Racechip-Hyundai i30 N im Test

Wie fährt der getunte Kompaktsportler mit 320 PS?

Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Foto: Jonas Greiner 13 Bilder

Tuner Racechip greift sich den Hyundai i30 N und macht aus dem Kompaktsportwagen eine Drehmomentschleuder. Wie fährt sich der getunte Kompakte mit 320 PS und 524 Newtonmeter.

Eigentlich heißen die Gegner des südkoreanischen Kompaktsportwagens VW Golf GTI, Renault Mégane R.S. und Seat Leon Cupra. Hondas Civic Type R war in unserem Test (sport auto 3/2018) noch eine Nummer zu schnell für den schnellen Hyundai i30 N. Um genau zu sein, trennten i30 und Type R 2,4 Sekunden auf dem 2,6 Kilometer langen Kleinen Kurs von Hockenheim.

0-100 km/h: Tuning so schnell wie Serie

Mit dem Upgrade-Paket von Tuner Racechip gleicht er bei der Leistung aus: 320 PS zieht der Civic aus seinem Vierzylinder-Turbo, genauso viel der racegechipte i30 N mit HJS-Downpipe. Im Vergleich zur Serienversion entspricht das 45 PS mehr. Wie wirkt sich das aus? Nach dem Sprint von 0 auf 100 km/h herrscht leichte Ernüchterung. Das Messgerät spuckt 6,4 Sekunden aus – so schnell ist er auch, wenn wir ihn im Serientrimm fahren.

Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Foto: Jonas Greiner
Über eine App lässt sich die Leistung von 275 auf 320 PS erhöhen. Das Drehmoment steigt von 378 auf 524 Newtonmeter.

Es ist nämlich so: Steigt man ein, wirft der Vierzylinder wie gewohnt 275 PS und 378 Newtonmeter per Overboost auf die Vorderachse. Erst über eine App geht mehr. Runterladen, über Bluetooth das Handy mit dem Fahrzeug connecten, Seriennummer und Pin eingeben. Dann kann man wählen: entweder direkt per Knopfdruck mehr Leistung aus dem Turbo winden oder einen Countdown-Timer einstellen, um den Zweiliter erst einmal warm zu fahren – wie viele Minuten, bestimmt man selbst. Das Chiptuning kostet 749 Euro. Für die Downpipe sind 1.654 Euro fällig.

Für diejenigen, denen das Handy inzwischen ganz natürlich an die Handfläche gewachsen ist, ist das genau das Richtige. Die Oldschooler hingegen nervt das Rumgefummel schon mal. Warum nicht beides? Eine App für die Handy-Fraktion und ein Knopf im Cockpit für den Rest?

Mehr Kick dank 524 Newtonmeter

Das Problem bei der Beschleunigung ist die Elektronik. Sie dreht die Leistung im ersten und zweiten Gang ab. Die Regeleingriffe erfolgen sowohl im Serien- als auch im Tuning-Trimm. Im letzten Fall allerdings härter, die Mehrleistung verpufft etwas. Bis zur 200er-Marke wirkt sich der Leistungszuwachs hingegen aus. Der Racechip-Hyundai i30 N erreicht sie nach 23,5 Sekunden – 1,7 Sekunden schneller als im Serientrimm. Vergleichen wir das mit besagtem Type R: Hondas Kompaktsportler fegte in 5,8 Sekunden auf Landstraßentempo. Die Tachonadel überflügelte die 200-km/h-Marke nach 19,4 Sekunden. Allerdings begünstigten ihn kühle Temperaturen von sieben Grad. Der Racechip-Hyundai kämpfte mit einer Lufttemperatur von 28 Grad. Bei ähnlicheren Außenbedingungen schrumpft Racechips Rückstand auf unter drei Sekunden. Der 1441 Kilogramm schwere Racechip i30 wiegt zwar über 30 Kilo mehr als der Civic, allerdings hat er auf dem Papier deutlich mehr Drehmoment: 524 zu 400 Newtonmeter. Umso mehr schade, dass die Elektronik beim Anfahren in unteren Drehzahlbereichen so reinregelt. Wir vermuten zum Schutz der Bauteile.

Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Foto: Jonas Greiner
Aus niedrigen Drehzahlregionen schiebt der getunte Fronttriebler in derselben Gangstufe wuchtiger an, baut schneller Tempo auf.

Das füllige Drehmoment, das in voller Gänze bei 2.425/min anliegt, merkt man in der Elastizitätsmessung. Aus niedrigen Drehzahlregionen schiebt der getunte Fronttriebler in derselben Gangstufe wuchtiger an, baut schneller Tempo auf. Sprich: Das nutzt auf der Autobahn. Im vierten Gang von sechs Gängen holt der i30 mit Tuning 1,5 Sekunden gegenüber der Serie von 80 auf 160 km/h heraus. Im fünften Gang sind es 2,2 und im sechsten Gang 3,3 Sekunden. Dass der Racechip-i30 im unteren und mittleren Drehzahlbereich in derselben Schaltstufe ordentlich kickt, erkennt man auch im Vergleich zum Type R. 6. Gang: 13,2 zu 14,8 s für den Hyundai. Die Höchstgeschwindigkeit bleibt bei 250 km/h.

Gewaltiger Sound für Vierzylinder

Das Ansprechverhalten des Gaspedals lässt sich in sieben Stufen regeln. Am besten Bergauffahren und am Rädchen drehen. Ja, man kann das Gaspedal-Kennfeld (XLR Gaspedaltuning für 229 Euro) sowohl über eine App als auch über ein Rädchen in der Mittelkonsole verändern. Man spürt, wie sich das Gaspedal vom etwas labbrigen Eco+ bis zum bissigen Race+ immer stärker mit dem Motor verdrahtet. Die Stufen passen gut zur Lenkung, die ihre Haltekräfte vom Normalmodus bis hin zum sportlichsten N-Modus verstärkt. Der Sound ist durch die Downpipe noch gewaltiger: Der Vierzylinder rotzt beim Schaltvorgang aus höheren Drehzahlen gewaltig durch die Abgasanlage, knallt und frözelt bei Gaswegnahme. Wirklich fein. Mit den kurzen Eibach-Federn für 805 Euro hoppelt der getunte i30 über Autobahnwellen, liegt aber satt auf der Straße. Macht er Spaß? Sehr. Solange man nicht hinten sitzt. Dann nämlich schütteln einen Bodenwellen richtig durch.

Für die Optik gibt es ein paar Sponsoren-Tattoos und ein paar firmeneigene Sticker. Die Folierung kostet 1.500 Euro, die 19-Zoll-Räder Typ O.Z. Leggera zusammen mit den Reifen Marke Michelin Pilot Sport 4 S gute 2.300 Euro. Auf Anbauteile für die Karosserie und Neues für den Innenraum verzichtet Racechip. Im Test zeigte sich das Tuning-Paket als verlässliche Größe. Nur einmal hatte der i30 N leichten Schluckauf. Rechts abbiegen, beschleunigen, bis es zwischen 4.000 und 5.000/min kurz hakt. Kann passieren.

Fazit

Der Serien-i30 N ist nicht der schnellste Kompaktsportwagen auf der Rennstrecke. Er ist nicht der schnellste Sprinter. Dafür aber, finde ich, ist das Gesamtpaket wirklich ein ausgesprochen rundes. Leistung, Kurvendynamik, Klang: Das passt wunderbar zusammen. Für 7.270 Euro pusht Tuner Racechip den Vierzylinder-Turbo, verlegt neue Feder, schnallt einen anderen Radsatz drauf und foliert den i30 N. Wer im Serienauto bei niedrigen Drehzahlen etwas Punch vermisst, wird mit dem Chiptuning bedient. Untertourig kickt er stärker. Ansonsten ist man bereits mit dem Serien-i30 N gut versorgt. Das Gaspedal-Tuning ist eher eine Spielerei.

Technische Daten
Racechip i30N Performance N Performance
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4335 x 1795 x 1451 mm
KofferraumvolumenVDA 395 bis 1301 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 235 kW / 320 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,4 s
Verbrauch 7,1 l/100 km
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