VW ID.3 (2020) - Neuvorstellung

Zur Premiere schon ausverkauft?

VW I.D. Schulte Foto: Christian Schulte

Volkswagen zeigt auf der IAA 2019 das erste Modell der ID-Familie. Das kompakte Elektroauto dürfte ID.3 heißen. Offiziell will VW die Modellbezeichnung zum Bestellstart im Mai 2019 bekannt geben, Marktstart ist 2020. Alle Infos und erste Erlkönigbilder.

2016 hatte Volkswagen auf dem Autosalon in Paris mit dem ID. erstmals die Studie eines kompakten Elektroautos vorgestellt. Der 4,10 Meter lange Viertürer basiert auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB) und wurde von einem 140-kW-Heckmotor befeuert. Die Reichweite sollte bei 600 Kilometern (nach NEFZ) liegen.

VW ID.3 – das Elektro-Golf für Millionen

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Nun, drei Jahre später steht der ID. Neo – so der inoffizielle Name des Modells – kurz vor der Markteinführung – als komplette Neuentwicklung. Bestellbar sein soll eine „First Edition“ ab Mai. Bis dahin will VW die Modellbezeichnung offiziell bekannt geben. Anmeldungen im deutschen Patentregister legen nahe, dass der ID. Neo wohl ID.3 heißen wird. Das kompakte Elektroauto ist eine komplette Neuentwicklung. Lediglich die 12-Volt-Batterie, diverse Scharniere und die Türgriffe entstammen aus dem Konzernregal. Für Volkswagen ist das Modell das Initial in die Elektromobilität, denn bis 2030 will der Konzern 70 elektrisch betriebene Modell im Angebot und 22 Millionen Elektroautos verkauft haben – die meisten auf Basis des MEB. Schon im ersten vollen Produktionsjahr 2020 strebt VW einen Absatz von 100.000 ID. Neo an. Die 30.000 „First Edition“-Modelle dürften nach Einschätzung des Konzerns schon zum Debüt auf der IAA im September 2019 ausverkauft sein.

Bei diese hohen Stückzahlen muss auch die Plattform entsprechend ausgelegt sein. Sechs Milliarden Euro haben die Wolfsburger in den MEB investiert und sich vom Erfolg des Modularen Querbaukasten (MQB) inspirieren lassen. Wie bei der Plattform für konventionelle Antriebe können auf der MEB-Plattform viele unterschiedliche Fahrzeuge auch anderer VW-Marken aufbauen. So laufen neben dem ID. in Zwickau auch der kompakte Elektro-Crossover Q4 E-Tron von Audi und die Serienversion des Seat El Born vom Band, ein Skoda-Pendant entsteht in Tschechien.

Niedriger Schwerpunkt, flacher Boden

Die skalierbare Batterie des MEB hat in der Basisversion des ID. Neo eine Kapazität von 48 kWh und wiegt 480 Kilogramm, wächst aber im ID. Buzz etwa auf 111 kWh. Der MEB-Aufbau sieht die schwere Batterie im Fahrzeugboden zwischen den Achsen vor, dadurch sinkt der Schwerpunkt ab, der Fahrzeugboden bleibt flach und der Karosserieaufbau bietet kurze Überhänge und einen langen Radstand. 4,25 Meter misst der ID. in der Länge, der Radstand beträgt zirka 2,70 Meter. Einen Nachteil hat das Konzept allerdings: Weil der Akku 14 Zentimeter hoch ist, wird VWs Elektro-Kompaktwagen eher so hoch wie ein Golf Sportsvan (1,61 Meter). Ein Golf 8 (ca. 1,46 Meter Höhe) wirkt daneben wie ein Sportwagen. Dafür soll das Platzangebot bei den MEB-Autos um eine Klasse besser sein als die Außengröße – und eine hohe Sitzposition liegt ja ohnehin im Trend.

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Vorteil für die Raumökonomie: Der Motor im Heck macht die Kardanwelle überflüssig. Der E-Motor ist an einem Hilfsrahmen an der Hinterachse befestigt. Dort solld ie Traktion auch für das hohe Anfahrmoment der Synchronmaschine locker ausreichen. Die Gewichtsverteilung ist laut VW ausgewogen, genau 50:50. Zusätzlich bietet der Baukasten auch eine Allradoption über einen zweiten Elektromotor (asynchron) an der Vorderachse. Der ID.3 trägt eine Vierlenker-Achskonstruktion mit Spurstangen, vorne sind McPherson-Federbeine untergebracht. Den Kontakt zur Straße halten 18 Zoll große, aerodynamisch verkleidete Leichtmetallräder, optional sind es 20 Zöller.

Reichweite bis zu 500 Kilometer

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In Sachen Antrieb bildet eine 125 kW starke Version mit 48 kWh-Akku die Basisversion. Weitere, stärkere Modelle können und werden folgen. Die Hinterachse verträgt 150 kW, an der Front dürfen es bis zu 75 kW zusätzlich sein – aber nicht beim Neo. Das Einsteigermodell des ID.3 soll mit seinen mehr als 300 Nm Drehmoment in unter acht Sekunden auf Tempo 100 surren und eine Höchstgeschwindigkeit von 160 bis 180 km/h ermöglichen.

Wer VWs E-Golf allerdings so nach vorne treibt, dem dürfte in Sachen Reichweite schnell die Puste ausgehen. Je nach Akkukapazität und Anzahl der Elektromotoren soll diese nach WLTP zwischen 330 und 500 Kilometer betragen. Das Aufladen erfolgt über ein Typ 2-Ladeanschluss mit 11 kW Wechselstrom. 80 Prozent Aufladung werden in vier bis sechs Stunden erreicht. Schneller geht es mit einem 3-phasigen CCS-Gleichstromstecker, der auf bis zu 125 kW ausgelegt ist. Hier dauert die Schnell-Ladung nur Minuten.

Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo Erlkönig VW ID. Neo VW I.D. Crozz II VW I.D. Crozz II VW I.D. Buzz Elektro-Bus VW I.D. Aero-e VW I.D. Lounge

Studie ist fast gleich Serie

Trotz seiner Tarnung ist die Karosserie des VW ID.3 auf Erlkönigfotos schon gut zu erkennen.Von vorne fällt am Neo das kühlerlose Gesicht auf, das VW-Designchef Klaus Bischof wie den Heckmotor als „back to the roots“ sieht, weil auch der Käfer dank Heckmotor (wie der ID.) vorne kaum Lufteinlässe hatte. Die Form der Scheinwerfer kennt man vom Concept Car: Aus dem innenliegenden Spitz läuft ein schmales weißes Leuchtband über die ganze Front. Das Logo in seiner Mitte ist neu und auf vielen Märkten, aber sicher nicht auf dem Deutschen, beleuchtet. Hier gilt ein Leucht-Logo als Werbung und ist nicht erlaubt. Das neue Logo ist reduzierter in der Form, leichter zu lesen und in der Regel weiß. Chrom oder Metall gibt es nur noch an wenigen Ausnahme-Stellen.

Das Heck ist kantiger als vom Concept Car in Erinnerung, die Rückleuchten sehr eckig; sie stehen ein wenig über den seitlichen Karosserierand hinaus, als Abrisskante. Das Dach ist immer schwarz (Glasdach). Passend dazu ist auch die Heckklappe aus Kunststoff immer schwarz bis hinunter zum Stoßfänger. In der Seitenansicht sind bei den Erlkönigen auch die charakteristischen Knicke in der Fensterlinie zu erkennen, die auch schon die Studie trug. Allerdings kommen noch konventionelle Rückspiegel dazu, die auf der Türbrüstung stehen.

VW I.D. Foto: Ingo Barenschee
Die VW I.D. Studie hat keine Außenspiegel. Das schwarze Heck schafft'S in die Serie.

Preiswerter als ein Golf

Das Interieur erinnert an BMWs i3. Vor dem vergleichsweise konventionell aussehenden, aber weißen Lenkrad mit Touchbedienelementen steht frei das Display für die digitalen Instrumente. Sie können im Vergleich zum Golf 15 Zentimeter weiter weg vom Fahrer nach vorne rücken, weil auch die Scheibe weit nach vorne rückt, denn das verhindert hier keine Antriebseinheit. An der Seite des Instrumentenpanel ist ein viereckiges Bedienelement schräg angebracht. Es ersetzt den Gangwahlhebel. Nach vorn drücken legt „D“ ein, nach hinten ziehen „R“, seitlich drauftippen „P“. Auf den Pedalen sind die Symbole für Play und Pause eingraviert. Weil der fehlende Verbrenner vorne viel Platz lässt, konnte hier eine bierkastengroße Unit für ein Augmented Head-up-Display Platz finden. Sie projiziert die üblichen Informationen wie Geschwindigkeit etc. unten ein und kann weiter vor der Haube Aktionshinweise einblenden, wie etwa animierte blaue Pfeile als Abbiegeaufforderung des Navis. Optisch befinden sich die Symbole etwa zehn Meter vor dem Auto.

Mitten auf dem Armaturenträger thront ebenfalls freistehend, leicht zum Fahrer gewandt ein etwa 10 Zoll großes Touchdisplay mit Touch-Slidern für die Klimaeinstellungen drunter. Hier lassen sich auch die Online-Services, für die man sich wie etwa bei Apple mit einer VW-ID. anmeldet, abrufen. Über die Online-Verbindung sind auch over the air Updates einspielbar oder Fahrzeugfunktionen zubuchbar.

Zwischen den Sitzen bietet ein großes Fach Ablagefläche selbst für die Handtasche, davor findet das Handy Platz und kann induktiv geladen werden, davor wiederrum gibt es zwei Becherhalter. Die anschließende vertikale Fläche der Mittelkonsole entfällt.

Und was kostet der VW ID.3 ? VW hat sich schon früh festgelegt: Mit der ID.-Familie will man die Elektromoilität demokratisieren. Der ID.3 soll so viel kosten wie ein vergleichbarer Golf mit Dieselmotor. Das wären in der Basis etwa 27.500 Euro.

VW I.D.
Im Zukunfts-E-Auto Platz genommen 1:30 Min.

Fazit

VW ist es ernst mit der Elektromobilität. Der Konzern bekennt sich zur CO2-Neutralität für 2050 wie im Pariser Klimaabkommen festgelegt. Das heißt auch, dass VW den Verkauf von Modellen mit Verbrennungsmotor 2040 einstellen wird.

Damit ist klar, dass der Elektro-VW in Golf-Größe nicht teurer sein darf, als sein Diesel-Pendant. Selbst das erfordert von den Käufern schon Zugeständnisse, denn die reale Reichweite wird die Einstiegsversion nicht zum Vollwert-Auto machen – und die Schnell-Lade-Infrastruktur wird gerade zu Beginn für lange Reisen nicht ausreichen.

Anderseits: Die meisten Menschen fahren zu 80 Prozent nicht mehr als 60 Kilometer pro Tag und die legt der ID. billiger, leiser und umweltfreundlicher zurück. Wie gut er das kann, konnten wir bereits auf einer ersten Probefahrt in einem Vorserienmodell erahnen.

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