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Hyundai Wasserstoff Teaser
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09/2021, Hyundai Vision FK Wasserstoff Sportwagen 10 Bilder

Hyundai-Wasserstoff-Zukunft: Sportwagen, Lkw, Infrastruktur

Hyundai setzt auf Wasserstoff 680-PS-Sportwagen, Lkw & Infrastruktur

Der Autokonzern setzt auf eine nachhaltige Wasserstoff-Gesellschaft. Den Energieträger wollen die Koreaner vor allem bei Nutzfahrzeugen zur Anwendung bringen – aber nicht nur.

Die Hyundai Motor Group, zu der unter anderem die Automarken Hyundai, Kia und Genesis gehören, richtete am Dienstag (7. September 2021) die "Hydrogen Wave" aus – ein globales digitales Forum, das die auf Wasserstoff basierenden Produkte und Technologien des Konzerns in den Fokus stellt. Dabei haben die Koreaner auch Einblicke in ihre Zukunftsvisionen gegeben. Die Online-Veranstaltung fand anlässlich des jährlich ausgetragenen und von Südkorea etablierten "International Day of Clean Air for Blue Skies" statt.

"Die Vision der Hyundai Motor Group ist es, die Energie von Wasserstoff in allen Bereichen des Lebens und der Industrie einzusetzen", sagt Euisun Chung, der Vorsitzende der Hyundai Motor Group. Der Konzern wolle praktische Lösungen für die nachhaltige Entwicklung der Menschheit in allen Lebensbereichen anbieten und dazu beitragen, dass bis 2040 eine weltweite Wasserstoff-Gesellschaft entsteht. "Das Ziel ist es, Wasserstoff für jeden überall nutzbar zu machen", sagt Chung. Mit der Vorarbeit will Hyundai nun direkt beginnen und sukzessive seine Angebote basierend auf Wasserstoff-Technologien ausbauen.

Sportwagen mit Brennstoffzelle

Vorab hat Hyundai drei Teaser-Videos veröffentlicht, die einen kleinen Ausblick darauf geben, was zu erwarten ist. Der erste Teaser zeigt ein sportlich geschnittenes Coupé, das dynamisch über eine Rennstrecke pfeilt. Dabei handelt es sich um den Vision FK, der mit einer 500 kW / 680 PS starken Brennstoffzelle ausgerüstet ist. Die Konzeptstudie soll in unter vier Sekunden von Null auf Hundert beschleunigen können und ist mit roten Bremssätteln ausgerüstet. Der Antrieb ist als Plug-in-Layout ausgelegt; zusätzlich lässt sich also elektrische Energie in einer Batterie speichern. Als Gesamt-Reichweite gibt Hyundai über 600 Kilometer an. Als Unterbau für kommende Brennstoffzellen-Modelle dürfte die E-GMP-Plattform dienen.

09/2021, Hyundai Vision FK Wasserstoff Sportwagen
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Der Hyundai Vision FK ist ein Brennstoffzellen-Sportwagen mit Plug-in-Layout.

Hyundai hat seit 2018 mit dem Nexo bereits eine entsprechende Technologie mit technischen Daten von 163 PS und maximal 395 Newtonmetern serienreif am Start. Der Konzern entwickelt aber bereits die dritte Generation seines Brennstoffzellen-Antriebs, die in zwei Leistungsstufen verfügbar sein soll: mit 100 kW / 136 PS sowie mit 200 kW / 272 PS. Den Koreanern ist es dabei gelungen, das Paket spürbar zu verkleinern, um für verschiedene Fahrzeugtypen flexiblere Einsatzmöglichkeiten zu schaffen. Da das System modular aufgebaut ist, lassen sich sogar Leistungswerte von bis zu einem Megawatt darstellen, was im Maximalbereich aber eher für Schiffe oder stationäre Anwendungen in Häusern infrage kommt. Generell soll die Technik so kostengünstig werden, dass bis 2030 die Preise für Hyundais Fahrzeuge mit Brennstoffzellen-Technologie auf dem Niveau eines batterieelektrischen Fahrzeugs liegen.

Nächste Generation von Brennstoffzellen-Nutzfahrzeugen

Im zweiten Videohäppchen geht es um Nutzfahrzeuge mit Wasserstofftechnologie. Auch hier haben die Koreaner mit dem seit dem vergangenen Jahr angebotenen Lkw Xcient bereits ein Eisen im Feuer. Der durchläuft bereits in der Schweiz einen Pilotversuch und soll flächendeckend in ganz Europa eingeführt werden. Hinzu kommt mit dem Elec City Fuel Cell ein Stadtbus mit Wasserstoffantrieb, der sich beispielsweise in München im Testbetrieb befindet.

Hyundais neue Strategie geht jedoch viel weiter: Bis 2028 sollen alle Nutzfahrzeug-Modelle der Koreaner mit Elektroantrieb erhältlich sein; und dies sowohl aus Wasserstoff- als auch auf Batterie-Basis. Diese Initiative bezieht sich sowohl auf schwere Lastwagen als auch auf Busse. Da der Nutzfahrzeugsektor relativ große Mengen an CO2 ausstoße und im Vergleich zum Pkw-Sektor längere Reichweiten benötige, sei der Start der Initiative in diesem Bereich am sinnvollsten, sagt Hyundai.

Wasserstoffbetriebenes Container-Transportsystem

Um keine Zeit zu verlieren, hat die Produktion einer weiterentwickelten Version des Lkw Hyundai Xcient Fuel Cell bereits begonnen. Auf dieser Basis treibt der Konzern nun auch die Entwicklung einer Zugmaschine voran, die 2024 auf den Markt kommen soll. Hinzu kommt ein leichtes, auf viele Einsatzzwecke anpassbares Nutzfahrzeug von fünf bis sieben Metern Länge.

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Mit der "Trailer Drone" will Hyundai ein schweres Container-Rangiersystem mit Wasserstoffantrieb anbieten.

Auf dem "Hydrogen Wave"-Forum präsentierte Hyundai außerdem das Konzept "Trailer Drone", ein wasserstoffbetriebenes Container-Transportsystem, das völlig autonom arbeiten kann. Die Trailer Drone verfügt über mehrere große Wasserstofftanks, was eine Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern gewährleisten soll. Dank spezieller Drehgestelle, die mit denen von Eisenbahn-Waggons vergleichbar sind, verfügt das Konzept über eine Art Vierradlenkung und damit eine besonders gute Manövrierfähigkeit. Auch Platooning, also das dichte Hintereinander herfahren mehrerer Trailer Drones, soll möglich sein.

Wasserstoff-Fahrzeuge von klein bis groß

Einen genauen Modell-Fahrplan hat Hyundai im Rahmen der Veranstaltung ebenfalls präsentiert. Dieser umfasst neben einem 1,18 Meter langen Minicar für Kinder das wasserstoffbetriebene Stadtauto M.Vision Pop von 2,60 Meter Länge, das auf der Stelle wenden und automatisch einparken können soll. Darüber rangiert mit dem M.Vision 2Go ein 3,20 Meter langer Lieferwagen für die letzte Meile. Neben der nächsten Generation des Xcient Brennstoffzellen-Lkw plant Hyundai zudem einen Traktor und eine Straßenbahn, deren Antriebe jeweils auf der Xcient-Technik basieren.

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Der Modell-Fahrplan sieht einige Brennstoffzellen-Fahrzeuge von klein bis groß vor.

Hyundai denkt die Wasserstoff-Mobilität aber noch weiter. Ob städtische Luftmobilität, Roboter, Flugzeuge und große Schiffe: Brennstoffzellen-Antriebe könnten den Koreanern zufolge überall zum Einsatz kommen. Unter anderem in Form einer "Rescue Drone", die ferngesteuert und autonom zur Brandbekämpfung und Lebensrettung eingesetzt werden kann. Durch sein unabhängiges Lenksystem ist das Fahrzeug in der Lage, sich an Ort und Stelle zu drehen und wie ein Krebs am Boden fortzubewegen. Mit einer Tankfüllung kann es eine Reichweite von 450 bis 500 Kilometern erzielen. Eine zum Fahrzeug gehörende Flugdrohne liefert den Einsatzkräften die nötigen Bilder aus dem Unglücksgebiet.

Hyundai will sich auch um die Infrastruktur kümmern

Damit die Sache mit der nachhaltigen Wasserstoff-Gesellschaft auch funktioniert, kümmern sich die Koreaner auch um eine entsprechende Infrastruktur – und dies nicht nur stationär. Das Schwerlastfahrzeug "H Moving Station" ist mit Betankungsvorrichtungen für Brennstoffzellen-Fahrzeuge ausgestattet. Diese mobile Wasserstofftankstelle eignet sich besonders für Gebiete mit einem begrenzten Angebot an Tankmöglichkeiten. Eine Nummer kleiner ist das Rescue Hydrogen Generator Vehicle (RHGV). Es versorgt Elektro-Fahrzeuge mit Strom, die in entlegenen Regionen abseits der Straße dringend Energie benötigen.

Hyundai will darüber hinaus alle Möglichkeiten ausloten, Brennstoffzellensysteme und -technologien auf alle Bereiche des Energiesektors auszuweiten. Wasserstoff könnte demnach als Energieträger bei der Bereitstellung von Strom und Wärme für Gebäude, städtische Energiequellen und Kraftwerke zum Einsatz kommen. Für diesen Zweck will Hyundai eine neue Generation von Brennstoffzellen-Systemen bereitstellen, die einen attraktiven Preis mit einem erhöhten Volumen bei zugleich besserer Haltbarkeit und Leistung kombiniert.

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Fazit

Hyundai wird künftig so konsequent wie kein anderer Autohersteller auf Wasserstoff als Energiequelle setzen. Angedacht sind Autos, Nutzfahrzeuge, die entsprechende Infrastruktur – und vieles mehr. Die Koreaner denken das Thema ganzheitlich und scheinen für alle Anforderungen auf diesem Gebiet gerüstet zu sein. Wenn der Durchbruch beim Wasserstoff gelingt, dann auf diese durchdachte Art. Dennoch geht Hyundai mit dieser Strategie eine riskante Wette ein: Was, wenn sich Wasserstoff doch nicht als Energieträger durchsetzt und die milliardenschweren Investitionen in die Technologie am Ende umsonst gewesen sind?

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