Nissan in Europa im Krisenmodus: Zehn Prozent der Mitarbeiter müssen gehen

Nissan in Europa im Krisenmodus
Zehn Prozent der Mitarbeiter müssen gehen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 06.05.2026
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05/2026 Nissan Werk Sunderland Produktion Leaf Fabrik
Foto: Nissan

Bei Nissan stehen in Europa drastische Einschnitte an. Im britischen Werk Sunderland wird eine der beiden Produktionslinien stillgelegt und die Fertigung auf eine Linie konzentriert. Nissan Sunderland ist das größte Automobilwerk Großbritanniens, das wichtigste Pkw-Werk des Konzerns in Europa und zugleich das europäische Kernwerk für Volumenmodelle. Parallel dazu laufen Gespräche über den Abbau von rund 900 Stellen in Europa, was etwa zehn Prozent der europäischen Belegschaft entspricht. Wie unter anderem die BBC berichtet, betreffen die Einschnitte vor allem Verwaltungs- und Logistikbereiche, während die Produktion in Sunderland von den Stellenstreichungen ausgenommen bleiben soll.

Aus zwei mach eins

Die Reduzierung der Fertigung in Sunderland ist als Zusammenlegung zweier bislang nicht voll ausgelasteter Linien angelegt. In Zukunft soll eine Linie im Drei-Schicht-Betrieb laufen, um die Kapazität weitgehend zu kompensieren. Produziert werden dort aktuell die Baureihen Qashqai, Juke und Leaf. Das Werk ist seit Jahren auf flexible Produktionsprozesse ausgelegt, die unterschiedliche Antriebsarten auf einer Montagelinie ermöglichen. 2025 lag die Produktion bei rund 273.000 Fahrzeugen und damit deutlich unter früheren Stückzahlen, die teils über 500.000 Einheiten erreichten.

Die Modernisierung der Anlagen konzentrierte sich zuletzt auf die zweite Linie, die für die Fertigung von Elektrofahrzeugen ertüchtigt wurde. Dort läuft seit Ende 2025 die Serienproduktion der aktuellen Leaf-Generation. Perspektivisch ist vorgesehen, auch elektrische Varianten von Juke und Qashqai in Sunderland zu fertigen, womit der Standort auf mehrere batterieelektrische Baureihen ausgelegt wird.

Steigen Chinesen ein?

Durch die Stilllegung einer Linie entsteht zugleich freie Kapazität, die potenziell von einem externen Hersteller genutzt werden könnte. Nissan führt hierzu Gespräche mit mehreren Unternehmen. In diesem Zusammenhang wird auch der chinesische Konzern Chery genannt, der seine Präsenz in Europa zuletzt ausgebaut hat und bereits eine Montage im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona betreibt. Konkrete Vereinbarungen für Sunderland sind bislang nicht bestätigt.

Die angekündigten Stellenstreichungen stehen im Kontext des konzernweiten Restrukturierungsprogramms RE:Nissan. Neben dem Personalabbau sind weitere Maßnahmen vorgesehen, darunter die Teil-Schließung eines Logistikstandorts in Barcelona sowie eine Neuordnung der Vertriebsstrukturen in nordischen Märkten mit stärkerem Fokus auf Importmodelle.

Auch in USA wird reduziert

Parallel zur Neuordnung in Europa passt Nissan auch seine Strategie in den USA an. Das Unternehmen hat die ursprünglich geplante Produktion von Elektrofahrzeugen im Werk Canton im Bundesstaat Mississippi aufgegeben. Dort sollten ab Ende des Jahrzehnts mehrere elektrische Modelle entstehen, darunter zwei Crossover für die Marken Nissan und Infiniti. Die Projekte waren bereits zuvor verschoben worden und sind nun endgültig eingestellt.

Statt einer lokalen Fertigung will Nissan den US-Markt künftig mit importierten Elektrofahrzeugen beliefern, darunter auch die aktuelle Generation des Leaf. Gleichzeitig wird das Werk in Canton stärker auf die Produktion von Verbrenner-Fahrzeugen ausgerichtet.

Fazit