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Nio: Elektroauto-Marke aus China plant Europ-Start

Chinesische Elektroautomarke plant Expansion Nio kommt 2021 nach Europa

Auf dem chinesischen Heimatmarkt verkauft Nio bereits drei elektrische SUV-Modellreihen. Jetzt hat das Unternehmen Expansionspläne für die Marke in Europa konkretisiert. Ab dem dritten Quartal 2021 will Nio in Norwegen Autos verkaufen.

Das chinesische Unternehmen Nio mit Hauptsitz in Shanghai hat auf dem Heimatmarkt mit EC6, ES6 und ES8 bereits drei elektrisch angetriebene SUV-Modelle auf dem Markt. Zwischenzeitlich stand Nio mal kurz vor der Pleite. Noch im März 2020 teilte Nio selbst mit: "Der fortlaufende Betrieb hängt von der Fähigkeit des Unternehmens ab, eine ausreichende externe Eigenkapital- oder Fremdfinanzierung zu erhalten". Das war im Juli dieses Jahres mit Krediten chinesischer Banken über umgerechnet 1,3 Milliarden Euro geschafft. Möglich wurde das durch eine Rahmenvereinbarung mit der Stadtregierung der Provinzhauptstadt Hefei. Darin hatte sich das Unternehmen dazu verpflichtet, Fabriken und Forschungszentren in der Stadt zu bauen. Ursprünglich wollte Nio eine Fabrik in Shanghai, später eine in Peking bauen. Die Kooperation mit der Stadt Hefei aber brachte die Finanzierungszusage.

Seitdem steigen die Verkaufszahlen rasant – für September 2020 meldete Nio 4.708 Auslieferungen der SUV-Modelle ES6 und ES8 sowie die ersten vom SUV-Coupé EC6. Das sind gut 154 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Corona-Krise scheint dem E-Autobauer wenig zu schaden: Der Vertrieb läuft ausschließlich online, wenn auch unterstützt durch Stores in chineischen Großstädten. Einschließlich September hat Nio nach eigenen Angaben im Jahr 2020 bereits 26.375 Autos ausgeliefert, das sind fast 114 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und seit seinem Markstart 2018 hat Nio inzwischen gut 58.000 E-SUV ausgeliefert, die mit Wechsel-Akkus ausgestattet sind. Die können in China an zahlreichen so genannten Swap-Stations unterwegs binnen Minuten getauscht werden. Für Europa ist so ein System nicht finanzierbar, das es einigermaßen personalintensiv ist.

Nio will zuerst nach Norwegen

In einem Nebensatz auf einer Pressekonferenz im August hatte Firmenchef William Li den immer wieder ins Spiel gebrachten Marktstart in Europa im 3. Quartal 2021 verkündet – in einem der "Elektromobilität sehr zugeneigten Land", sprich in Norwegen. Dafür dürften die kleineren SUV ES6 und EC6 die richtigen Modelle sein. Die bräuchten bis dahin aber eine völlig neue Elektronik-Struktur, denn die aktuelle basiert auf chinesischer Software und ist nicht so modifizierbar, dass das Nio-Bediensystem mit westlichen Sprachen klar käme. Aber wenn die offenbar für 2021 geplante Überarbeitung vollzogen ist, könnte vielleicht perspektivisch sogar noch ein Kompakt-SUV (ES3) die Modellpalette nach unten ergänzen. Und zum auf Januar 2021 verschobenen Nio-Day könnte auch eine große Limousine debütieren. Bis 2024 soll Nio eine globale Marke werden.

BYD und Aiways sind schon da

Die Markteinführung in Europa dürfte, auch unter Berücksichtigung der Ladeinfrastruktur und der angebotenen Fördermaßnahmen für Elektroautos, schrittweise erfolgen. Viele Anbieter wählten bislang Norwegen als ersten Markt, darunter auch der chinesische BYD-Konzern.

Statt mit Batterie-Tausch-Stationen möchten die Chinesen wie Renault mit Miet-Batterien die Preise der Autos auf einem relativ niedrigen Niveau halten.

Nio ES6
E-Auto

Ein entsprechender Vertrag wird dann vom Käufer eines Nio-Elektroautos abgeschlossen. Beim Kleinwagen Renault Zoe verringert sich der Kaufpreis beispielsweise um gut 8.000 Euro, wenn der Kunde die Batterie mietet und nicht zusammen mit dem Auto kauft. Der Mietzins für den Akku beginnt, abhängig von der jährlichen Fahrleistung, bei 74 Euro im Monat. Vorteil für den Kunden: Wenn der Akku altert und seine Kapazität unter eine bestimmte Grenze sinkt (bei Renault 75 Prozent), hat der Besitzer Anspruch auf einen neuen. Sollte das bei Nio passieren, würde die Auslegung der Autos auf schnell tauschbare Batterien helfen.

Wenn die ersten Nio-Modelle in Europa an den Start gehen, haben sie zusätzliche Konkurrenz aus dem eigenen Land. Das Start-up Aiways führt aktuell den elektrischen U5 ein. Das SUV ist jetzt bestellbar und soll ab Herbst 2020 an Kunden in Deutschland ausgeliefert werden.

Fazit

Nio war schon früh mit eigenen Fahrzeugen in China auf dem Markt. Die elektrischen SUV sind eigenständig gestaltet, wirken hochwertig – Nio ES6 und ES8 machten selbst bei Praxistests auf deutschen Straßen eine gute Figur. Mit dem passenden Vertriebsmodell und fairen Preisen dürfte die Marke auch in Europa eine Chance haben.

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