Weil Sprit-Steuern fehlen: E-Autos zahlen pro Kilometer

Weil Sprit-Steuern fehlen
E-Autos zahlen in GB pro Kilometer

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.07.2026
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Ein Elektroauto lädt an einer Ladesäule im Hintergrund ist der Big Bang zu sehen, dazu eine eingeblendeter Union Jack. Ein Tacho mit Kilometerangabe und einem Preis-Zähler symbolisiert die Abgabe pro Kilometer
Foto: KI generiertes Bild / Wittich

Hintergrund sind die sinkenden Einnahmen aus der Kraftstoffsteuer, die mit der wachsenden Zahl elektrisch angetriebener Fahrzeuge einhergehen.

Die neue Abgabe trägt den Namen Electric Vehicle Excise Duty (eVED) und wurde von der britischen Regierung vorgestellt. Sie wird zusätzlich zur bereits bestehenden britischen Kfz-Steuer erhoben und knüpft an die tatsächlich gefahrene Strecke an. Nach Angaben der Regierung soll das System einfach umzusetzen sein und ohne eine dauerhafte Überwachung der Fahrzeuge auskommen.

Drei Pence pro Meile für Elektroautos

Für batterieelektrische Pkw und Brennstoffzellenfahrzeuge beträgt die Abgabe zum Start drei Pence je Meile. Das entspricht umgerechnet etwa 2,2 Eurocent pro Kilometer. Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender werden mit 1,5 Pence je Meile belastet. Das entspricht rund 1,1 Eurocent pro Kilometer.

Nach Berechnungen auf Basis der vorgesehenen Sätze ergeben sich folgende jährliche Zusatzkosten:

Die Regierung geht in ihren Unterlagen von einer durchschnittlichen Fahrleistung von 8.000 Meilen (rund 12.900 Kilometer) pro Jahr aus. Für ein Elektroauto würde die neue Abgabe in diesem Fall etwa 240 Pfund jährlich (ca. 277 Euro) betragen. Nach Auffassung der Regierung entspricht dies ungefähr der Hälfte der Kraftstoffsteuer, die Fahrer eines vergleichbaren Benzin- oder Dieselautos auf derselben Strecke entrichten.

Ab dem Steuerjahr 2029/2030 sollen die Sätze entsprechend der Inflation angepasst werden. Die zum Start vorgesehenen Kilometer-Abgaben bleiben voraussichtlich nicht dauerhaft unverändert.

So soll die Abrechnung funktionieren

Die neue Kilometerabgabe wird in das bestehende System der britischen Vehicle Excise Duty (VED) integriert. Fahrzeughalter geben bei der jährlichen Verlängerung ihrer Fahrzeugsteuer den aktuellen Kilometerstand an und schätzen gleichzeitig ihre Fahrleistung für den kommenden Steuerzeitraum.

Auf Grundlage dieser Angaben wird die voraussichtliche Abgabe berechnet. Die Zahlung kann auf einmal oder in Raten erfolgen. Nach Ablauf des Steuerjahres erfolgt ein Abgleich mit dem tatsächlich gefahrenen Kilometerstand. Wer weiter gefahren ist als angegeben, muss nachzahlen. Fällt die Fahrleistung geringer aus, wird die Differenz erstattet oder mit der nächsten Steuer verrechnet.

Die Kilometerstände sollen überwiegend über bereits bestehende Verfahren kontrolliert werden. Dazu gehört insbesondere die britische Hauptuntersuchung MOT, bei der der Kilometerstand ohnehin dokumentiert wird. Zusätzliche flächendeckende Kontrollen oder verpflichtende GPS-Systeme sieht die Regierung nicht vor.

Die bisherige Fahrzeugsteuer bleibt bestehen

Die neue eVED ersetzt die bestehende britische Kfz-Steuer (Vehicle Excise Duty, VED) nicht. Sie wird zusätzlich zur bereits geltenden Fahrzeugsteuer erhoben. Reine Elektroautos sind in Großbritannien seit dem 1.4.2025 nicht mehr von der VED befreit.

Für neu zugelassene Elektroautos gilt im ersten Zulassungsjahr derzeit ein ermäßigter Satz von zehn Pfund (rund zwölf Euro). Ab dem zweiten Jahr wird der reguläre Standardsatz fällig. Für bereits vor dem 01.04.2025 zugelassene Elektroautos gilt ebenfalls der Standardsatz. Fahrzeuge mit einem Listenpreis oberhalb der Schwelle für besonders teure Fahrzeuge unterliegen zusätzlich dem entsprechenden Aufschlag.

Steuer-Aufschlag für teure AutosElektroautos mit einem Listenpreis von mehr als 40.000 Pfund (rund 46.200 Euro) zahlen in Großbritannien zusätzlich den Expensive Car Supplement. Der Aufschlag beträgt derzeit 425 Pfund (rund 491 Euro) pro Jahr. Er wird vom zweiten bis zum sechsten Jahr nach der Erstzulassung zusätzlich zur regulären Fahrzeugsteuer erhoben.

Plug-in-Hybride zahlen den halben Satz

Für Plug-in-Hybride sieht die britische Regierung einen ermäßigten Satz von 1,5 Pence je Meile vor. Die Begründung lautet, dass diese Fahrzeuge sowohl elektrisch als auch mit Benzin oder Diesel betrieben werden können und damit bereits über die Kraftstoffsteuer zum Steueraufkommen beitragen.

Eine getrennte Erfassung der elektrisch und mit Verbrennungsmotor gefahrenen Strecken ist nicht vorgesehen. Stattdessen gilt der reduzierte Satz unabhängig davon, wie häufig ein Fahrzeug tatsächlich geladen oder mit Kraftstoff betrieben wird. Nach Einschätzung der Regierung wäre eine exakte Unterscheidung mit einem deutlich höheren Verwaltungsaufwand verbunden.

Welche Fahrzeuge zunächst nicht betroffen sind

Zum geplanten Start gilt die neue Abgabe ausschließlich für Pkw. Andere Fahrzeugklassen bleiben zunächst außen vor.

Dazu gehören:

  • elektrische Transporter
  • Lastwagen
  • Busse und Reisebusse
  • Motorräder

Vollhybride ohne externe Lademöglichkeit fallen ebenfalls nicht unter die Kilometerabgabe. Sie werden weiterhin ausschließlich über die Kraftstoffsteuer belastet.

Ausländische Fahrzeuge werden derzeit nicht erfasst

Die neue eVED knüpft an die britische Fahrzeugzulassung und die bestehende Vehicle Excise Duty an. Nach den derzeit veröffentlichten Plänen betrifft sie deshalb ausschließlich Fahrzeuge, die in Großbritannien zugelassen sind.

Für Urlauber oder Geschäftsreisende mit einem in Deutschland zugelassenen Elektroauto ergeben sich daraus zunächst keine zusätzlichen Kosten. Sie zahlen während eines vorübergehenden Aufenthalts im Vereinigten Königreich keine kilometerabhängige Abgabe. Ob sich daran künftig etwas ändert, geht aus den bisherigen Regierungsunterlagen nicht hervor.

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Hintergrund sind sinkende Einnahmen aus der Kraftstoffsteuer

Mit dem steigenden Anteil von Elektroautos gehen dem britischen Staat Einnahmen aus der Kraftstoffsteuer verloren. Während Fahrer von Benzin- und Dieselautos mit jedem Liter Kraftstoff Steuern zahlen, entfällt diese Einnahme bei batterieelektrischen Fahrzeugen weitgehend.

Nach Auffassung der Regierung soll die neue Kilometerabgabe dazu beitragen, dass sich auch Elektroautos künftig an der Finanzierung des Straßenverkehrs beteiligen. Gleichzeitig soll die Belastung unter dem Niveau liegen, das Fahrer von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor über die Kraftstoffsteuer tragen.

Kann ein solches Modell auch in Deutschland kommen?

Auch in Deutschland wird seit Jahren darüber diskutiert, wie die Einnahmen aus der Energiesteuer auf Kraftstoffe langfristig ersetzt werden können. Mit dem zunehmenden Anteil von Elektroautos sinken auch hier die Einnahmen aus Benzin und Diesel.

Konkrete Pläne für eine kilometerabhängige Steuer auf Elektroautos gibt es derzeit jedoch nicht. Die Bundesregierung hat ein vergleichbares Modell bisher nicht angekündigt.

Fazit