Suezkanal Ever Given Containerschiff Havarie Suez Canal Authority
Suezkanal Weltkarte Handelsroute
Suezkanal Ever Given Containerschiff Havarie
Suezkanal Ever Given Containerschiff Havarie
Containerschiff Evergreen Suez Kanal Havarie 7 Bilder

Blockierter Suezkanal: Autobauern drohen Lieferprobleme:

Containerschiff MV Ever Given blockiert Suezkanal Drohen der Autoindustrie jetzt Lieferprobleme?

Aktuell blockiert ein 400 Meter langes und 59 Meter breites Containerschiff den Suezkanal. Jetzt stauen sich die Schiffe auf der wichtigen Handelsroute. Und das wird teuer. Auch für die Autoindustrie?

Wer auf dem Seeweg zwischen Asien und Europa darauf verzichten möchte, einmal komplett Afrika zu umschiffen, der nutzt als Abkürzung den schmalen Suezkanal zwischen Ägypten und Israel. Gerade die Strecke von Europa nach Indien reduziert sich so um 7.000 Kilometer – und weil besonders im Warenverkehr die alte Weisheit "Zeit ist Geld" gilt, durchqueren etwa 98 Prozent aller Containerschiffe das Nadelöhr. Im Schnitt sind das mehr als 50 Schiffe pro Tag.

Eine kostspielige Blockade

Aktuell gibt es allerdings kein Durchkommen, denn das 400 Meter lange und 59 Meter breite Containerschiff MV Ever Given blockiert die Seehandelsroute, nachdem ein Sandsturm den Frachter mit einer Tragfähigkeit von rund 200.000 Tonnen und einem Tiefgang von 15,7 Metern manövrierunfähig gemacht hatte. In der Folge hatte sich die 2018 gebaute Ever Given quer gestellt und ist auf Grund gelaufen. Nun steckt sie seit der Nacht zum 24. März fest und das kostet etliche Reedereien mit jeder weiteren Stunde eine Menge Geld – damit sind die Folgen der Havarie aber noch nicht abschließend beschrieben.

Containerschiff Evergreen Suez Kanal Havarie
picture alliance / ASSOCIATED PRESS Planet Labs Inc.
Die Luftaufnahme zeigt: Hier gibt es aktuell kein Durchkommen.

Mittlerweile stehen dort mehr als 150 Schiffe im Stau und das kann für moderne Produktionen wie beispielsweise in der Automobilindustrie zum Problem werden. Weil die Pkw-Fertigung strikt durchgetaktet und optimiert ist, sparen sich die Hersteller große Lager, weil die benötigten Teile genau dann eintreffen, wenn sie gebraucht werden. Es stapeln sich also keine Komponenten mehr, sondern die Verarbeitung passiert sofort. Die wartenden Schiffe im Suezkanal transportieren laut tagesschau.de vor allem Elektronik und Maschinenteile. Ob es zu konkreten Auswirkungen auf die deutschen Automobilhersteller kommt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Christian Denso, Sprecher des Verbands Deutscher Reeder hält das allerdings für absolut erwartbar: " Diese Schiffe sind schwimmende Lagerhäuser. Gerade für Industriezweige, die 'just in time' produzieren."

Audi betroffen, BMW und Mercedes nicht

Auf Nachfrage von auto motor und sport zeigte man sich bei BMW beispielsweise zuversichtlich. Eine Sprecherin sagte uns, man habe tägliche Updates rund um die Produktion, der Suezkanal sei dabei bislang aber kein Thema gewesen. Ähnlich zuversichtlich äußert sich Mercedes: "Wir beobachten und evaluieren die Situation kontinuierlich in enger Abstimmung mit unseren Transportdienstleistern. Aktuell läuft die Produktion wie geplant." Anders sieht es bei Audi aus. "Uns betrifft die Blockade sowohl in Sachen Material- als auch Fahrzeugtransport", bestätigt ein Audi-Unternehmenssprecher. Zu welchen genauen Auswirkungen es kommt, zeigen die nächsten Tage. Wie stark einzelne Fahrzeugkomponenten die gesamte Produktion betreffen können, bewiesen unlängst die Lieferprobleme von Halbleitern (wir berichteten).

Suezkanal Ever Given Containerschiff Havarie
Suez Canal Authority
Mit Baggern und Schleppern versucht die Betreibergesellschaft Suez Canal Authority aktuell das havarierte Schiff zu befreien.

Laut der Betreibergesellschaft "Suez Canal Authority" laufen die Bergungsarbeiten auf Hochtouren. Mit Baggern und acht Schleppern versuche man aktuell den havarierten Frachter wieder flott zu kriegen. "Es wundert mich in der Tat, dass dieses Bergungsmanöver so lange dauert. Mittlerweile helfen dort sehr renommierte Unternehmen mit. Wenn das bis Sonntag nicht erledigt ist, muss das Schiff wohl erleichtert werden", erklärt Christian Denso. Neben dem Ablassen von Ballastwasser gäbe es zusätzlich die Möglichkeit, Ladung vom Schiff zu nehmen. Allerdings entstehe damit das nächste Problem, denn das Ufer besteht aus Sand und dort lassen sich keine Container zur Zwischenlagerung abstellen.

Sollte sich die Blockade weiter in die Länge ziehen, dürften zumindest die angestauten Schiffe auch die sechs bis zehn Tage längere Route über das Kap der guten Hoffnung in Betracht ziehen. Der Branchendienst Vesselfinder hat unterdessen einen Tweet veröffentlicht, der die Route der MV Ever Given direkt vor ihrer Havarie zeigt. Während das Containerschiff auf die Kanal-Durchfahrtsgenehmigung warten musste, zeichnete es per GPS den Umriss eines Penis ins Gewässer. Das Lachen über diesen Scherz dürfte der Besatzung mittlerweile vergangen sein.

Häfen sind nächster Flaschenhals

Die Blockade hat auch Auswirkungen auf den Ölpreis, denn abseits von Containerschiffen, sind es hauptsächlich Öltanker, die den Kanal nutzen. Aktuell sitzen dort rund zehn Millionen Barrel Erdöl (Ein Barrel = 159 Liter) fest. Das führte auf dem bei unterschiedlichen Öl-Sorten um kurzfristige Preisanstiege von bis zu 2,6 Prozent. Wie viele Tanker dort schon festsitzen, zeigt das Live-Kartenmaterial der Website marinetraffic.

Marinetraffic Karte Ever Given Suezkanal Havarie
marinetraffic / leaflet
Die grünen Punkte markieren Containerschiffe, die roten Punkte sind Tanker.

Spannend wird es in der Folge auch an den deutschen Häfen, denn sobald die Blockade gelöst ist, dürften dort mehr Schiffe als üblich auf einmal ankommen. Und weil jeder angelieferte Container auf einen Lkw oder einen Zug geladen werden muss, dürfte den zuständigen Logistikern eine anstrengende Zeit bevorstehen. "Gerade jetzt, wo wir alle zuhause sitzen und fleißig online Dinge bestellen, sind die Lieferketten ohnehin schon ordentlich gespannt. Da droht nun der nächste Flaschenhals-Effekt an den Häfen in Deutschland", führt Denso weiter aus.

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Fazit

In der Haut des Ever Given-Betreibers möchte man aktuell nicht stecken. Eine der wichtigsten Handelsrouten ist blockiert und der entstandene Schaden steigt stündlich an. Gerade während der Corona-Pandemie ist der Warenverkehr gefragt wie nie. Der Zeitpunkt könnte also kaum ungünstiger sein. Wir wünschen der MV Ever Given künftig jedenfalls immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel. Besser zwei.

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