Evija in Goodwood 2020
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10/2020, Lotus Evija in Goodwood 2020 29 Bilder

Lotus wird vollelektrisch, Emira letzter Verbrenner

Lotus mit 4 neuen Plattformen Emira letzter Lotus mit Verbrenner

Lotus sieht die Zukunft in batterieelektrischen Autos. Deshalb wird der Emira, der im Sommer vorgestellt wird, der letzte Sportwagen mit einem Verbrennungsmotor aus Hethel sein. Bis 2028 will Lotus ein klimaneutraler Konzern werden.

Bislang hatte Lotus seine Strategie für die Zukunft nur bruchstückhaft dargelegt. Zum 70. Geburtstag der Marke 2018 hatte der britische Sportwagenhersteller seine "Vision 80" ausgerufen, aber das waren eher Andeutungen, wie sich Lotus in den nächsten Jahren aufstellen wird und wie man arbeiten will.

Jetzt gibt es vom Traditionshersteller aus dem englischen Hethel ein Status-Update – und mit ihm mehr Details zum Fahrplan bis 2028. Dann wird Lotus 80 Jahre alt sein. Und, so der Plan, ein klimaneutraler Konzern, der ausschließlich Elektro-Autos baut. Lotus will raus aus der Nische, weg vom Kleinserienhersteller, hin zu einer Marke, die global aufgestellt ist und verkauft.

Mit neuen Autos soll der Absatz massiv angekurbelt werden. Von aktuell rund 1.800 Fahrzeugen jährlich (Elise, Exige und Evora zusammen) auf eine fünfstellige Summe. Mit mehr Volumen soll auch der Umsatz in die Höhe schießen. Mehr Plattformen sollen zu einer breiteren Produktpalette führen. Eine Modernisierung der Anlagen für bessere Produkten finanzierte der chinesische Mutterkonzern Geely. Er investierte in den letzten Jahren Milliarden in die Infrastruktur.

Lotus Emira - Sportwagen - Teaser
Lotus
Bislang versteckt sich der Emira noch. Mit dem neuen Sportwagen sollen die Verkäufe angekurbelt werden.

Emira löst Elise, Exige und Evora ab

Das Hypercar Evija gibt den Weg für die nächsten Jahre vor. 4 E-Motoren, gigantische Batterie, 1.680 Kilogramm schwer, 2.000 PS stark. Oder anders: Der Evija ist das Leuchtturmprojekt der Marke. "Er ist wie ein kleiner Gruppe-C-Rennwagen – nur mit Elektroantrieb", heißt es bei Lotus. Das Hypercar sollte eigentlich schon längst in Produktion sein, doch die Corona-Pandemie hat es verzögert. Eine solche Krise hätte Lotus früher nicht überlebt. Doch mit Geely und Etika hat man zwei starke Eigentümer im Rücken. Obwohl die Pandemie weiter grassiert, soll es 2021 noch mit der Produktion des Evija klappen.

Am 6. Juli wird Lotus seinen letzten Sportwagen mit einem Verbrennungsmotor vorstellen. In Goodwood soll dann die fahrdynamische Premiere erfolgen. Der Emira wird im Widerspruch zu Spekulationen in englischen Medien kein Hybrid-Sportwagen. Lotus will nach eigenen Angaben keine halben Sachen mehr machen. E-Komponenten und Verbrenner würden in Kombination das Gewicht zu weit nach oben treiben.

Lotus Exige Sport 410, Motor
Hans-Dieter Seufert
Lotus stellt den Verbrenner ein. Nur noch der Emira wird konventionell angetrieben. Von Hybrid hält der Sportwagenhersteller nichts.

Lotus spricht davon, dass man für den Emira eine neue Partnerschaft eingegangen sei. Mit wem, wird noch nicht verraten. Vielleicht mit Renault. Hier wurde ja bereits eine Vereinbarung für die Entwicklung kommender Elektro-Sportwagen geschlossen. Doch alles darüber hinaus ist Spekulation. "Mehr erfahren Sie am 6. Juli", sagt der neue Chef, Matt Windle. Jedenfalls wird es für den Emira eine Auswahl an Verbrennungsmotoren geben. Der Sechszylinder-Kompressor von Toyota, der in Exige und Evora steckt, ist eine Option für den kommenden Mittelmotor-Sportwagen. Der Kunde hat die Wahl zwischen Handschalter oder Automatikgetriebe. Die zweite Motorenoption ist ein neuer Vierzylinder. Vielleicht der aus der Alpine A110?

Für seinen letzten Sportwagen mit konventionellem Antrieb hat Lotus sogar eine neue Aluminium-Plattform aufgebaut. Ein neuer Mittelmotor-Sportwagen kommt, drei andere verabschieden sich. Elise, Exige und Evora werden Ende 2021 in Rente geschickt. Der Emira soll etwas können, was die drei nicht ganz so gut beherrschten: Sich im Alltag benehmen wie ein (komfortables) Auto, nicht nur wie ein kompromissloser Sportwagen.

"Wir lieben Elise, Exige und Evora. Sie haben uns gedient", sagt Windle. "Aber es ist Zeit für Lotus, neue Innovationen anzuschieben, mit neuen Produkten zu kommen. Die Technik in diesen Autos ist alt. Sie passen nicht zu unserer neuen Arbeitsweise." Zum Beispiel: In der neuen Lackiererei werden die Fahrzeugteile nicht mehr per Hand lackiert, sondern automatisiert. Deshalb können die auslaufenden Modelle dort gar nicht lackiert werden. Extra-Aufwand zu betreiben, lohnt sich nicht, weil ihre Stückzahl so niedrig ist. Außerdem wurden die existierenden Gebäude in Hethel, wo Elise, Exige und Evora gebaut wurden, zur Vormontage umgruppiert. "Wir haben also gar nicht den Platz, um sie weiter herzustellen."

Lotus Elise & Exige: Das sind die Final Editions

Lotus - Final Edition - Elise - Exige - Sportwagen - 2/2021
Lotus - Final Edition - Elise - Exige - Sportwagen - 2/2021 Lotus Elise Sport 240 - Final Edition - Sportwagen - 2/2021 Lotus Elise Sport 240 - Final Edition - Sportwagen - 2/2021 Lotus Elise Sport 240 - Final Edition - Sportwagen - 2/2021 9 Bilder

Premium-Architektur für mehr Volumen

Evija und Emira sollen Lotus auf der Sportwagen-Seite über die nächsten Jahre tragen. 2025 kommt dann der erste Sportwagen auf der neuen Elektro-Sportwagen-Plattform. Schon davor expandiert Lotus in neue Fahrzeugsegmente. Denn zusätzlich wird es eine Elektro-Premium-Plattform geben – für "Lifestyle-Autos". Sie sollen das Volumen nach oben treiben, für Absatz sorgen, fette Margen bringen. Welche Bauarten gemeint sind? Keine Angabe. Vermutlich ein SUV und vielleicht eine viertürige Limousine. Mehr Infos soll es im Herbst geben.

Lotus baut seine Zukunft auf vier Plattformen auf:

  1. Hypercar-Architektur – angefangen mit dem Evija. Lotus plant aktuell nicht, einen Baby-Evija zu bauen. Es ist deshalb wahrscheinlicher, dass auf der Plattform andere Hypercars von anderen Herstellern entstehen.
  2. Sportwagen-Architektur – für den Type 131, Emira, der aber dann wohl das einzige Modell auf dieser Plattform bleibt. Eine Modellfamilie um ihn herum ist derzeit nicht absehbar. Dafür wird es einen Motorsport-Abgelger für die GT4-Klasse geben. Mit dem Emira, der sich beim Design an den Evija anlehnt, will Lotus den Absatz bereits verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen. Die Produktionskapazität in der neuen Montagehalle ist auf knapp unter 5.000 Modelle pro Jahr ausgelegt.
  3. Premium-Architektur – für Baureihen abseits vom Sportwagen-Segment. "Sie wird uns Flügel verleihen." Die Autos dafür werden in einem chinesischen Werk in Wuhan gebaut. Seine Sportwagen fertigt Lotus weiter im Stammwerk Hethel.
  4. Elektro-Sportwagen-Architektur – die Batterie wird nicht in den Unterboden gesteckt, sondern hinter die Fahrerkabine, anstelle des Motors. Die Batterie "in der Position des Mittelmotors". Windle fordert seine Ingenieure: "Ich habe ihnen die Aufgabe gestellt, dass der E-Sportwagen trotz der Batterien so schwer sein darf, wie der Emira. Die ersten Rauchzeichen, die ich sehe, machen mich optimistisch, dieses Ziel zu erreichen." Lotus schweigt zwar noch zum Gewicht des Emira. Wir schätzen, es liegt zwischen 1,2 und 1,3 Tonnen.
Lotus Evija - Verkauf - Online
Lotus
Lotus geht auch beim Verkauf neue Wege für das Unternehmen.

Lotus gibt sich betont offen. Mit Alpine wurde bereits eine Vereinbarung zur Kooperation geschlossen. Man unterstützt die Franzosen, einen vollelektrischen Nachfolger für den Sportwagen A110 zu entwickeln. Seine neuen Plattformen will Lotus auch anderen Herstellern zugänglich machen. Damit lässt sich schließlich Geld verdienen. Genauso wie mit Lotus Engineering, das für externe Projekte zuständig ist.

Das Werk in Hethel wurde seit der Übernahme um- und ausgebaut. Neue automatisierte Produktionsstraße, neue Lackiererei, neues Museum und ein Erlebniszentrum für Kunden. Genau an den will man näher heranrücken. Die Sportwagen sollen Kunden künftig auch direkt über Online-Kanäle kaufen können. Lotus strebt also nicht nur eine Revolution der Produktpalette an, sondern auch von seinem Vertrieb. Die Technik (die Digitalisierung) soll helfen, den Kunden noch besser zu verstehen, und ihm dadurch maßgeschneiderte Angebote zu unterbreiten.

Fazit

Lotus ist eine Traditionsmarke, die in der Vergangenheit vor allem für Leichtbau und innovative Ideen im Rennsport stand. Wie zum Beispiel Monocoque und Ground Effect. In Zukunft soll die Marke für Elektrifizierung stehen. Lotus sieht darin fortschrittliche Technik. Ziel ist es, sowohl das Fahr- wie auch das Kauferlebnis zu intensivieren, gleichzeitig die Technik aber nicht zu kompliziert für den Endverbrauer werden zu lassen. In sieben Jahren, so das erklärte Ziel, soll Lotus ein klimaneutraler Hersteller von Sportwagen und Lifestyle-Autos sein. Raus aus der Nische, hin zu höherem Absatz und zu mehr Rendite.

Lotus
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