Seat Leon ST, Toyota Corolla Touring Sports, Exterieur Achim Hartmann
Seat Leon ST, Toyota Corolla Touring Sports, Exterieur
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Seat Leon ST, Exterieur
Seat Leon ST, Exterieur 34 Bilder

Seat Leon ST 2.0 FR, Toyota Corolla TS 2.0 Hybrid

Otto gegen Hybrid

Toyota schickt den neuen Corolla Kombi zum ersten Vergleichstest als 2.0 Club mit 180 PS starkem Hybridantrieb. Antreten muss er gegen den bewährten Seat Leon ST FR mit 190-PS-Ottomotor.

Kompakte Kombis riechen nach Vernunft, mit Hybridantrieb sowieso, das wissen sie schon bei Toyota. Deshalb gibt es den Auris-Nachfolger Corolla erstmals mit einer zweiten, deutlich stärkeren Hybridvariante. Als Touring Sports 2.0 Hybrid Club mit einer Systemleistung von 180 PS kostet er in etwa so viel wie ein Seat Leon ST in der sportlichen FR-Variante mit dem 190 PS starken Zweiliter-Turbo. Deshalb die Frage: Welcher der beiden bietet das bessere Paket aus Spaß und Vernunft?

Fangen wir mit den Kombi-Eigenschaften an. 581 Liter Gepäckraum bietet der Toyota, sechs Liter mehr der Seat. Verstellbare Kofferraumböden gibt es hier wie dort, der Leon hat dazu eine beidseitig bedienbare Durchlade. Der Corolla kontert mit etwas größerem Maximalvolumen und einem Sicherheitstrennnetz, das zur Club-Ausstattung gehört; Montage-Ösen haben beide Autos hinter den Vorder- und Rücksitzen. Im Fond sind die Platzverhältnisse fast identisch: Sobald die Fahrersitze auf unsere Testpuppe Twiggy eingestellt sind, bleiben auf beiden Rückbänken 73 Zentimeter Beinfreiheit übrig. Durch die ziemlich hoch positionierte Bank ist die Kopffreiheit im Toyota spürbar geringer, aber noch ausreichend.

Dementsprechend lautet das erste Fazit, dass der zehn Zentimeter kürzere Leon die effizientere Raumausnutzung bietet. Allerdings muss nur im Corolla Raum für Hybridkomponenten reserviert werden. Das Batteriepaket ist vor der Mehrlenker-Hinterachse über dem 43-Liter-Benzintank untergebracht. Vorne am Verbrenner sitzen zwei Elektromotoren mit Generatorfunktion, die sich mit dem Planetengetriebe ein Gehäuse teilen.

E-Antrieb limitiert Vmax

Toyota Corolla Touring Sports, Exterieur
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Insgesamt wirkt das Hybrid-System träger als der Antrieb des Spaniers. So braucht er auf 100 km/h schon 1,6 Sekunden länger, auf 180 km/h gar 9 Sekunden länger als dieser.

Der komplexe Antriebsstrang bedingt zum Schutz der maximal 80 Kilowatt leistenden Elektroeinheit eine auf 180 km/h limitierte Höchstgeschwindigkeit, denn bei dem Tempo drehen die E-Motoren schon rund 13.000/min. Der 153 PS starke Vierzylinder liefert ab 4.400 Touren für einen Zweiliter-Saugmotor solide 190 Nm. Die Systemleistung beträgt 180 PS, also nur 10 PS weniger, als der gleich große Turbomotor im Leon leistet. Ab 1.500/min liegen dort saftige 320 Newtonmeter an, die für einen aufgeladenen Motor schön zackig abrufbar sind.

Unter dem Strich steht beim Toyota nicht nur eine um 52 km/h geringere Höchstgeschwindigkeit, sondern auch weniger Spurtkraft. Aus dem Stand braucht er laut Hersteller 8,1 Sekunden auf 100 km/h, gemessen waren es allerdings 9,3 (Seat 7,7). Die Schere geht mit steigender Geschwindigkeit stetig weiter auf: Fünf Sekunden Abstand bei 160 km/h, bei Tempo 180 sind es schließlich neun.

Auf der Vergleichsfahrt bestätigen sich die Messwerte auch abseits der linken Autobahnspur. Besonders bei Spitzkehren am Berg kommt der Corolla einfach nicht richtig aus dem Quark. Hier spürst du bei der ständig hohen Last vom E-Boost wenig bis gar nichts. Zwar ist das Ansprechverhalten des Antriebs quasi verzögerungsfrei, doch das wäre es wegen des Saugmotorprinzips auch ohne elektrische Unterstützung.

Um Ecken wankt der Hybrid-Kombi zunächst etwas. Sobald die Karosserie sich dann auf den kurvenäußeren Rädern abstützt, überzeugt er jedoch mit anständiger Präzision und ist nicht gerade langsam. Die komfortorientierte Lenkung des Japaners passt zu seinem Charakter und schafft eine vernünftige Fahrer-Auto-Vertrauensbasis, sodass flüssig-flottes Fahren wunderbar klappt.

Spanier mit GTI-Anlagen

Seat Leon ST, Exterieur
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Die Seat-Lenkung ist nicht nur erheblich stärker auf Dynamik getrimmt, sie harmoniert auch hervorragend mit dem adaptivgedämpften Fahrwerk, das allerdings 800 Euro Aufpreis kostet.

Im Leon FR kann es sogar erstaunlich sportlich zur Sache gehen, denn er lässt sich deutlich schwungvoller und flotter durch Kurven treiben. Die gleiche Übung würde den Corolla ordentlich aus der Spur drängeln – sowohl beim Einlenken als auch in der Kurve. Die Seat-Lenkung ist nicht nur erheblich stärker auf Dynamik getrimmt, sie harmoniert auch hervorragend mit dem adaptivgedämpften Fahrwerk, das allerdings 800 Euro Aufpreis kostet.

Insgesamt ist die Fahrdynamik des FR-Modells für ein nicht dezidiert sportliches Modell wirklich großes Kino, auch weil die Leistung des Vierzylinders hervorragend dazu passt. Ein starkes Paket also, lediglich die Bremsleistung dürfte gerne noch besser sein. Beim Toyota sollte sie das sogar, denn über 38 Meter aus 100 km/h bis zum Stillstand sind nur gerade noch akzeptabel, die 36 Meter des Seat hingegen noch gut. Auch dessen vorbildliches Bremspedalgefühl erreicht der Corolla nicht, so klappt etwa die Dosierung teilweise nicht ganz intuitiv. Trotzdem ist die Abstimmung für ein Hybridfahrzeug recht gelungen, denn der Übergang von der Rekuperation zur mechanischen Bremse wird effektiv kaschiert.

Seine Vorteile spielt der Hybrid hauptsächlich in der Stadt aus: Schon auf der Pendler-Verbrauchsrunde (Stadt und Landstraße) genügen ihm im Schnitt 6,1 l/100 km Benzin, also anderthalb Liter weniger, als der Leon benötigt. Im reinen Stadtverkehr kann sich die Verbrauchsdifferenz sogar noch vergrößern, denn beim ständigen Stop-and-go bleibt der 1,4-kWh-Akku durch häufige Rekuperationsphasen lange ausreichend geladen, um den Elektroantrieb zu versorgen.

Corolla glänzt in der Stadt

Toyota Corolla Touring Sports, Interieur
Achim Hartmann
Seine Vorteile spielt der Hybrid hauptsächlich in der Stadt aus: Schon auf der Pendler-Verbrauchsrunde (Stadt und Landstraße) genügen ihm im Schnitt 6,1 l/100 km Benzin, also anderthalb Liter weniger, als der Leon benötigt.

Der Toyota rollt die ersten Meter bei wenig Last meist rein elektrisch los und schaltet den Verbrenner erst dann zu, wenn kräftiger beschleunigt werden soll. Das funktioniert geschmeidig, auch weil die stufenlose Übersetzungsanpassung des Planetengetriebes überwiegend ruckfrei bleibt. Nur an Steigungen wird es gelegentlich etwas hakelig, wenn das Getriebe bei wenig Gas unentschlossen nach der passenden Übersetzung sucht. Außerorts und speziell auf der Autobahn bleibt das Getriebe gewöhnungsbedürftig, da es beim Beschleunigen eine hohe Drehzahl oft lange hält – inklusive entsprechender Akustik. Dazu kommt: Bei sportlicher Fahrweise schluckt der Corolla mehr als der Leon.

Über den Fahrkomfort kann man sich bei beiden Kombis nicht beklagen. Zwar sind für den Corolla Adaptivdämpfer nur in der Topausstattung Lounge erhältlich, doch das Serienfahrwerk ist so ausgewogen, dass er gediegen federt, ausgeprägte Vertikalbewegungen aber trotzdem verhindert. Sehr ähnlich arbeitet das Leon-Fahrwerk im Normal-Modus der Stoßdämpfer, überfährt Unebenheiten jedoch eine Idee straffer. Auf „Comfort“ eingestellt, hebt sich der Seat weiter aus den Federn und gibt sich ähnlich weich wie der Toyota.

Ein weiterer Beitrag zum Komfort ist beim Leon die in Länge und Höhe verstellbare Armlehne zwischen den Vordersitzen. Zudem wartet er mit einer tieferen Sitzposition, feinerer Lehneneinstellung via Drehrad und bei gleichem Sitzkomfort besserem Seitenhalt auf. Auch die Verarbeitung ist in manchen Details aufwendiger, und der Motor, der im Leon nur noch bis Herbst angeboten wird, brilliert als starker Allrounder.

Aber auch im Corolla fällt es nicht schwer, sich wohlzufühlen: verständliche Bedienung, komfortable Sitze, ausreichend Ablagen, anständiger Materialmix. Und der effiziente Antrieb ermöglicht trotzdem genügend Temperament, um das Auto mühelos zu bewegen. Gleichwohl kommen die Vorzüge des Corolla auch mit dem starken Hybrid vornehmlich bei einer ruhigen Fahrweise zum Tragen. Kombi-Fans, die ab und zu nicht nur geradeaus zügiger unterwegs sein wollen, finden im Leon einen vielseitigen Hobbysportler. Und zwar einen, der den Fahrspaß viel stärker in den Vordergrund schiebt – bei aller Vernunft.

Fazit

1. Seat Leon ST 2.0 TSI FR 429 Punkte

Der Leon FR ist ein praktischer Kombi, der aber auch viel Fahrspaß bietet, ohne den Komfort zu vernachlässigen. Dazu gibt es einen ebenso kräftigen wie effizienten Turbomotor.

2. Toyota Corolla TS 2.0 Hybrid 418 Punkte

Als Kombi ist der Corolla auf Augenhöhe und gewinnt das Umweltkapitel so deutlich, wie er bei der Fahrdynamik verliert. Die Hybrid-Vorteile kommen vor allem in der Stadt zum Tragen.

Technische Daten

Seat Leon ST 2.0 TSI FR Toyota Corolla Touring Sports 2.0 Hybrid Club
Grundpreis 29.400 € 31.190 €
Außenmaße 4548 x 1816 x 1439 mm 4650 x 1790 x 1435 mm
Kofferraumvolumen 587 bis 1470 l 581 bis 1591 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 1987 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 140 kW / 190 PS bei 4200 U/min 112 kW / 152 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 232 km/h 180 km/h
0-100 km/h 7,7 s 9,3 s
Verbrauch 6,2 l/100 km 3,7 l/100 km
Testverbrauch 7,6 l/100 km 6,5 l/100 km
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Kompakt Tests Toyota Corolla Touring Sports 2.0 Hybrid Lounge, Exterieur Toyota Corolla Touring Sports 2.0 Hybrid Sehr soft, aber sicher nicht langweilig

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