08/2021, Radford Type 62-2 Gold Leaf auf Lotus-Basis Radford
08/2021, Radford Type 62-2 Gold Leaf auf Lotus-Basis
Radford Lotus Type 62
Radford Lotus Type 62
08/2021, Radford Type 62-2 Classic auf Lotus-Basis 17 Bilder

Radford Lotus Type 62-2: Jenson-Button-Sportler im Senna-Outfit

Radford Type 62-2 auf Lotus-Basis Jenson-Button-Sportler im Senna-Outfit

Ein Quartett um den Ex-F1-Weltmeister belebt den Coachbuilder Radford wieder. Und mit ihm eine Lackierung, die an gleich zwei Legenden erinnert: Ayrton Senna und die Formel-1-Rennwagen von Lotus.

Jenson Button ist zwar noch immer Rennfahrer – beispielsweise in der umstrittenen Offroad-Rennserie Extreme E. In dieser Funktion bewahrt er anscheinend gerne Traditionen. Nicht umsonst gehört er einem Quartett an, das die britische Marke Radford wiederbelebt. Die vom namensgebenden Harold Radford gegründete Firma kreierte als klassischer Coachbuilder bis 1975 Sonderkarosserien für Modelle aus den Edelhäusern Rolls-Royce, Bentley sowie Aston Martin und war besonders für Shooting Brake-Formen bekannt.

Eine solche zeigt in Ansätzen auch das erste Projekt der neuen Radford-Ära, bei dem sich neben Button noch der Designer Mark Stubbs, der Radio- und Fernsehmoderator und Motorenspezialist Ant Anstead sowie der Wirtschaftsberater und Rechtsanwalt Roger Behle beteiligen. Das Basisauto verfügt jedoch über einen komplett anderen Genpool als die einstigen Nobelkarossen. Das Chassis liefert Lotus, was aus einem anderen Grund perfekt passt: Genau wie Radford wurde der Sportwagen-Hersteller im Jahr 1948 gegründet.

Neuauflage des Lotus Type 62

Aus der Zusammenarbeit zwischen Radford und Lotus geht eine Neuauflage des Lotus Type 62 hervor. Der nach dem Reglement der damaligen Gruppe 6 aufgebaute Rennwagen kam lediglich in der Saison 1969 zum Einsatz; aufgrund der kurzen Lebensdauer entstanden nur zwei Exemplare. Angetrieben wurde er von einem Zweiliter-Vierzylinder-Motor, der seine Ursprünge in einem Vauxhall-Triebwerk hatte. Obwohl das Aggregat als nicht besonders standfest galt, war der Lotus Type 62 in seiner Klasse schwer zu schlagen.

08/2021, Radford Type 62-2 Gold Leaf auf Lotus-Basis
Radford
Was aussieht wie klassische Außenspigel, sind in Wahrheit zurückblickende Kameras.

Der von Stubbs entworfene Type 62-2 weist ähnlich geschwungene Formen auf wie das Original. Über die Räder spannen sich gebogene Kotflügel, auf denen vorne die mit Kameratechnik ausgerüsteten Außenspiegel sitzen, während die Dachlinie des nur 1.133 Millimeter hohen Sportwagens sehr sanft nach hinten abfällt. Daraus ergibt sich eine homogene Form mit einigen markanten Details. Dazu zählen die ins Dach reichenden Türen, die vertikel ausgerichteten seitlichen Lufteinlässe und die in die Karosserie modellierten Heckspoiler-Elemente im Entenbürzel-Stil.

Topversion als Lotus-Reminiszenz

Über Letztere verfügt jedoch nur die Topversion "Gold Leaf". Sie ist benannt nach jener Zigarettenmarke, die in Lotus' großer Motorsport-Ära als einer der Sponsoren des britischen Rennstalls auftrat. In dieser Konfiguration rollt der Radford zudem auf jeweils zweiteiligen Leichtmetallrädern mit Zentralverschluss, die vorne 18 und hinten 19 Zoll messen. Als Basisversion fungiert der Type 62-2 Classic, der auf die Spoiler verzichtet und dessen geschmiedete Aluminiumräder jeweils ein Zoll kleiner dimensioniert sind. Über einen flachen Unterboden, der in einen Diffusor mündet, verfügen aber beide Varianten. Genau wie über den Schriftzug am Heck, der auf die technische Basis hinweist, und die beiden keramikbeschichteten Auspuff-Endrohre.

08/2021, Radford Type 62-2 Classic auf Lotus-Basis
Radford
In der Classic-Version sieht der Radford Type 62-2 etwas zahmer aus.

Wenig überraschend legt Radford viel Wert auf das Thema Leichtbau. Das Monocoque-Chassis besteht aus teils genietetem, teils geklebtem Aluminium sowie Elementen aus Verbundwerkstoffen, zu denen auch ein integrierter Überrollbügel gehört. Die Karosserie wird komplett aus Karbon gefertigt. Trotz des geringen Trockengewichts von unter 1.000 Kilogramm soll der Type 62-2 über eine optimale Verwindungssteifigkeit verfügen.

JPS-Version als Ayrton-Senna-Hommage

Radford hat einen Kompressor-V6, der als Mittelmotor ins Chassis integriert ist, als passendes Triebwerk auserkoren. Im Type 62-2 Classic leistet das 3,5-Liter-Aggregat – wie im stärksten Lotus Evora – 436 PS. Die Gold-Leaf-Version soll dank verbesserter Kolben, Pleuel und Nockenwellen sowie einer geänderten Motorsteuerung sogar auf 507 PS kommen. Später wird es ein Hardcore-Modell geben, das über einen 608 PS starken Motor mit optimiertem Kompressor verfügt. Dessen Beiname? JPS, was für "John Player Special" steht. Auch diese Tabakmarke trat mit ihrem ikonischen gold-schwarzen Farb-Design über viele Jahre als Lotus-Motorsport-Sponsor auf. Hier sind zudem die Lufteinlässe und Spoiler sowie der Diffusor im XL-Format ausgeführt.

09/2021, John Player Special Radford Type 62-2 auf Lotus-Basis
Radford
John-Player-Special-Farben und die Startnummer 12: F1-Kenner fühlen sich sofort an Ayrton Senna in den Lotus-Rennern 97T und 98T erinnert.

Das Topmodell trägt aber nicht nur die legendären Farben, sondern kombiniert diese mit einer besonderen Startnummer: In John-Player-Special-Farben und mit der Nummer 12 trat kein Geringerer als Ayrton Senna in den Saisons 1985 und 1986 in der Formel 1 an. Es waren seine Durchbruch-Jahre: Mit dem schnellen, aber unzuverlässigen Lotus 97T holte der Brasilianer bereits beim zweiten gemeinsamen Rennen den ersten seiner insgesamt 41 Grand-Prix-Triumphe. Bis Ende 1987 folgten fünf weitere GP-Siege im Lotus-Cockpit, das im letzten Jahr in Camel-Farben lackiert war, bevor Senna zu McLaren weiterzog und mit drei WM-Titeln endgültig in den F1-Olymp aufstieg.

Gold Leaf und JPS mit Rennsport-Technik

Die Abgase entweichen bei beiden Varianten über eine Titan-Abgasanlage in die Freiheit. Das beim Gold Leaf serienmäßige Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe ist für den Classic optional verfügbar; serienmäßig werden dort die sechs Vorwärtsgänge hier von Hand sortiert. Ein Sperrdifferenzial ist aber immer an Bord; beim Classic ist es elektronisch und bei den anderen Modellvarianten mechanisch ausgeführt. Bei den Reifen hat sich Radford für das Modell Michelin Pilot Sport Cup 2 entschieden.

08/2021, Radford Type 62-2 Gold Leaf auf Lotus-Basis
Radford
In der Heckansicht des Golden Leaf fallen die Entenbürzel-Spoiler und die keramikbeschichteten Endrohre auf.

Das Fahrwerk mit Schraubenfedern und vierfach verstellbaren Dämpfern leitet Radford vom Lotus-Vorbild ab, legt es aber etwas tiefer. Die Bremsanlage stammt von AP Racing. Sie arbeitet mit Vierkolben-Sätteln und Stahl- (Classic und Gold Leaf) oder Karbon-Keramik-Scheiben (JPS), die hier zudem in Kohlefaser-Felgen ein Zuhause finden. Während das ESP des Type 62-2 Classic ein Großserien-System ist und aus dem Bosch-Regal kommt, stammen ABS und Traktionskontrolle in Gold Leaf und JPS aus dem Rennsport. Auf eine Servolenkung müssen alle Fahrerinnen und Fahrer des Radford verzichten. Jenson Button stellt für den Type 62-2 ein "durch und durch analoges, fesselndes und raffiniertes Fahrverhalten" in Aussicht, in der weiterhin die Lotus-DNA verankert sei.

Kameras statt Spiegel

Im zweisitzigen Innenraum soll es trotz aller Sportlichkeit komfortabel zugehen. Im zwischen Insassen und Motor platzierten Gepäckabteil lassen sich maßgeschneiderte Koffer unterbringen. Einpark-Kameras vorne und hinten sowie ein optionales Nasenlift-System helfen, die Herausforderungen des innerstädtischen Verkehrs zu bewältigen. Die Bilder der Rückspiegel-Kameras werden von kleinen Monitoren an den A-Säulen dargestellt; auch den Innenspiegel realisiert Radford per Kamera-Technologie. Ein weiteres, sechs Zoll großes und hinter dem Lenkrad positioniertes Display dient als Informations-Zentrale. Der Type 62-2 verfügt ferner über ein Soundsystem mit fünf Lautsprechern und Bluetooth-Konnektivität.

05/2021, Radford Gründerteam mit Jenson Button
Radford
Sie lassen die Marke Radford wiederauferstehen: Mark Stubbs, Ant Anstead, Roger Behle und Jenson Button (v.l.n.r.).

Radford limitiert sein Erstlingswerk wird auf – logisch – 62 Exemplare; nur zwölf von ihnen werden das John-Player-Special-Outfit tragen. Da jedes Auto komplett nach Kundenwunsch konfiguriert wird, soll jeder Type 62-2 unterschiedlich aussehen und ein Unikat sein. Interessenten können dafür bereits Anzahlungen hinterlegen. Die Produktion startet Ende 2021, wobei die ersten Kunden ihre Autos zum Jahresbeginn 2022 erhalten sollen. Doch bei diesem einen Projekt soll es nicht bleiben. Radford hat vor, künftig wieder als Coachbuilder klassischer Prägung aufzutreten und eigene Karosserien über die Chassis anderer Autohersteller zu stülpen.

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