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So wird das E-Auto geladen

Steckertypen, Ladesäulen, Wallboxen etc. So wird das E-Auto geladen

Das Tanken von Strom ist beim E-Auto fast schon eine Wissenschaft. Hier haben wir die wichtigsten Informationen zu diesem Thema zusammengefasst – vom technischen Grundwissen über gesetzliche Vorgaben bis zu den Kosten.

Das Ladenetz in Deutschland wächst. Laut Bundesnetzagentur gibt es mittlerweile mehr als 41.000 Ladepunkte. Dass das nicht reicht, erklärt sich von selbst, denn die Anzahl der neu zugelassenen E-Autos steigt immer stärker an. Dadurch ist auch die staatliche Förderung von Wallboxen mit einem Zuschuss von 900 Euro sehr gefragt. Momentan ist der Fördertopf allerdings leer. Dass er von der neuen Regierung wieder gefüllt wird, ist jedoch anzunehmen. Zusätzlich soll das im März 2021 in Kraft getretene Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz den privaten und öffentlichen Ausbau beschleunigen. Bei neuen Wohngebäuden mit mehr als fünf Stellplätzen muss etwa jeder Parkplatz mit den nötigen Leitungen ausgestattet werden. Zudem wurde in der neuen Ladesäulenverordnung beschlossen, dass das Bezahlen einfacher werden soll. Autofahrer zahlen daher ab dem 1. Juli 2023 an jeder neu errichteten Säule per Debit- oder Kreditkarte.

Diese Lademöglichkeiten gibt es

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Haushaltssteckdose: Zwar gehört das passende Kabel zur Standardausrüstung der E-Autos, es taugt aber nur als Notlösung. Denn nicht jede Steckdose ist für die Dauerbelastung ausgelegt, im schlimmsten Fall droht bei nicht gesicherten Anschlussbuchsen ein Schwelbrand. Außerdem kann das Laden bei großen Batterien auch mal länger als einen Tag dauern.

Wallbox: Es gibt sie in verschiedenen Leistungsstufen, meist von 11 bis 22 kW, und sie werden falls möglich an Starkstrom (400 Volt) angeschlossen. Für zu Hause reichen 11-kW-Wallboxen aus. Sie sind deutlich günstiger als die 22-kW-Systeme und werden – im Gegensatz zu den leistungsstärkeren – staatlich gefördert. Sobald sich mehrere Autos einen Ladepunkt teilen, bietet sich eine intelligente Wallbox an. Technisch gleicht diese beim Laden der einfachen Variante, hier meldet sich aber jeder Nutzer etwa über RFID-Karten separat an, sodass der Energieverbrauch individuell ausgewertet und abgerechnet werden kann.

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AC-Ladesäule: Solche öffentlichen Ladepunkte bieten meist dreiphasigen Wechselstrom und funktionieren technisch wie die heimischen Wallboxen, können aber Ladeleistungen von bis zu 43 kW bereitstellen. Laut europäischer Ladesäulenverordnung (LSV) müssen sie mit einem Typ-2-Stecker ausgestattet sein. Ein Kabel ist allerdings nicht immer vorhanden, sondern muss ggf. vom Nutzer mitgebracht werden. An einer Ladesäule sind in der Regel zwei Ladepunkte vorhanden.

DC-Schnellladesäule: Da hier direkt Gleichstrom in den Akku fließt, treten geringere Verluste auf. Außerdem sind viel höhere Ladeleistungen mit bis zu 300 kW möglich. Da die Kabel gekühlt werden müssen, sind sie fest mit der Ladesäule verbunden. Aktuell sind – mit Ausnahme der Tesla Super- charger – verbreitet 50 kW üblich. Der Bund finanziert nun den Ausbau von 1000 Schnell- lade-Hubs mit mehr als 10.000 Ladepunkten mit mindestens 200 kW Ladeleistung an Autobahnen und in Innenstädten, um das Schnellladenetz zügig auszubauen.

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Steckertypen im Überblick

Typ 1: Dieser Stecker ist vor allem in den USA und Asien verbreitet. In Europa findet man ihn heute kaum am Auto und noch seltener an Ladesäulen. Mit drei Leitern auf einer Phase sind beim Laden in Deutschland nur 7,4 kW Wechselstrom drin.

Schuko: Das Kurzwort für "Schutzkontakt" meint die konventionelle Haushaltssteckdose. Da sie nicht mit dem Auto kommunizieren kann, ist ein ICCB-Kabel (In-Cable Control Box) fürs Mode-2-Laden nötig. Dauerhaft sind 2,3 kW drin.

CEE32 und CEE16 sind die gängigen roten Drehstrom-Steckdosen mit 32 oder 16 Ampere bei 400 Volt. Damit sind sie quasi eine dreifache Schuko-Steckdose. Mit ihnen kann über ein Mode-2-Kabel (ICCB) dreiphasig im Wechselstromnetz mit 22 oder 11 kW geladen werden.

CHAdeMO: DC-Schnellladen mit bis zu 150 kW ist mit dem japanischen System möglich. In Deutschland leisten die meisten CHAdeMO-Lader aber nur 50 kW und werden nach und nach vom CCS-Standard abgelöst.

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Typ 2 ist der Standard bei den meisten Elektroautos in Deutschland. Mit einer Leistung von bis zu 43 kW ist er fast so schnell wie ältere Schnellladestationen – aber nur, wenn der Bordlader im Auto stark genug ist. Oft sind nur 11 kW möglich.

Das Combined Charging System, kurz CCS, ergänzt den Typ-2-Stecker um zwei Kontakte, durch die bis zu 350 kW Ladeleistung im Gleichstromnetz (DC) denkbar sind. Die meisten Lader kommen aber nur auf 150 kW.

Typ 3In: Sachen Ladeleistung und Technik gleicht der Typ-3-Stecker mit seinen bis zu drei Phasen dem Typ 2. Die Besonderheit liegt in seiner integrierten Schutzklappe. Verbreitet ist das System allerdings nur in Frankreich.

CEE blau: Anders als beim Schuko ist mit dem sogenannten Camping- Stecker einphasiges Laden im 230-Volt-Netz mit einer Dauerbelastung von 3,7 kW möglich. Ein ICCB-Kabel ist auch hier notwendig.

Grundwissen zur Ladetechnik

Da der Akku nur Gleichstrom (DC) aufnehmen kann, muss der Wechselstrom (AC) aus dem Netz vorher umgewandelt werden. Das übernimmt entweder das On-Board-Ladegerät im Auto, dann spricht man von AC-Laden, oder ein Gleichrichter in der Ladestation, dann handelt es sich um DC-Laden. Grundsätzlich gibt es beim Laden dann zwei limitierende Faktoren: die maximale Ladeleistung, die die Ladestation abgibt, sowie diejenige, die das E-Auto abhängig vom internen Ladegerät abrufen kann. Beim AC-Laden lässt sich die verfügbare Ladeleistung anhand der vorhandenen Netzspannung, der Stromstärke sowie anhand dessen bestimmen, ob ein- oder dreiphasig geladen wird.

Lässt der On-Board-Charger nur einphasiges Laden zu, liegt die maximale Ladeleistung bei 7,4 kW. Wer nun die Ladedauer für sein Fahrzeug grob berechnen möchte, teilt die Batteriekapazität durch die Ladeleistung. Allerdings rufen E-Autos die maximal mögliche Ladeleistung nicht konstant ab, sondern richten sie nach Ladezustand und Temperatur der Batterie aus, um diese zu schonen. In der Regel wird die Leistung deutlich gedrosselt, sobald der Akku zu 80 Prozent geladen ist. Zudem treten immer Ladeverluste auf, weshalb die tatsächlich geladene Energiemenge über der angegebenen Kapazität liegt.

Strom tanken beim Einkauf

Wer E-Auto fährt, der integriert das Laden bestenfalls in seinen Alltag. Eine Möglichkeit dafür bieten Ladestationen beim Supermarkt.

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Hans-Dieter Seufert
Discounter wie Lidl tragen mit ihren Lademöglichkeiten zum Ausbau der Lade-Infrastruktur bei.
Welche Läden bieten Lademöglichkeiten für E-Autos während des Einkaufs an?

Immer mehr Supermarktketten tragen mit ihrem Angebot dazu bei, die Lade-Infrastruktur zusätzlich zu privaten und öffentlichen Ladepunkten zu erweitern, und werben auf ihren Websites sogar dafür. Außer bei Discountern wie Aldi Süd, Lidl oder Kaufland finden sich auch bei größeren Konzernen an immer mehr Filialen Ladepunkte, etwa bei der Rewe- Gruppe mit ihren Märkten Rewe und Penny. Aber auch Ikea oder Baumärkte wie Hornbach und Hellweg sowie die Fast-Food-Ketten McDonald’s und Burger King sind mit von der Partie.

Wie lange kann man laden, und wie viel Leistung bieten die Ladesäulen?

Was die Leistung betrifft, kommt das nicht nur auf den Supermarkt an, sondern auch auf die Gegend, in der sich die Läden befinden. Aldi Süd zum Beispiel setzt vor allem in städtischen Gebieten und in Autobahnnähe auf Schnellladestationen mit bis zu 150 kW. Verschafft man sich einen Überblick, zeigt sich jedoch, dass der Trend bei den meisten zu den höheren Ladeleistungen geht. Die Supermärkte bieten das Laden überwiegend nur während ihrer Öffnungszeiten und mit einer begrenzten Ladedauer an – meist eine Stunde. Wichtig ist auch zu wissen, dass sich der Ladevorgang bei manchen Einzelhändlern nur mit einer speziellen Lade-App starten lässt. Das ist etwa bei Lidl und Kaufland der Fall.

Was kostet mich das Laden dort, und wie finde ich heraus, wo es Ladesäulen gibt?

Bisher lassen viele der Ketten noch kostenfreies Laden zu. Künftig könnte sich das aber auch ändern. Wo Geschäfte mit Energiekonzernen wie der EnBW zusammenarbeiten, bezahlt man jetzt schon an der Säule. Diese Ladepunkte sind auch in den meisten Lade-Apps zu finden. Ansonsten bieten die Homepages der Händler einen Überblick.

Vorschriften zur Wallbox

Ob im Einfamilienhaus, in der Sammelgarage einer Eigentümergemeinschaft oder als Mieter – welche Regularien gelten, erfahren Sie hier.

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Wer zu Hause eine Wallbox installieren möchte, muss verschiedene Regularien beachten.

Was ist bei einer privaten Wallbox zu beachten? Muss sie genehmigt werden?

Auf dem eigenen Grundstück dürfen Sie die Ladestation im Grunde überall installieren. Sie sollten aber den Netzbetreiber darüber informieren, ab einer Ladeleistung von 11 kW muss dieser sogar zustimmen. Denn es muss geprüft werden, ob die Hausanschlusssicherung den Anforderungen genügt. Zudem kann der Netzbetreiber die Wallbox vorübergehend ablehnen, wenn das Stromnetz oder ein Trafo an seine Leistungsgrenze gelangt und für die steigenden Anforderungen aufgerüstet werden muss.

Und wie sieht es in Sammelgaragen aus oder wenn ich zur Miete wohne?

Nicht erlaubt sind fest installierte Lademöglichkeiten auf öffentlichen Stellplätzen. Mieter haben seit Ende 2020 einen Anspruch darauf, dass der Vermieter den Einbau einer Ladestation gestattet. Allerdings müssen Mieter für die Kosten aufkommen. Auch das Wohnungseigentumsgesetz wurde angepasst. Hier reicht nun eine Mehrheitsentscheidung der Miteigentümer. Weiterhin gilt: Es soll niemand benachteiligt werden, und es muss klare technische Richtlinien geben. Denn die Hausanschlüsse müssen eventuell für die steigenden Leistungsanfragen aufgerüstet werden, wodurch mitunter Kosten für die Hausgemeinschaft entstehen. Bei mehreren E-Autos in einer Gemeinschaft kann zudem ein Lastmanagement-System sinnvoll sein, um das Laden zu regeln.

Darf ich auch meinen Dienstwagen über die private Wallbox laden?

Ja, nur sollten Sie mit dem Arbeitgeber oder der Leasingfirma klären, ob und wie Sie die Stromkosten abrechnen können. Am einfachsten geht das mit einer intelligenten Wallbox, an der mit der RFID-Ladekarte des Arbeitgebers geladen werden kann. Aus steuerrechtlicher Sicht ist die Sache recht einfach: Sie dürfen monatliche Pauschalen von 15 bis 70 Euro ansetzen, die steuerbefreit als Auslagen ersetzt werden. Die Höhe hängt davon ab, ob Sie ein Hybrid- oder E-Auto fahren sowie ob Sie beim Arbeitgeber Strom laden können – was Sie steuerfrei dürfen.

Was kostet das Laden?

Wer sein E-Auto viel zu Hause lädt, sollte seinen Stromtarif im Blick behalten. Denn bei einer Jahresfahrleistung von 10.000 Kilometern und einem durchschnittlichen Energieverbrauch von 20 kWh pro 100 km steigt der jährliche Verbrauch um 2.000 kWh. Bei einem Strompreis von rund 30 ct/kWh entspricht das zusätzlichen 600 Euro. Regelmäßig Preise zu vergleichen und den Tarif zu wechseln, spart auch mal mehr als 100 Euro pro Jahr. Eine Anfrage bei den örtlichen Stadtwerken oder beim Regionalversorger lohnt sich immer. Diese bieten oft spezielle Autostrom-Tarife, die Ökostrom beinhalten.

Ähnliche Angebote gibt es auch von Autoherstellern. Preislich nicht zu unterschätzen ist eine Fotovoltaik-Anlage, die bei Neubauten bald auch verbindlich zu installieren sein wird. Rechnet man mit einem Jahresstromverbrauch von 7.000 kWh, ergibt sich hier nach 25 Jahren eine Ersparnis von mehr als 15.500 Euro. Was das öffentliche Laden angeht, gibt Ihnen unser Lade-App-Vergleich einen Kosteneinblick.

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