Ford, GM Defense und der Spezialhersteller BC Customs entwickeln derzeit drei unterschiedliche Konzepte für das neue "Infantry Squad Vehicle-Heavy" (ISV-H).
Die Modelle sollen künftig nicht nur Truppen bewegen, sondern auch Laserwaffen, Drohnenabwehrsysteme oder elektronische Kampfführung mit Strom versorgen. Damit verändert sich die Rolle leichter Militärfahrzeuge grundlegend.
Chevrolet gegen Ford und eine komplette Neuentwicklung
Anders als beim bisherigen Infantry Squad Vehicle treten diesmal drei völlig unterschiedliche Fahrzeugkonzepte gegeneinander an.
GM Defense setzt auf einen militarisierten Chevrolet Silverado 3500 HD mit Hybridantrieb. Ford entwickelt seinen Prototyp auf Basis der F-Series Super Duty, dürfte dabei nach bisherigen Informationen auf einen F-350 Super Duty zurückgreifen. BC Customs verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Das Unternehmen entwickelt nach eigenen Angaben kein umgebautes Serienfahrzeug, sondern ein vollständig neues Militärfahrzeug.
Damit stehen sich erstmals ein weitgehend seriennaher Chevrolet, ein Ford-Pick-up und eine komplette Eigenentwicklung im direkten Wettbewerb gegenüber.
Offizielle Bilder existieren bisher lediglich vom GM-Fahrzeug. Ford hat zwar bestätigt, die Super-Duty-Baureihe als Basis zu verwenden, technische Details oder Fotos wurden bislang jedoch nicht veröffentlicht. BC Customs hält sein Fahrzeug vollständig unter Verschluss.
Aus Truppentransportern werden rollende Kraftwerke
Die Anforderungen der US Army zeigen, dass sich die Aufgaben solcher Fahrzeuge deutlich verändern. Gefordert werden unter anderem:
- sechs Sitzplätze
- rund 1.814 Kilogramm Nutzlast
- rund 2.948 Kilogramm Anhängelast
- drehbare Rücksitze
- werkzeugloser Umbau zum Verwundetentransport
- mobile Arbeitsplätze für elektronische Systeme
Das Fahrzeug soll damit sowohl Transportmittel als auch Führungsfahrzeug, Versorgungsplattform und mobiler Arbeitsplatz sein.

So könnte das Modell von Ford auf Basis des 350 Super Duty aussehen.
Warum plötzlich 60 kW Leistung entscheidend werden
Die vielleicht wichtigste Anforderung betrifft jedoch nicht Fahrwerk oder Motor, sondern die Stromversorgung. Das ISV-H soll dauerhaft 60 kW Hochvolt-Gleichstrom an externe Verbraucher liefern können. Zusätzlich fordert die US Army weitere Stromkreise mit 28 Volt Gleichstrom sowie 120 Volt Wechselstrom.
Diese Leistung wird benötigt, um moderne militärische Systeme direkt aus dem Fahrzeug zu versorgen. Dazu gehören unter anderem:
- Systeme zur Drohnenabwehr
- elektronische Kampfführung
- leistungsfähige Funk- und Kommunikationssysteme
- Radar- und Sensorsysteme
- zukünftige Laserwaffen
Gerade die zunehmende Verbreitung kleiner Drohnen verändert derzeit die Anforderungen an Militärfahrzeuge. Immer mehr Sensoren, Störsender oder Laser benötigen große Mengen elektrischer Energie. Klassische Anhängergeneratoren verursachen dagegen Lärm, Wärme und zusätzlichen logistischen Aufwand.
Autonome Einsätze sollen möglich sein
Neben der Energieversorgung spielt auch die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Die US Army fordert eine sogenannte Drive-by-Wire-Architektur. Dabei werden Lenkung, Bremse und Antrieb elektronisch gesteuert. Diese Technik gilt als Voraussetzung für spätere autonome oder ferngesteuerte Einsätze.
Die ersten Fahrzeuge werden zwar weiterhin mit Fahrer unterwegs sein. Die offene Architektur soll jedoch ermöglichen, spätere Assistenz- oder Autonomiefunktionen ohne grundlegende Änderungen zu integrieren.
Serienentscheidung fällt nach umfangreichen Tests
Die eigentliche Beschaffung beginnt erst nach Abschluss der Entwicklung. Die US Army hat Ford, GM Defense und BC Customs jeweils mit dem Bau von drei Prototypen beauftragt. Insgesamt entstehen damit neun Fahrzeuge, die bis zum 30.3.2027 fertiggestellt und anschließend durch das Army Test and Evaluation Command erprobt werden sollen.
Im Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2027 sind zunächst 34 Fahrzeuge vorgesehen. Langfristig plant die US Army die Beschaffung von 606 ISV-H. Der kalkulierte Stückpreis liegt bei rund 463.000 US-Dollar.












