Erlkönig Ferrari V6 Hybrid Muletto Stefan Baldauf
Erlkönig Ferrari V6 Hybrid Muletto
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Erlkönig Ferrari V6 Hybrid Muletto
Erlkönig Ferrari V6 Hybrid Muletto 11 Bilder

Ferrari V6 Hybrid

Elektrisierter Dino-Nachfolger?

Ferrari erprobt den angekündigten V6-Motor mit Hybrid-Modul in 488-Mulettos. Dass der neue Motor in einem Mittelmotor-Modell debütiert, ist aber nicht ausgemacht.

Auch wenn unser Erlkönig-Fotograf aktuell Versuchsträger auf Basis des Mittelmotor-Modells 488 offensichtlich mit Hybrid-V6 abgeschossen hat, ist ein neuer Zweisitzer dieser Bauart unwahrscheinlich. Erstens hat Ferrari einen modernen Dino-Nachfolger dementiert und zweitens sprachen Manager von einem für Ferrari neuen Segment.

Erlkönig Ferrari V6 Hybrid Muletto
Stefan Baldauf
Eine Ladeklappe ist an den Versuchsfahrzeugen nicht zu entdecken.

Der V6-Hybrid-Antriebsstrang wird also im SUV Purosangue zum Einsatz kommen. Dort wird er zwar auch vor der Hinterachse eingebaut sein, aber ganz weit davor, unmittelbar hinter der Vorderachse. Damit er den Innenraum mit den zwei Sitzreihen nicht allzu sehr einschränkt, schaden zwei Zylinder weniger nicht. Beim CO2-Ausstoß hilft das auch, genauso wie die Hybridunterstützung. Und für die Platzverhältnisse (sowie den Schwerpunkt) ist es hilfreich, dass der V6 wie im SF90 der V8 besonders tief angeordnet ist.

Ferrari Purosangue
Ferrai
Bei Crossover Purosangue gibt es einen tiefsitzenden Verbrenner an der Vorderachse; Batterie und Getriebe befinden sich hinten.

Die neue Front-Mittelmotor-Plattform sieht ein an der Hinterachse verbautes Doppelkupplungsgetriebe vor, das alle vier Räder antreibt. Hinten sitzt auch der E-Motor des Hybrid-Systems. So muss es beim Purosangue aber nicht zwangsläufig sein. Das alternative System dürfte sich an dem des Ferrari GTC4 Lusso orientieren: Frontmittelmotor, Transaxle-Getriebe, quergesperrter Hinterradantrieb und radselektiver Frontantrieb mit Doppelkupplungen. Nur dass der Verbrenner im Purosangue eben lediglich sechs Zylinder hat.

Einen modernen Ferrari-V6 gibt es schon lange

V6-Motoren von Ferrari – mehr oder weniger – gibt es auch aktuell schon. Etwa bei Maserati. Oder in Alfa Romeo Giulia und Stelvio Quadrifoglio. Deren 2,9-Liter-V6 hat Ferrari entwickelt und er ist eng mit dem V8 aus 488 bzw. F8 verwandt. Er hat sogar dessen für einen V6 eher ungewöhnlichen Zylinderbankwinkel von 90 Grad, der für den charakteristischen Klang sorgt. Der Alfa-V6 lässt sich also auch als gekappter Ferrari-V8 beschreiben, was seine Verwendung in einem Ferrari nicht unbedingt unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Drei E-Motoren wie im SUV?

Ein Hybridsystem gibt es bei Ferrari auch, und zwar im Supersportwagen SF90. Es liefert nur 220 von den 1.000 PS der Flunder – weil die Batterie dort nur 7,9 kWh Kapazität hat. Die drei Motoren, zwei mit 85 kW an der Vorderachse und einer an der Kurbelwelle des bekannten V8, wären für 320 kW (435 PS) gut. Beim SF90 sitzen sowohl Verbrenner als auch Acht-Gang-Doppelkupplungsgetriebe an der Hinterachse. Beim Purosangue befindet sich nur das Getriebe dort – weit entfernt vom V6, an dessen Kurbelwellenende ebenfalls ein E-Motor vorgesehen ist. Die beiden Elektromotoren, die beim SF90 die Vorderräder antreiben, werden wohl beim Purosangue die hinteren mit zusätzlichem elektrischen Drehmoment versorgen. Das ergäbe die Möglichkeit reaktionsschnellen elektronisch gesteuerten Torque Vectorings.

Ferrari SF90 Stradale
Ferrari
Der SF90 trägt einen tief sitzenden V8 mit einem E-Motor vor der Hinterachse und zwei weitere E-Motoren an der Vorderachse.

Die Batterie unbekannter Kapazität ist beim Purosangue vor Getriebe und Hinterachse eingeplant. Selbst wenn sie wenigstens die Prüfstands-Reichweite des SF90 von 25 Kilometern schaffen soll, muss sie im schwereren Crossover mehr als 10 kWh haben. Hier sitzt auch Ferrari mit seinen ausgeklügelten und spektakulär verschachtelten Antriebslösungen im selben Boot wie die anderen Hersteller: Nur eine Batterietechnologie mit ausreichend Energiedichte sorgt für Reichweite ohne exorbitanten Gewichtszuwachs.

Was die Erprobungsfahrzeuge in der Bildergalerie angeht, dürften sie ähnlich aufgebaut sein wie der SF90, bloß eben mit V6 (und E-Motor daran) im Heck, wo auch das Getriebe sitzt. Vorne und damit spiegelverkehrt zum Purosangue sitzt wohl auf jeder Radseite ein E-Motor.

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Nein, auf den CO2-Ausstoß kommt es bei den Stückzahlen nicht an und die Batterien machen die Autos nur schwer.
Klar, E-Motoren bieten dank Boost und schneller Torque-Vectoring-Möglichkeit auch dynamisches Potenzial.

Fazit

Ferrari erprobt seinen bereits bestätigten V6-Biturbo-Hybrid in Mittelmotor-Modellen. Dort wird der neue Antrieb aber wohl nicht zuerst zum Einsatz kommen, sondern vorn im Crossover Purosangue (2022). Dessen Bauart wäre auch für Frontmotor-Modelle denkbar, mit V6 eher für den Portofino, für einen GTC4-Lusso-Nachfolger vielleicht sogar mit V8.

Was nicht heißt, dass die Konfiguration in den Mulettos nicht auch irgendwann auf die Straße findet, etwa als Nachfolger des F8 Tributo. Damit wäre der dann quasi ein SF90 mit V6.

An solchen Gedankenspielen wird klar, dass Ferrari gerade einen vielfältigen, variablen Hybrid-Baukasten zusammenstellt. Nur bei der Batterieentwicklung sind auch die Italiener außen vor.

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