US Post Transporter Grüner

Ford schlägt US-Post autonome Lieferfahrzeuge vor

Hersteller hofft auf 6,3-Milliarden-Auftrag

Die US-Post sucht einen neuen Truck-Lieferanten. Ford buhlt um den Milliarden-Auftrag – mit der Aussicht auf autonome Postautos.

Beim Rennen um den 6,3-Milliarden-Dollar-Auftrag (aktuell umgerechnet zirka 5,59 Milliarden Euro) der US-Post (USPS – United States Postal Service) für neue Lieferfahrzeuge hat es Ford in die Endrunde geschafft. Ford geht nun, nach einer konkreten Anfrage, beim Kampf um die nächste Postauto-Generation einen Schritt weiter und schlägt Roboter-Lieferfahrzeuge vor.

Die Agentur, die für die Vergabe des heiß begehrten Auftrags zuständig ist, hat bei den Bewerbern um Vorschläge hinsichtlich autonomer Technologien gebeten. In dem so genannten RFI (request for information – Auskunftsersuchen) heißt es, dass dem Zusteller das Sortieren und Organisieren der Post möglich sein soll, während das Auto autonom fährt. Im RFI wird als Forderung die Überwachung der Umgebung durch das autonome Fahrzeug und die Einhaltung aller sicherheitsrelevanten Standards betont.

US-Post stark am autonomen Fahren interessiert

Ford hat seine Vorschläge eingereicht, ob auch andere Bewerber dies getan haben, ist bisher nicht bekannt.

Die US-Post ist stark daran interessiert, Prozesse durch Integration zu vereinfachen – das Unternehmen testet bereits selbst autonom fahrende Lieferautos. Wer am Ende den Milliarden-Auftrag bekommt, ist noch nicht entschieden.

Ablösung des Grumman LLV überfällig

Fest steht abert, die Amerikaner fahren eine Legende auf’s Abstellgleis: den Grumman LLV. Die wie weiße Schuhkartons aussehenden Auslieferungsfahrzeuge des United States Postal Service, kurz USPS, sollen in Rente gehen. Aus vielerlei Gründen. Zum einen ist das Durchschnittsalter der Flotte mit 27 Jahren schon drei Jahre über dem ursprünglich geplanten Alter. Zum anderen sind die reinen Benziner in Zeiten von Hybrid- und Elektrofahrzeugen nicht mehr tragbar. Ein Spritverbrauch von Durchschnittlich 24 Litern auf 100 Kilometern ist auch Amerikanern zu viel.

Neben den Spritkosten kämpft der über 497.157 Festangestellte verfügende USPS mit gewaltigen Reparaturkosten im Jahr. Schon vor zehn Jahren wurden jährlich 470 Millionen Euro fällig. Und schon damals wurde ein kompletter Austausch der Flotte auf 3,76 Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommen 42 Fahrzeugbrände allein im Jahr 2017, die bauartbedingt ausgelöst worden sein sollen. Im Laufe der letzten Jahre sind in einigen Regionen der USA die Grummans LLVs von Minivans wie dem Dodge Caravan Cargo ersetzt worden. Doch die Mehrheit ist noch unterwegs.

Hurricane Irma
USPS
Ein Grumman LLV liefert direkt nach dem Wirbelsturm Irma Briefe aus.

Sechs Kandidaten für das neue Postauto

Die aktuelle Ausschreibung für knapp 180.000 Fahrzeuge zu je 22.400 Euro bis 31.400 Euro eines Next Generation Delivery Vehicle (NGDV) beläuft sich auf 5,59 Milliarden Euro. Kein Wunder, dass die Hersteller Schlange stehen. In die engere Auswahl wurden am 22. September 2016 sechs Hersteller gewählt: AM General, Karsan, Mahindra, Oshkosh, Utilimaster und VT Hackney. Die Hälfte der neuen Flotte soll über Hybrid- und weitere neue Antriebsformen verfügen. Dabei sollte die Bodenfreiheit nicht weniger als 18,5 Zentimeter und die Türbreite nicht schmaler als 76 Zentimeter sein. Die Gesamtlänge ist auf 5,84 Meter beschränkt. Die Entscheidung, wer den Zuschlag erhält, soll Anfang Herbst fallen.

Aktuell besteht die USPS-Flotte aus 232.372 Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr lieferte sie 146,4 Milliarden Briefe und 6,2 Milliarden Pakete an 158,6 Millionen Adressen aus. Dabei legten die Fahrer eine Strecke von 2,25 Milliarden Kilometer zurück (56.220 Erdumrundungen). Gleichzeitig leerten sie 143.000 (seit 1971 blaue) Briefkästen aus (aneinandergereiht würden sich eine Briefkasten-Schlange von 95 Kilometer ergeben). Da wundert es nicht, dass der amerikanische Postdienst 47 Prozent der weltweiten Post bearbeitet. Im vergangenen Jahr kaufte das Unternehmen 675.000 neue Reifen für seine Fahrzeuge.

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Das erste E-Postauto fuhr 1899

Die Fahrzeuge der neuen Flotte wären allerdings nicht die ersten alternativen Antriebe in der USPS-Historie. Das erste rein elektrische Auslieferungsfahrzeug der USPS fuhr bereits am 2. Juli 1899 in Buffalo, New York. Mit dessen Hilfe konnten innerhalb von 90 Minuten 40 Briefkästen geleert werden – immerhin die Hälfte der Zeit, die es mit einer Pferde-Kutsche dauerte. 1913 begann das Zeitalter des Pakete-Verschickens und damit auch ein erhöhter Anspruch an Leistung und Zuladung. Die Tage der E-Postautos schienen vorbei. Zu diesem Zeitpunkt stellten in New York die Elektroautos einen Anteil von sechs Prozent am Privatfahrzeugmarkt und 29 Prozent der Geschäftswagen. Weniger als zwei Prozent davon fielen auf den USPS.

Ein halbes Jahrhundert später, im Jahr 1959, folgte eine weitere Testphase mit 13 elektrisch angetriebenen Mailsters. Zwei Jahre später bestellte USPS 300 elektrische Mailsters von der Highway Products Company. Sie stellten bis 1964 zwei Prozent der insgesamt 13.754 Post-Auslieferungsfahrzeuge. Im direkten Vergleich zu den Benzinern beschleunigten diese nicht so flott und konnten zudem auch nur 25 anstatt 58 km/h schnell fahren. Anfang der 70er Jahre wurden alle E-Fahrzeuge durch Jeeps ersetzt. Die E-Auto-Abstinenz hielt allerdings nicht lang. Denn beschleunigt von Öl-Embargos und Umweltbedenken kaufte der USPS wenige Monate später neue Elektroautos des Typs Otis, Battronic, Electromotion und Harbilt.

Extended Capacity Delivery Vehicle
USPS
Aktuell besteht die USPS-Flotte aus 232.372 Fahrzeugen.

Cooles Design muss nicht besser sein

Richtig futuristisch ging es 1980 weiter mit der Bestellung von 375 Commuter-Fahrzeugen aus Florida. 231 wurden 1981 tatsächlich nach Süd-Florida ausgeliefert. Dem Enthusiasmus folgte recht schnell die Ernüchterung. In weniger als einem Jahr wurden die von Motorschäden geplagten Fahrzeuge ausgemustert. Die noch ausstehenden 144 Exemplare wurden nie geliefert. In den frühen 1990er Jahren startete das Unternehmen einen erneuten E-Ausbau seiner Flotte. Die ersten Modelle kamen aus dem Hause Ford. Sechs Ecostar-Vans starteten ihre Testphase in Huntington Beach, Kalifornien. Was folgte, waren zehn Versuchsfahrzeuge auf Basis des Grumman LLVs.

Der Siegeszug des Grumman LLV

Seit dem Jahr 1987 gehören die heute noch fahrenden Exemplare zum Stadtbild einer jeden US-amerikanischen Stadt. Die wie fahrende, weiße Briefkästen aussehenden Fahrzeuge des Herstellers Grumman wurden einst für eine sehr lange Lebenszeit konzipiert und tragen daher auch den Segmentnamen LLV für Long Life Vehicle. Die erste Generation der Grumman LLV-Fahrzeuge, die von 1987 bis 1994 in Montgomery (Pennsylvania) produziert wurden, sind so berühmt, dass das am 11. Juli 1987 erste gebaute Exemplar mit der gut zu lesenden Seriennummer 7200001 im Smithsonian Institut ausgestellt ist.

Die 4,46 Meter langen, 1,90 Meter breiten, 2,20 Meter hohen und über einen Radstand von 2,55 Metern verfügenden Postautos werden von einem GM Iron Duke-Reihenvierzylinder mit 2,5 Litern Hubraum angetrieben. Die Kraftverteilung übernimmt eine Dreigang-Automatik. Die Leistung des wassergekühlten Aggregats beträgt zwischen 83 und 108 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 167 bis 183 Newtonmetern. Rund 140.000 Exemplare dieser Fahrzeuge verließen das Werk in Montgomery, zeitweise 100 pro Tag. Der Fahrer des LLV sitzt bordstein- und briefkastennah auf der rechten Seite. Auf der Beifahrerseite (links) befindet sich ein großer Metalltisch mit drei Brieffächern. Insgesamt kann der 1.361 Kilogramm schwere LLV 907 Kilogramm zuladen. Sein Chassis besteht aus rostfreiem Aluminium.

Hurricane Irma
USPS
Die Fahrer legten eine Strecke von 2,25 Milliarden Kilometer zurück (56.220 Erdumrundungen).

Hohe Anforderungen

Bevor die Grumman Corporation’s damals den Auftrag zum Bau der Postautos erhalten hat, war ein hartes Auswahlverfahren zu durchlaufen. Denn die neuen Fahrzeuge musste das Vorgängermodell, einen Jeep DJ-5, signifikant übertreffen. Folgende Anforderungen mussten erfüllt werden:

  • 9.270 Kilometer auf einer 8,0 Kilometer langen, abgesperrten Asphaltstrecke mit einer Geschwindigkeit von 80 bis 89 km/h fahren
  • 18.540 Kilometer über eine Schotterstraße mit 48 bis 73 km/h fahren
  • 4.635 Kilometer über eine Straße mit Seitenstreifen fahren, auf der alle 76 Meter gestoppt wird und wieder bis Tempo 24 hochbeschleunigt wird
  • 1.545 Kilometer über Schlaglöcher mit 16 bis 23 km/h fahren – dabei sichergehen, dass jedes Rad 35.000 Mal durch ein Schlagloch fährt
  • 100 aufeinanderfolgende Stopps von Tempo 24 durchführen

Im Jahr 1999 orderte der Postdienst weitere 500 elektrische Fahrzeuge von Ford. 480 Exemplare der auf dem Modell Ranger aufbauenden Fahrzeuge kamen in Kalifornien zum Einsatz. Aber auch Fahrzeuge des Typs Ford Explorer fuhren rein elektrisch von Briefkasten zu Briefkasten. Ihre Reichweite von rund 60 Kilometern reichte offensichtlich für einen vollen Dienst-Tag. Insgesamt zwölf Minivans des Typs Daimler-Chrysler Epic rollten durch Harbor City. An sich eine nette Idee. Nur die im Vergleich zu einem Verbrennerfahrzeug knapp doppelt so hohen Anschaffungskosten waren den Verantwortlichen ein Dorn im Auge.

Fazit

Der nächste Hersteller des Post-Auslieferungsdienstens USPS fährt in große Reifenspuren. Die 5,5 Milliarden Euro würde aber jeder gern nach Hause fahren – Ford gerne auch ganz automatisch mit einem Roboterauto.

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