Daimler Strategie Update 2020 Mercedes-Benz
Mercedes Strategie Zukunft Elektro
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Mercedes Modular Architecture (MMA)

Der MEB von Daimler kommt 2024

Mercedes hat auf dem Investoren-Tag eine neue Elektroauto-Architektur für günstigere Fahrzeuge angekündigt. Sie kommt 2024 – wenn auch die SUV-Limousine kommen soll.

Am 6. Oktober 2020 hielt Mercedes einen virtuellen Investoren-Tag ab, auf dem der Vorstand die Zukunftsstrategie des Unternehmens vorgestellt hat. Der Autobauer setzt auf die Strahlkraft seiner vier Marken (AMG, Maybach, G und EQ) und auf den Elektroantrieb (auch beim G-Modell). Bis 2039 soll die Neuwagenflotte von Mercedes CO2-neutral fahren, bis 2025 wollen die Schwaben die Entwicklungsaufwendungen für Verbrennungsmotoren um 40, bis 2030 um 70 Prozent reduzieren.

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Daimler
Mercedes wird sukzessive seine Entwicklungs-Investitionen in Verbrennerantriebe zurückfahren.

Das gesparte Geld brauchen die Entwickler für neue Elektroautos (BEV). 2021 will Mercedes fünf rein elektrische Modelle (und 20 PHEV) im Programm haben. 2025 sollen es schon 10 BEVs und 25 PHEVs sein und ab 2030 soll die Zahl der rein elektrischen Modelle über 20 hinauswachsen, während das PHEV-Angebot aus 25 Modellen ab dann wieder schrumpfen wird.

Mercedes baut E-Autos auf eigenen Architekturen – wie VW

2021 startet mit dem EQS das erste E-Auto auf der "electric first" entwickelten "Electric Vehicle Architecture" (EVA). Das gut fünf Meter lange viertürige Luxus-Coupé spielt, wie die Typbezeichnung vermuten lässt, im Segment der S-Klasse. Auf der EVA entstehen noch ein SUV im GLS- und eine etwas kleinere Limousine im E-Klasse-Format sowie ein entsprechender zweiter SUV. Außerdem kommen auf Basis von Verbrenner-Plattformen aus der MFA II (Modular Front Architecture) noch der EQA (ein elektrischer GLA) und der EQB (ein elektrischer GLB) hinzu.

Aber EVA ist für Modelle ab dem Format der C-Klasse abwärts zu groß und zu teuer, EQA und EQB stehen auf einer Verbrenner-Plattform, nutzen damit die Vorteile des E-Antriebs nur bedingt und sind ungünstiger zu produzieren.

EVA für Luxus-E-Autos, MMA für Volumenmodelle

Mercedes entwickelt daher vor allem für Autos, die in der Verbrennerwelt auf der MFA II (Modular Front Architecture) stehen, die Mercedes Modular Architecture (MMA). Sie wird so etwas wie der Modulare Elektrobaukasten (MEB) von Volkswagen. Als Premium-Hersteller bringt Mercedes den E-Antrieb eher von oben nach unten in die Modellpalette, darum ergibt die frühere Fertigstellung von EVA Sinn. Sie ist für Reichweiten von mehr als 700 Kilometer ausgelegt und für Leistungen bis 500 kW (680 PS).

Mercedes Vision EQXX 2020
Alternative Antriebe

Die MMA für Fahrzeuge bis C-Klasse-Format soll ebenfalls besonders große Reichweiten ermöglichen, aber vor allem beim Schnellladen "Benchmark" sein, wie auch beim (Geräusch-)Komfort. Außerdem verspricht Mercedes, dass das digitale Erlebnis in MMA-Fahrzeugen "state of the art" ist – was zu MBUX passt, das in der A-Klasse debütierte. Am wichtigsten dürfte aber für Mercedes sein, dass man mit äußerst wettbewerbsfähigen Kosten für den elektrischen Antriebsstrang rechnet. Das könnte bedeuten, dass man Lithium-Eisenphosphat-Akkus plant, die in den Präsentationen zum Investorentag ebenfalls auftauchten und die Tesla neuerdings für das Model 3 in China einsetzt, deren Preis in der Folge um rund acht Prozent sank.

Zweigang-Getriebe und 800 Volt?

Für den eigentlichen Antrieb spricht Mercedes allgemein von 800 Volt Spannung und permanent erregten Synchron-Maschinen mit Zwei-Gang-Getriebe – wie beim Porsche Taycan. Ob das auch für die MMA gilt? Zumindest sollen die Motoren in Breite und Leistung skalierbar sein, was eher dafür spricht. Erstaunlich: In der Präsentation war ausdrücklich die Rede davon, dass vorne Platz für einen Verbrenner wäre. Was nichts daran ändere, dass man die MMA "electric first" entwickelt habe, so Mercedes-Entwicklungsvorstand Markus Schäfer. Eine speziell für den E-Antrieb designte Architektur würde einen Verbrennungsmotor womöglich nur noch als Range Extender verwenden – für Märkte, in denen die Ladeinfrastruktur noch zu dünn ausgebaut ist.

Welches MFA-II-Modell ersetzt das erste MMA-Auto?

Und was für ein Modell baut dann als erstes auf der MMA auf? Das wollte Mercedes noch nicht sagen. Nur dass der erste Serieneinsatz der neuen Architektur 2024 sein wird. Dazu passen die Gerüchte um ein neuartiges Fahrzeugkonzept. Sie leiten aus dem anhaltenden SUV-Boom eine Mischung aus Limousine und SUV ab, eine so genannte SUL (Sports Utility Limousine). Sie soll offenbar Limousinen-Kunden bei der Stange halten, die sich täglich von SUV-Fahrern aufs Dach gespuckt fühlen und die das Segment selbst in China immer mehr schrumpfen lassen. Nach dem SUV-Coupé kommt also die SUV-Limousine. Und da sie angeblich im Jahr 2024 fürs Kompaktsegment gedacht ist, passte sie genau zur MMA.

Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury
Politik & Wirtschaft

Aus den Karosserie-Silhouetten über der Skizze der MMA lassen sich Limousinen und kombiförmige SUVs ableiten. Eine SUL ist nicht explizit zu erkennen, aber auch nicht auszuschließen.

Dass die MMA auch SUVs tragen wird, scheint offensichtlich. Zu gefragt ist das Segment, als dass man es nicht auch mit E-Autos besetzen würde, wie ja auch EQA und EQB zeigen. Sie brauchen 2024 noch nicht ersetzt werden. Auch der Modellzyklus der anderen Mitglieder der A-Klasse-Familie, für die Mercedes erst jüngst reichweitenstarke PHEV-Versionen nachgelegt hat, blieben regulär bis 2025 im Programm. Eine Erweiterung des Kompaktangebots um eine SUV-Limousine wirkt daher plausibel. 2025 wird sich zeigen, welche Varianten keine Nachfolger bekommen. Die B-Klasse beispielsweise wird auslaufen, denn einstige Van-Kunden kaufen inzwischen SUVs. Die Limousinen-Kunden könnten einen ähnlichen Weg gehen.

Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury
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Wie eine SUV-Limousine aussehen könnte, hat Mercedes mit dem Concept Car Maybach Ultimate Luxury 2018 gezeigt.

Die C-Klasse als möglicher MMA-Kandidat erscheint 2021 schon neu als Verbrenner mit einer PHEV-Elektro-Reichweite von wohl an die 100 Kilometer. Bei ihr steht 2024 gerade mal die Modellpflege (Mopf) der dann fünften Generation an. Nur ihre Coupé- und Cabrio-Varianten wird sie einbüßen, nicht aber das T-Modell.

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Fazit

Der Schwenk zum Elektroantrieb stellt alle Hersteller vor die Frage: Welche Modelle sollen zuerst elektrisch fahren, welche noch länger als Verbrenner verfügbar sein? Wie VW kann Mercedes allmählich eine Parallel-Palette an E-Auto-Baureihen aufbauen, während BMW seine BEV in bestehende Baureihen integriert. Was da besser ist, ist jetzt schwer zu beurteilen.

Tatsache ist: Auch der Premium-Hersteller Mercedes braucht trotz überschaubarer Stückzahlen zwei Architekturen. Die dritte für besonders kleine Fahrzeuge haben die Schwaben mit Smart an Geely aussortiert. Mercedes selbst baut auf die EVA (2021) und ab 2024 auf die MMA. Welche der ambitionierten Technik-Features (800 Volt, Zwei-Gang-Getriebe) in beiden Verwendung finden, ist aktuell noch genauso wenig absehbar wie die Batterietechnologie. Womöglich kommt in der MMA eine günstigere zum Einsatz als in der EVA.

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