Opel Astra als BEV Christian Schulte / auto-motor-und-sport.de
Opel Astra als BEV
Opel-/PSA-Plattformen
Plattform PSA/Opel EMP2
Opel Combo-e 6 Bilder

Astra-e: Kommt der Opel Astra auch als E-Auto?

Kommt ein elektrischer Opel Astra? Ja. Nein. Vielleicht.

Im Windschatten des neuen Peugeot 308 fährt im Herbst 2021 der neue Opel Astra vor. Als klassischer Verbrenner und als Plug-in-Hybrid. Und als BEV? Nicht sofort. Vielleicht auch gar nicht. Vielleicht ist das ja aber auch gar keine schlechte Nachricht.

Soll ja keiner behaupten, bei Opel wäre es langweilig: 2017 wurden die Rüsselsheimer in den PSA-Konzern eingemeindet und seitdem relativ humorlos aber erfolgreich auf Profitabilität getrimmt. Keine vier Jahre später schmiedete PSA-Chef Carlos Tavares per Fusion mit Fiat-Chrysler den neuen Riesen-Konzern Stellantis. Wichtigste Aufgabe für Opel-Chef Michael Lohscheller: Dem Traditions-Autobauer zwischen all den Stellantis-Marken eine gewisse Eigenständigkeit zu bewahren. Eher kein Job, für den Vergnügungssteuer fällig wird. Aber: Neuheiten wie der Opel Mokka zeigen, dass sie in Rüsselsheim kreativ genug sind, um aus den Standard-Zutaten aus dem Konzernregal die eine oder andere automobile Leckerei anzurühren.

PHEV ist fix

Nach dem Mokka dreht sich bei Opel alles um den neuen Astra, im internen Generations-Alphabet mit dem Buchstaben "L” versehen. Der wechselt von der alten GM-Technologie auf die Stellantis-Plattform EMP2 und wird damit zum Technik-Zwilling des Peugeot 308. Wichtig fürs Stammwerk: Mit dem Generationswechsel kommt auch die Astra-Produktion zurück nach Rüsselsheim. Die EMP2-Plattform wurde bei PSA einst als "Multi-Energy-Plattform” eingeführt und hat dieses Versprechen längst eingelöst: Opel Grandland X und Peugeot 3008 sind ebenfalls EMP2-Fahrzeuge und beide, neben den klassischen Verbrenner-Angeboten, auch als leistungsfähige Plug-in-Hybride (PHEV) zu haben. Dass es den nächsten Astra auch als PHEV geben wird, hat Opel-Chef Lohscheller unter anderem im Interview mit auto motor und sport bestätigt. Und mit Blick auf die neuen PSE-Sportmodelle bei Peugeot ist darüber hinaus auch ein Comeback der GSi- oder vielleicht sogar OPC-Opels denkbar.

Opel Combo-e
Opel
In Sachen Plattform sind Opel Combo und der nächste Astra Geschwister. Theoretisch wäre es also möglich, den E-Antrieb des Combo auf für den Astra zu nutzen!

Wieviel Elektro kann die Plattform?

Bleibt noch die Frage nach einem vollelektrischen Opel Astra, bzw. dem dazu passenden e-308. Technisch wären die machbar. Weil die EMP2-Plattform eben nicht nur Plug-in-Hybride und Verbrenner kann, sondern auch batterieelektrische Antriebe (BEV). Die ganzen Stellantis-Kastenwagen (Partner, Combo, Berlingo) bauen ebenfalls auf der EMP2 auf und sind allesamt auch als BEV zu haben. Nachfragen dazu kann man sich sowohl bei Peugeot als auch bei Opel sparen. Mehr als das Bekenntnis zum Plug-in-Hybrid ist offiziell nicht zu bekommen.

Die Zugeknöpftheit ist nicht unüblich, kein Hersteller lässt sich zum falschen Zeitpunkt in die falschen Töpfe schauen. Der Sachverhalt bei Opel, Peugeot bzw. Stellantis hat aber nicht unbedingt nur mit Geheimniskrämerei zu tun, sondern auch ziemlich viel mit der künftigen technischen Aufstellung der Stellantis-Marken und deren Baureihen. Bleiben wir aber zunächst mal bei der technischen Aufstellung der EMP2-Plattform. Nur weil es theoretisch möglich wäre, einen batterielektrischen Astra auf EMP2-Basis auf die Straße zu schicken, heißt das noch lange nicht, dass das auch Sinn ergeben würde. Weil: Was bei PSA, bzw. inzwischen Stellantis als BEV-EMP2-Autos von den Bändern rollt, sind ausschließlich Kastenwagen, bzw. die entsprechend abgeleiteten Familien-Hochdachkombis wie der Opel Combo E Life. Der hat, wie seine Konzern-Geschwister auch, einen 50 kWh großen Lithium-Ionen-Akku zwischen den Rädern und unter der hinteren Rücksitzbank, der einen 136 PS starken Elektromotor an der Vorderachse antreibt. Damit kommt man im Combo maximal auf 130 km/h und eine WLTP-Reichweite von 280 Kilometer. Das grobe technische Setup kennen wir auch aus dem Corsa-e, da sind allerdings 160 km/h und 337 WLTP-Kilometer drin. Werte, mit denen man sich sowohl im Kleinwagen-Segment, als auch bei den Hochdach-Familienkombis absolut sehen lassen kann. Aber auch in der Kompaktklasse?

Knackpunkt Skalierbarkeit

PSA-Plattform eVMP
PSA
Die noch unter PSA-Regie entwickelte neue eVMP-Plattform ist in Sachen E-Antrieb skalierbar. Auf ihr wären auch kompakte Elektro-Opel denkbar.

Vielleicht. Aber wahrscheinlich nur, wenn das die Einstiegs-Variante eines Elektro-Astra wäre. Und genau das ist der springende Punkt. Bislang fehlt die Skalierbarkeit des E-Antriebs, um im nach wie vor umkämpften Kompaktklasse-Segment gegen die Konkurrenz aus Europa und Asien mithalten zu können. Heißt: Aktuell gehen wir davon aus, dass es zumindest beim Opel Astra bei der angekündigten Aufstellung aus Verbrenner-Versionen und PHEV-Modellen bleibt.

Neue Plattform mit mehr Möglichkeiten

Auf eine Weiterentwicklung des E-Antriebs auf EMP2-Basis zu warten, dürfte wenig bringen. Zu aufwändig und zu teuer. Hier kommt nämlich jetzt die Strategie ins Spiel. Um als Stellantis-Konzern weltweit erfolgreich sein zu können, braucht es möglichst wenig Plattformen, die in möglichst vielen Märkten funktionieren. Momentan deutet einiges darauf hin, dass die EMP2-Plattform bei Stellantis langfristig keine Zukunft mehr hat. Noch zu PSA-Zeiten haben nämlich die Arbeiten an einer neuen Plattform begonnen, die in Sachen Elektroantrieb deutlich mehr Flexibilität bieten wird. Die eVMP genannte Plattform (Electric Vehicle Modular Platform) nimmt im gesamten Fahrzeugboden die Batterien auf und stellt so Kapazitäten zwischen 60 und 100 kWh bereit. Bei 50 kWh pro Meter können je nach Karosserielänge zwischen 400 und 650 Kilometer Reichweite nach WLTP realisiert werden. Ganz wichtig: die Plattform ist auch für den Einsatz von Hybrid-Versionen ausgelegt und soll künftig Fahrzeuge aus dem C- und D-Segment – also Modelle der Kompakt- und Mittelklasse – abdecken können.

Weil die eVMP bereits 2023 starten soll, ist sie so etwas wie der Sargnagel für einen elektrischen Astra – zumindest mit Blick auf die kommende Generation Astra L. Was aber noch lange nicht heißt, dass wir uns vorschnell von der Idee eines vollelektrischen Opels in der Kompaktklasse verabschieden sollten. Zwischen Astra und Grandland X ist noch reichlich Platz für einen oder mehrere BEV-Crossover, die sich vor allem mit Blick in die internationalen Märkte deutlich besser vermarkten lassen als so ein klassischer Kompakt-Hatchback. Nicht so wichtig, denken Sie? Von wegen! Nicht ohne Grund hat Opel-Chef Lohscheller mehrfach angekündigt, dass Opel endlich in die Welt hinaus expandieren darf. Das soll mit einem großen Flaggschiff auf eVMP-Basis beginnen, der den legendären Monza beerben wird. In dessen Windschatten haben aber locker diverse kleinere eVMP-Spielarten Platz.

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Fazit

Einen Opel Astra-e können wir für die nächsten Jahre ziemlich sicher ausschließen. Ein aufwändiges und teures Invest in die Weiterentwicklung der EMP2-Plattform ist mit Stellantis-Chef Tavares ganz sicher nicht zu machen. Gegen den einen oder anderen kompakten Elektro-Opel auf Basis der neuen Architektur eVMP wird der extrem auf Synergien und Profitabilität fokussierte Portugiese aber ganz sicher nichts haben. Vor allem dann nicht, wenn sich die neuen Opel dann auch international gut vermarkten lassen.

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