Microlino ab Herbst 2019 in Deutschland

Produktion verlagert, Start verzögert

Microlino (2018) Foto: Microlino

Der Microlino kommt später: im April 2019 soll das erste Auto in Zürich ausgeliefert werden, ab Herbst 2019 startet der Elektro-Kleinstwagen dann in München. Wir saßen schon drin.

Die Schweizer Firma Micro, Produzent von Tretrollern für Erwachsene, will Anfang 2019 mit der Produktion eines Elektro-Kleinwagens beginnen. Der Microlino ähnelt optisch einer BMW Isetta. Jetzt hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass der Microlino nicht bei Tazzari in Italien, sondern ab April 2019 bei Artega in Deutschland gebaut wird. Artega investiert in die Produktion etwa drei Millionen Euro, 50 Arbeitsplätze sollen entstehen. Pro Jahr sollen in Delbrück jährlich 8.000 Fahrzeuge gefertigt werden.

Produktiosstart verzögert sich

Microlino (2018) Foto: Microlino
Im Dezember gab Microlino bekannt, dass Artega die Produktion von Tazzari übernimmt. Von links: Marco Batillani (Tazzari), Erik Tazzari (Tazzari), Klaus Frers (Artega), Wim Ouboter (Microlino), Oliver Ouboter (Microlino), Merlin Ouboter (Microlino).

Die maximale Kapazität wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2020 erreicht, so dass 2021 das erste Jahr sein wird, in dem tatsächlich 8.000 Microlino aus der Halle rollen. Der Umzug der Produktion von Italien nach Deutschland und die Übergabe von Tazzari zu Artega hätten den Start der Produktion verzögert, wie Microlino-COO Oliver Ouboter erklärt. Nach der ursprünglichen Planung hätte die Produktion Anfang 2018 beginnen sollen, dann solten im Januar 2019 die ersten Microlino in Delbrück entstehen. Jetzt geht es um „letzte Anpassungen am Fahrzeug“, sagt Ouboter und ergänzt: „Die letzten paar Prozent sind die schwersten.“ Die Nachfrage ist da: Bisher gibt es über 13.000 Reservierungen.

Einstiegspreis 12.000 Euro

Microlino (2018) Foto: Microlino
Im April 2019 soll der erste Microlino ausgeliefert werden.

Den Einstiegspreis gibt Microlino mit „rund 12.000 Euro“ an. Zunächst wird das Kleinstauto jedoch ab April 2019 in Zürich verkauft, dort wird es einen eigenen Showroom geben. Den Service übernimmt in der Schweiz an 75 Standorten Bosch – das ist auch für Deutschland geplant. Den ersten deutschen Showromm soll es in der neuen Motorworld in München geben. Anschließend sollen mit Hamburg und Berlin weitere Städte dazukommen. Das Vertriebskonzept vergleicht Ouboter mit Tesla: Der Kunde kann zu einem Probefahrttermin in den Store kommen und offene Fragen klären, kann das Auto dann aber zuhause online konfigurieren. Jeder Microlino wird einen Micro-Scooter im Kofferraum haben. Die ersten 500 Autos werden einer nummerierten „Pionier-Edition“ angehören, die besondere Design-Features und eine Sonder-Edition des Scooters enthält.

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Prototyp 2016 in Genf

Ganz neu ist der Microlino nicht, der Scooter- und Kickboard-Hersteller-Micro hatte 2016 einen Prototypen auf dem Genfer Autosalon gezeigt und nach eigenen Angaben 500 Reservierungen erhalten. Bei der Entwicklung kooperierte Micro mit der Fachhochschule ZHAW und Designwerk. Zunächst hatte Micro sogar eine alte Isetta elektrifiziert.

450 kg leichter Zweisitzer

Der Microlino ist 2,40 Meter lang und wiegt ohne Batterie 450 Kilogramm. Er ist als L7e eingestuft und muss darum keine Crashtests bestehen. Laut Hersteller besteht er trotzdem einen Crashtest mit 50 km/h. Anders als die Original-Isetta hat der Microlino eine Heckklappe. Dahinter ist Platz für einen 300 Liter großen Kofferraum. Der Zweisitzer hat einen 15 kW starken Motor mit 110 Nm Drehmoment. In fünf Sekunden soll er aus dem Stand auf 50 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 90 km/h begrenzt.

120 bis 215 km Reichweite

Zwei Batteriegrößen gibt es: Die kleine Variante mit 8 kWh kommt 120 Kilometer weit und lädt mit Typ-2-Stecker in einer Stunde von null auf 80 Prozent. Mit dem größeren 14,4-kWh-Akku kommt der Microlino bis zu 215 km weit. Je nach Anschluss lädt der Akku in zwei bis sechs Stunden von leer auf 80 Prozent.

Sitzprobe: Platz für zwei Personen

Der Einstieg in den zweisitzigen Microlino gelingt durch die weit öffnende Tür an der Front überraschend problemlos. So, als ob es ganz normal und alltäglich war, ein Auto von vorne zu entern. In der modernen Kugel kauert selbst der 1,92 Meter große Autor dieser Zeilen einigermaßen kommod, zumindest Kurzstrecken lassen sich auch zu zweit auf der überraschend bequemen Sitzbank abreißen. Die wenigen Bedienelemente sind in der Fronttür eingelassen, die Pedale stehend aufgrund des engen Baumraums aber für große Menschen recht nah. Stark angewinkelte Knie sind die Folge.

300 Liter Kofferraumvolumen

Hier kommt einem dann auch in den Sinn, dass für die Klasse der Leichtkraftfahrzeuge, zu denen u.a. auch der Renault Twizy zählt, weniger strenge Crashvorschriften gelten. In den Kofferraum hinter der Sitzbank sollen immerhin 300 Liter Gepäck passen, genug für einen Kurztrip oder den Einkauf im Supermarkt. Das große Faltdach lässt viel Luft und Licht in den Innenraum und die Übersicht ist aufgrund der großen Glasflächen phänomenal. Wir wären bereit für eine Probefahrt, liebe Schweizer Elektroautobauer!

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