VW ID. Buggy VW

VW ID. Buggy (2022)

Mit 204 PS zurück an den Strand

Auto Salon Genf 2019

In Genf zeigt VW mit dem ID. Buggy, was sich alles auf dem modularen Elektrobaukasten (MEB) umsetzen lässt. Der ist auch offen für Dritthersteller. Die Spaßauto-Studie im ersten Check!

Die Idee, auf Basis der neuen Elektroplattform ein Strandauto zu bauen, ist vor allem mit Blick in die Historie nur konsequent: Schließlich hat der MEB standardmäßig einen Heckmotor wie einst der Käfer. Und: Die Buggys von früher kamen auch nicht aus dem VW-Werk, sondern von Kleinstserienherstellern, die die Käfer-Technik als Unterbau für ihren eigenen „Hut“, also Karosse und Interieur nutzten. Der Ur-Buggy hieß ManX und wurde 1964 von einem gewissen Bruce Meyers vorgestellt (Hier können Sie seine Geschichte nachlesen).

Der neue VW ID. Buggy steht in puncto Coolness-Faktor seinem Vorfahren in Nichts nach. Das weiß auch VW-Chefdesigner Klaus Bischoff und schwärmt: „Der Buggy hat geile Proportionen, große Räder und der Aufbau besteht nur aus zwei Teilen!“ Zwei Teilen? Ja, wie die schmale Fuge auf Höhe der Windschutzscheibe beweist. Darunter liegt die Plattform des MEB mit einer 62 Kilowattstunden großen Batterie, die den Dünenkraxler laut WLTP-Messung bis zu 250 Kilometer weit mit Strom versorgt. Geladen wird der Buggy mittig im Heck unterhalb des noch beleuchteten VW Logos. „Noch“, da es in Deutschland nicht erlaubt ist Logos zu beleuchten. Warum? „Das wäre Werbung“, schmunzelt Klaus Bischoff. Hört sich komisch an, ist aber so.

VW ID. Buggy
VW ID. Buggy
4:27 Min.

204 PS und 310 Newtonmeter – auf Wunsch Allrad

Der Heckmotor leistet 204 PS und ein Drehmoment von 310 Newtonmetern. Auf Wunsch verbaut Volkswagen einen zusätzlichen Antrieb unter der Motorhaube, der dann per elektrischer Kardanwelle aus dem Hecktriebler einen Allradler macht. Nach 7,2 Sekunden soll der Sprint bis Tempo 100 absolviert sein, bei 160 Kilometer pro Stunde ist Schluss. Kontakt zum Untergrund stellen vorn 255/55 R18 und hinten 285/60 R18 von BF Goodrich mit einem Durchmesser von 82 Zentimetern her.

Wer sich nun fragt, ob der VW ID. Buggy in seine Garage passt, dem sei gesagt: wenn ein Polo passt, passt der Buggy auch. Denn mit einer Länge von 4,06 Metern, einer Breite von 1,89 Metern und einer Höhe von 1,46 Metern ist er exakt einen Zentimeter länger und fünf Zentimeter (mit Seitenspiegeln) schmaler als der kleine VW von der Stange. Na gut, die Seitenspiegel werden in der Serienversion, die 2022 kommen könnte, noch ein wenig weiter herausstehen, da in der aktuellen Konfiguration lediglich die fetten Radkästen zu sehen sind. Beim Vergleich des Radstands gewinnt der Buggy mit 2,65 Metern (Polo: 2,55 Meter). Zudem hat der Strandflitzer mit 24 Zentimetern ganze zehn Zentimeter mehr Bodenfreiheit zu bieten.

VW ID. Buggy: Spaßauto für den Strand

VW ID. Buggy
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Kein Dach, keine Türen aber trotzdem viel Spaß

Schon beim ersten Blick auf den neuen Wolfsburger stellt sich die Frage, ob er denn Türen und vielleicht auch ein Dach beziehungsweise Fenster bekommen könnte. Die Antwort lautet „weder noch“. Wozu auch? Das ganze Interieur inklusive der beiden vorderen verschiebbaren Integralsitze ist wetterfest. Pfützenbildung wird durch kleine Wasserabläufe im Sitz und im Fußboden vorgebeugt. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass es eh nicht viel Interieur gibt, das überhaupt nass werden könnte. Da wären das oben und unten leicht abgeflachte und hexagonal geformte Lenkrad mit zwei Drehschaltern an der Seite für die Automatikstufenwahl, das mit dem Play-Zeichen verzierte Strom- und das mit dem Pausenzeichen verzierte Bremspedal, zwei Becherhalter, Musikboxen und eine schmale, per Reißverschluss verschließbare Tasche zwischen den beiden Fußräumen. Der Kofferraumdeckel, der auch zum Sitzen geeignet ist, besteht aus Karbon und soll, wie das gesamte Fahrzeug, per Chipkarte abschließbar sein.

Ein erster Sitzplatzcheck zeigt sofort, dass der Buggy wohl eher typischen Surferfiguren als großgewachsenen Fahrern Platz bieten wird. Bis zu einer Größe von 1,85 Meter könnte es mit der Sicht nach vorn funktionieren. Darüber hinaus bietet sich eine Fliegerbrille an, da zur Not oberhalb der Windschutzscheibe herausgeschaut werden muss. Das geht natürlich nur, wenn nicht gerade das Sonnen- beziehungsweise Regensegel gesetzt ist. Das Segelsetzen selbst wirkt spielend leicht. Auf dem Windschutzscheibenrahmen befindet sich eine Schiene, in die das Segel gezogen wird. Mithilfe zweier Ösen an der B-Säule wird es dann gestrafft und in Form gehalten. Zwei weitere Ösen befinden sich je vorn und hinten. Für den Schutz des Unterbodens sorgt eine Aluminiumplatte.

Fahr elektrisch und hab Spaß

VW Buggy, Seitenansicht

Doch zurück zum Fahrersitz. Den lautlosen Fahrzeugstart begleitet ein freundliches „Hey you“ auf dem volldigitalen Cockpit. Das Lenkrad beherbergt aktuell ein mittig positioniertes VW-Logo und links sowie rechts je zwei berührungsempfindliche Bedienfelder zur Regelung der Lautstärke und zum Wechseln der Lieder beziehungsweise des Kanals. Zum Verstauen von kleineren Gegenständen bietet sich eine offene Ablagefläche dort an, wo normalerweise ein Handschuhfach vermutet wird. Laut Klaus Bischoff gilt beim Buggy vor allem eines: „Fahr elektrisch und hab Spaß!“

Denn mit dem Schwenk auf den Elektroantrieb kommt die Einfachheit zurück, wie sie die Käfertechnik auszeichnete und es Kleinserienherstellern erlaubte, eigene Modelle mit vertretbarem Aufwand zu konzipieren und zu konkurrenzfähigen Preisen zu vermarkten. Elektroautos haben etwa 40 Prozent weniger Teile im Vergleich mit modernen Verbrenner-Autos. Die wurden im Laufe der Entwicklung aufgrund immer strengerer Anforderungen bei Crashtests etwa ständig komplizierter und integrierter konstruiert, was es Kleinserienherstellern nahezu unmöglich macht, sie als technische Basis zu verwenden. Für den Großkonzern VW hingegen ist die Produktion eines Spaßautos wie dem Buggy aufgrund der niedrigen Stückzahlen unrentabel.

VW ID. Buggy
VW
VW Chefdesigner Klaus Bischoff liebt an dem VW ID. Buggy vor allem seine "geilen Proportionen".

Die Karriere des Käfer-Chassis

Alles eben wie 1964, als der Ur-Buggy an den Strand knatterte: So etwa die von Apal aus Belgien oder der GF von Karmann. Aber die Liste der Spaß-Mobile mit VW-Technik ist länger: Vom Käfer-Cabriolet, über Sonder- und Spezialkarosserien von Firmen wie Hebmüller und Rometsch bis hin zu den Buggys gab es jahrzehntelang Sonderlösungen auf Käfer-Basis. Bis in die 80er-Jahre entstanden laut VW weltweit rund 250.000 individuelle Fahrzeuge in Kleinserien und Unikaten. Die elektrische Neuauflage des reinrassigen Buggys verzichtet wie die Vorbilder auf ein festes Dach und konventionelle Türen, freistehende Räder mit Offroad-Reifen und offene Seitenschweller lassen den 2019er-Buggy sogar martialischer aussehen als die Surfer-Mobile der 60er. Während sich die meisten Käfer-Buggys mit 34 bis 53 PS begnügen mussten, kommt der ID. Buggy mit 203 PS daher.„

VW ID. Buggy
VW
Das gesamte Interieur ist wetterfest.

Von der Weitergabe der MEB-Technik an einen Kleinserienhersteller würde VW dennoch profitieren, weil Exoten die neue Technik emotionalisieren würden. Zusätzlich könnte die Verwendung der Technik des MEB außerhalb des VW-Konzerns auch ganz klassischen Herstellern oder gar Konkurrenten eine Kooperationsmöglichkeit aufzeigen: Die Investitionen fallen bei Elektroautos vor allem bei der Entwicklung des Konzepts an, Batterien und Motoren hingegen werden eingekauft. Beides wird umso günstiger, je höher die Stückzahlen, selbst wenn die Weitergabe eines MEB-Fahrgestells nicht so viel erlöst wie die Vermarktung eines kompletten Autos.

Ist der ID.-Buggy Hinweis auf künftige Elektro-Kooperationen?

So gesehen könnte etwa ein Hersteller wie Ford, dessen erstes Elektroauto, das von Anfang an als solches konstruiert wurde, erst für 2022 angekündigt ist, seinen Kunden mit dem MEB erheblich schneller rein elektrische Modelle anbieten, die sich deutlich mehr von VWs unterscheiden würden als bei bisher bekanntem Badge-Engineering. Den Unterschied zwischen Marken und Modellen dürften künftig eher Design, Interieur, Bedienkonzept und Services ausmachen, denn die technischen Eigenschaften des Elektroautos nivellieren Unterschiede beim Fahren selbst. Für VW könnte die Weitergabe der Technik durch die entsprechende Stückzahlsteigerung profitabel sein. Die Mitte Januar skizzierte Kooperation zwischen Ford und VW bei kleinen Pick-ups im Format des Amarok könnte ein guter Anfang sein.

Fazit

Mit dem ID. Buggy versucht Volkswagen, seiner Elektro-Offensive einen ordentlichen Schuss Coolness mitzugeben und schlägt geschickt die Brücke zum legendären Käfer. Das macht Sinn, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bis 2022 noch lange hin ist.

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