Der Volkswagen-Konzern hat in der vergangenen Woche bei der Hauptversammlung seine Strategie für die kommenden fünf Jahre vorgestellt. Die enthält eine Modelloffensive, die längst in vollem Gange ist. Über alle Konzernmarken hinweg haben die Kernmarke VW und ihre Schwestern im vergangenen Jahr bereits mehr als 30 neue Modelle auf den Markt gebracht. "Dieses Jahr werden es weitere 20 Fahrzeuge sein", heißt es in einer Mitteilung. Allein in China will der Konzern mit seinen Partnern bis 2027 weitere 30 neue elektrifizierte Modelle auflegen; bis 2030 sollen es sogar 50 sein.
Übersichtlicheres Modell- und Variantenangebot
Gleichzeitig nennt der VW-Konzern in seiner Maßnahmenliste an Punkt 1 das Thema "Komplexität reduzieren" und hebt diesen Aspekt damit besonders hervor. "Volkswagen will das Modell- und Variantenangebot übersichtlicher machen und noch stärker an den Erwartungen der Kunden in den Regionen ausrichten", schreibt der Konzern in einer Mitteilung. Dadurch solle ein höheres Volumen pro Modell erreicht werden.
Doch wenn einerseits neue Modelle eingeführt und gleichzeitig die Komplexität reduziert werden sollen, muss andererseits in der aktuellen Modellpalette gestrafft werden. Bereits Mitte Mai 2026 berichteten verschiedene Medien, dass die Palette von 150 auf 100 Fahrzeuge schrumpfen soll. Damit wurde in Wolfsburg, Ingolstadt und Co. bereits begonnen. Der große Verbrenner-SUV Touareg hat sich bereits aus dem Konfigurator verabschiedet, das T-Roc Cabrio wird im kommenden Jahr folgen. Audi hat ebenfalls bereits den Rotstift angesetzt und streicht die Baureihen A1 sowie Q2 vorerst ersatzlos.
Eine offizielle Streichliste mit den zur Disposition gestellten Modellen existiert bislang noch nicht; sie soll bis zum Sommer erstellt werden. Klar ist jedoch, dass es zuallererst Nischenmodelle und Modellvarianten mit zunehmend exotischen Antrieben – zum Beispiel Dieselmotoren – treffen wird. In die erste Kategorie fällt unter anderem die elektrische Baureihe ID.5. Deren Fortführung gilt als sehr unwahrscheinlich, da einerseits das Basismodell ID.4 durch den neuen Elektro-SUV ID. Tiguan ersetzt wird und andererseits klassische Elektro-SUVs im Volumensegment deutlich höhere Absatzzahlen versprechen als deren Coupé-Ableger – Stichwort Nische.
Touran weg – ist der Taigo der Nächste?
Zu dieser hat sich längst auch die einst boomende Klasse der kompakten Vans mit bis zu sieben Sitzen entwickelt. VW war hier lange mit dem Touran vertreten, doch auch dieses Modell hat sich längst aus der VW-Palette verabschiedet. Ob sich perspektivisch lohnt, an einem Modell wie dem Taigo (ebenfalls ein SUV-Coupé) festzuhalten, muss die Zukunft zeigen. Er hat seine Wurzeln in Brasilien (dort wird er als Nivus angeboten), gebaut wird er in Spanien (Pamplona). Dass er ein reiner Benziner und bisher nichts über eine Elektrovariante bekannt ist – anders als beispielsweise beim T-Cross und ID. Cross – dürfte dazu führen, dass die Karriere des Taigo keine besonders lange sein wird. Deshalb ist der kleine Crossover unser Tipp als nächster VW-Streichkandidat.
Allein der Taigo zeigt: Wenn ein Autokonzern derart international agiert wie Volkswagen, ergeben sich fast schon automatisch sehr diverse Modellpaletten, denn jeder Markt hat seine eigenen Ansprüche. Das macht allerdings die Einschätzung, welche Modelle in den USA, China oder Südamerika beibehalten oder ausrangiert werden, fast schon unmöglich. Ähnliches gilt aufgrund der zahlreichen Tochtermarken – aktuell sind es zehn – des Konzerns, von denen allein neun Autos verkaufen (Ducati kommt als Motorradhersteller noch hinzu). Hier kommen viele Einzelbaureihen für ein baldiges Karriereende infrage; die einzelnen Markenchefs haben von Konzern-CEO Oliver Blume diversen Berichten zufolge den Auftrag bekommen, ihrerseits Streichlisten vorzulegen und verzichtbare Modelle zu benennen.
Weniger Plattformen und Architekturen
Doch nicht nur beim Modellportfolio selbst setzt der VW-Konzern die Axt an. Um die Komplexität im Konzern zu reduzieren, kommen auch bisher genutzte Plattformen und Elektronikarchitekturen auf den Prüfstand. Davon soll es künftig weniger als bisher geben. Zentral ist bei der Neuausrichtung die neue Einheitsplattform SSP, die sich sowohl mit Elektro- als auch mit Hybrid- und Elektroantrieben bestücken sowie hochgradig skalieren lässt und ab 2029 zum Einsatz kommen soll. VW nennt das: "den technologischen Werkzeugkasten vereinfachen". Das soll nicht nur Aufwand und Kosten verringern, sondern auch das Entwicklungstempo steigern. Denn das Ziel bleibt ambitioniert: "Bis 2030 strebt der Konzern eine operative Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent an", heißt es im Statement zur Zukunftsstrategie.












