Tesla Model Y, Exterieur
Tesla Model Y, Exterieur
Tesla Model Y, Interieur
Tesla Model Y, Interieur 17 Bilder

Umstrittene Streichung: Tesla Model 3 und Y ohne Radar

Tesla Model 3 und Model Y ohne Radar Verbrauchermagazin stuft Tesla Model 3 zurück

Kürzlich hat Tesla angekündigt, bei Model 3 und Model Y keine Radarsensoren mehr einzubauen. Daraus ziehen ein US-Verbrauchermagazin und die NHTSA jetzt Konsequenzen.

Teslas umstrittene Ankündigung, bei Model 3 und Model Y künftig auf Radartechnik zu verzichten, hat für den Elektroauto-Hersteller erste Konsequenzen: Das einflussreiche und unabhängige US-Verbrauchermagazin Consumer Reports entzieht dem Model 3 die höchste Empfehlungsstufe "Top Pick". Diese Auszeichnung erhalten bei Consumer Reports pro Jahr nur zehn Fahrzeuge. Die Herabstufung begründen die Verantwortlichen des Verbrauchermagazins vor allen Dingen mit dem vorübergehenden Ausfall von Sicherheitsfunktionen während der Umstellung auf reine Kamera- und Ultraschall-Sensorik. Zu den dann nicht mehr verfügbaren Funktionen gehört unter anderem die automatische Notbremsung.

Tesla Model 3
Tesla
Das einflussreiche US-Verbrauchermagazin Consumer Report hat dem Tesla Model 3 jetzt die höchste Empfehlungsstufe "Top Pick" entzogen.

Auch Verkehrssicherheits-Behörde reagiert

David Friedman, bei Consumer Reports Vice President of Advocacy, betont, dass es problematisch ist, wenn ein Fahrer davon ausgeht, dass sein Fahrzeug bestimmte Sicherheitsfunktionen hat, die dann in Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind. Deshalb bekommt das Model 3 bei der Einstufung durch das Verbrauchermagazin drei Punkte Abzug – was immer noch für das Prädikat "empfehlenswert" reicht. Auch die U.S. National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat bereits reagiert: Sie weist Model 3 und Model Y seit dem 27. April nicht mehr als mit Funktionen wie automatisierter Notbremsungen, Frontkollisionswarnung und Spurhalteassistent ausgestattet aus.

Der automatische Notbrems-Assistent und das System zum automatischen Spurhalten sollen bei der Umstellung auf reine Kamera- und Ultraschall-Sensorik vorrübergehend deaktiviert sein.

Kein Radar mehr für Model 3 und Model Y

Tesla-Chef Elon Musk spart bei seinen Modellen wo immer es geht Technik ein: Model 3 und Model Y haben keine Instrumente für den Fahrer und keinen mechanischen Knopf fürs Handschuhfach, die neuen Varianten von Model S und Model X bekommen keinen Gangwahlhebel mehr und Lidar (Light detection and ranging – Technik zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung) empfindet er als Technik für Narren. Den Abschied von Lidar-Systemen kündigte Musk bei einem denkwürdig abgehoben wirkenden Auftritt während des Tesla Autonomy Day im April 2019 an. Damals stellte er auch eine vollautonome Tesla-Taxiflotte für Anfang 2020 in Aussicht.

Diese Flotte kam bis heute nicht – allerdings kamen Preiserhöhungen für Teslas Assistenzsystempaket zum teilautonomen Fahren im Akkord. Aktuell kostet die "Volles Potenzial für autonomes Fahren" genannte Technik in Europa einen Aufpreis in Höhe von 7.500 Euro. In Foren rät eine Mehrzahl der Tesla-Fahrer vom Kauf dieser früher irrenführend Autopilot genannten Technik ab. Schließlich passieren immer noch regelmäßig schwere Unfälle, weil die Systeme anscheinend große Probleme haben, stehende Hindernisse zu erkennen. Trotzdem möchte Musk sich komplett auf eine Fernerkennung von Hindernissen per Kamera verlassen – Model 3 und Model Y (in der Bildergalerie) bekommen ab sofort keinen Radar mehr.

Für den Nahbereich Ultraschall-Sensoren, für die Ferne Kameras und Radar - mit dieser Technik hat Tesla bisher versucht, Hinernisse zu erkennen. Das Radarsystem fällt jetzt bei Model 3 und Model Y weg.

Autopilotfunktionen fallen aus

Model 3 und Model Y sollen beim teilautonomen Fahren auf Kameradaten zurückgreifen, und diese im Rahmen maschinellen Lernens verarbeiten. Dies kann dazu führen, dass vorübergehend einige Autopilot-Funktionen nicht verfügbar sind. So funktioniert der Lenkassistent Autosteer nur noch bis zu einer Geschwindigkeit von 75 Meilen pro Stunde (121 km/h), mehr ist mit 80 Meilen pro Stunde (129 km/h) allerdings auch nur in einigen Countys des Bundesstaates Texas erlaubt (auf einem 66 Kilometer langen Abschnitt des Texas State Highway 130 sind sogar 85 Meilen pro Stunde (137 km/h) zulässig). Außerdem sorgt die Technik für einen größeren Sicherheitsabstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen als bisher. Dies ist unter Teslafahrern umstritten, da sie befürchten, dass andere Autos in die dann größere Lücke scheren. Auch die umstrittenen Systeme ELDA (Emergency Lane Departure Avoidance – Vermeidung des Befahrens von Nothalte-Standstreifen) und Smart Summon (Fahrzeug kommt auf kurzen langsamen Parkplatz-Strecken autonom zum wartenden Fahrer) könnten deaktiviert sein. In der Vergangenheit sorgten beide Systeme durch Fehlverhalten für Ärger.

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Lidar-Systeme sind für die meisten Hersteller bei der Entwicklung autonomen Fahrens sehr wichtig - Tesla verzichtet offiziell komplett darauf. Allerdings sichten Beobachter immer wieder Test-Teslas mit Lidar-Aufbauten. Im Bild das neue Super-Lidar von Argo AI.

Was ist bei Schnee, Staub, Nebel und Dunkelheit?

Die für den nordamerikanischen Markt bestimmten Model 3 und Model Y bekommen als Erste die reduzierte Technik, Model S und Model X sind erst später dran. Kritiker betonen, dass die Radartechnik eine wertvolle Unterstützung bei der Orientierung des Fahrzeugs ist. Sie können sich nicht vorstellen, dass Kameras bei schlechten Sichtverhältnissen, wie beispielsweise starkem Nebel oder dichtem Schneetreiben, möglicherweise auch noch in Kombination mit Dunkelheit, auf mittleren Entfernungen Hindernisse ausreichend gut erkennen können. Aktuell deaktivieren einige Teslafahrer das Autopilotsystem bei starker Sonneneinstrahlung, da dann die Kameras offensichtlich Probleme mit der Erkennung von Hindernissen haben.

Die für die Orientierung des Fahrzeugs auf mittlere Entfernungen nötigen Daten sollen bei Tesla jetzt ausschließlich Kameras liefern. Ob das auch bei starkem Nebel oder Schneetreiben funktioniert, ist höchst umstritten.

Tesla löscht Radarbezug von Webseite

Tesla selbst hat bis vor kurzem auf seiner Webseite auf die Vorzüge von Radarsystemen hingewiesen: Die Radarstrahlen gingen durch Nebel, Staub, Regen und Schnee – und unter Autos hindurch. Deshalb spiele das Radar eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, auf vor dem Fahrzeug gelegene Hindernisse zu reagieren. Dieser Eintrag ist jetzt verschwunden.

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Kann es in naher Zukunft vollautonome Fahrzeuge geben?
Ja, der immense Forschungs-Aufwand trägt langsam Früchte.
Nein, Sensorik und Rechentechnik sind noch lange nicht soweit.

Fazit

Elon Musk spart bei seinen Tesla-Modellen Technik ein, wo es nur geht: Keine Instrumente für den Fahrer bei Model 3 und Model Y, kein mechanischer Knopf für das Handschuhfach und den vorderen Kofferraum, kein Gangwählhebel bei den kommenden Versionen von Model S und Model X und beim kommenden Cybertruck auch keine Türgriffe. Jetzt fällt beim Assistenzpaket für teilautonomes Fahren nach Level 2 auch noch das Radarsystem weg – Kamerabilder sollen dem System zur Orientierung reichen.

Das dies zuverlässig funktioniert, ist aktuell höchst umstritten. Schaut man sich die dramatischen Auffahrunfälle an, die Tesla-Modelle bis heute regelmäßig unter Einsatz des sogenannten Autopilot-Systems verursachen, entsteht der Eindruck, Tesla trete bei der Entwicklung des autonomen Fahrens seit über fünf Jahren auf der Stelle. Jetzt aus den Autos eine Technik zu entfernen, die beim Erkennen von Hindernissen bei schlechten Sichtverhältnissen hilft, wirkt wie ein gefährlicher Rückschritt in Sachen Sicherheit. Die Aufmerksamkeit des Teslafahrers während der gesamten Fahrt dürfte deshalb noch mehr gefordert sein als bisher.

Ob die Verantwortlichen bei Tesla selbst von diesen technischen Einsparungen überzeugt sind, weiß niemand genau. Das von Elon Musk spöttisch abgetane Lidar-System nutzen beinahe alle anderen Hersteller, die an Techniken für autonomes Fahren arbeiten. Argo AI hat aktuell ein zusammen mit seinen Kooperationspartnern VW und Ford entwickeltes Super-Lidar vorgestellt, das eine Reichweite von 400 Metern hat und das in der Lage ist, einzelne Photonen aufzuspüren. Das System gilt als eine der Grundvoraussetzungen für autonomes Fahren nach Level 4 (vollautonom wäre Level 5). In den USA fotografieren Beobachter immer wieder getarnte Tesla-Modelle, die mit mächtigen Lidar-Systemen auf dem Dach unterwegs sind. Musk scheint sich also bei seinem Versuch, das Erkennen von Hindernissen ausschließlich Kameras zu überlassen, gar nicht so sicher zu sein.

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