Stellantis richtet seine künftige Fahrzeugtechnik neu aus. Das hat der Konzern im Umfeld zum Investor Day am 21. Mai 2026 bekanntgegeben. Mit der für 2027 angekündigten Plattform STLA One will der Konzern mehrere bisher getrennte Architekturen in einem einzigen modularen System zusammenführen. Die neue Basis soll Fahrzeuge der Segmente B, C und D unterstützen und dabei unterschiedliche Antriebsarten aufnehmen, vom Elektroauto bis zu Hybrid- und Verbrennervarianten.
Eine Plattform für verschiedene Segmente
Die Einteilung in Segmente beschreibt die Fahrzeuggröße. Das B-Segment umfasst Kleinwagen und kleine Crossover wie Opel Corsa oder Peugeot 208. Im C-Segment liegen typische Kompaktmodelle wie Opel Astra oder Peugeot 308. Das D-Segment steht für größere Mittelklassefahrzeuge, darunter SUV oder Limousinen oberhalb der Kompaktklasse. Mit STLA One deckt Stellantis damit einen Großteil des europäischen Geschäfts ab.
Nach Angaben des Konzerns soll die neue Architektur fünf bisherige Plattformen ersetzen oder zusammenführen. Bislang nutzt Stellantis mehrere technische Plattformen parallel. Dazu gehören die kleinere Smart-Car-Plattform für günstige Einstiegsmodelle, die CMP-Architektur für Kleinwagen und kompakte Elektroautos sowie die größeren STLA-Plattformen Medium, Large und Frame.
STLA One verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Statt separater Plattformen für verschiedene Fahrzeuggrößen und Antriebsarten setzt Stellantis auf ein stärker vereinheitlichtes Baukastensystem. Die Architektur soll von Beginn an modular aufgebaut sein. Achsen, Batterien, Softwaremodule und elektronische Schnittstellen lassen sich dadurch in unterschiedlichen Fahrzeugtypen wiederverwenden. Laut Stellantis sollen bis zu 70 Prozent der Komponenten auf globaler Ebene identisch nutzbar sein.
Welche Opel-Modelle sind betroffen?
Für Opel könnte das erhebliche Auswirkungen auf das künftige Modellprogramm haben. Wie Alfa Romeo und Citroën wird die deutsche Marke künftig im Konzern als "Regional-Marke" geführt. Wahrscheinliche Kandidaten für die Umstellung auf STLA One wären künftige Generationen von Corsa, Mokka und Astra. Auch ein Nachfolger des Grandland dürfte auf der neuen Architektur entstehen. Damit würden Kleinwagen, Kompaktmodelle und Mittelklasse-SUV technisch stärker zusammenrücken als bisher. Gleichzeitig könnte Stellantis Entwicklungsaufwand und Produktionskosten reduzieren.
Technisch setzt STLA One auf mehrere neue Elemente. Erstmals soll die Plattform vollständig für die konzernweite Softwarearchitektur STLA Brain vorbereitet sein. Diese zentrale Elektronikstruktur soll Over-the-Air-Updates und neue digitale Funktionen ermöglichen. Ergänzt wird sie durch das Infotainmentsystem STLA SmartCockpit. Außerdem plant Stellantis die Integration von Steer-by-Wire-Technik. Dabei entfällt die klassische mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderachse. Lenkbefehle werden elektronisch übertragen, ähnlich wie bei modernen Flugzeugen.
Neue Batterietechnik
Auch bei den Batterien für die Elektroautos der neuen Plattform verfolgt der Konzern eine neue Strategie. STLA One soll verstärkt Lithium-Eisenphosphat-Batterien nutzen. Diese sogenannten LFP-Zellen gelten als günstiger und benötigen weniger kritische Rohstoffe als klassische Lithium-Ionen-Akkus. Zusätzlich plant Stellantis eine sogenannte "Cell-to-Body"-Integration. Dabei wird die Batterie direkt in die Fahrzeugstruktur eingebunden. Das spart Bauteile, reduziert Gewicht und verbessert die Raumausnutzung.
Die Plattform ist zudem für 800-Volt-Technik vorbereitet. Gegenüber heutigen 400-Volt-Systemen ermöglicht dies höhere Ladeleistungen und kürzere Ladezeiten. Bislang kommt diese Technik vor allem bei teureren Elektroautos zum Einsatz. Aktuell hat Stellantis noch kein Elektroauto mit 800-Volt-Technik auf dem Markt. Mit STLA One könnte sie mittelfristig auch in günstigeren Fahrzeugklassen innerhalb des Stellantis-Konzerns Einzug halten.
Bis 2035 will Stellantis mehr als zwei Millionen Fahrzeuge pro Jahr auf Basis von STLA One produzieren. Die Architektur soll dabei über 30 verschiedene Modelle verschiedener Konzernmarken unterstützen.












