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VW ID.3 (2020), 1st-Serie
VW ID.3 Fahrbericht
VW ID.3 (2020), 1st-Serie
VW ID.3 (2020), 1st-Serie 25 Bilder

VW ID.3 (2020)

Das ist der neue Volks-Stromer

Auf der IAA zeigt VW mit dem ID.3 das erste Modell der neuen ID-Familie. Das kompakte Elektroauto kommt ab Juni 2020 zunächst als umfangreich ausgestattete 1st-Edition mit 420 km Reichweite, später folgen weitere Varianten ab 30.000 Euro. Wir haben alle Infos.

Der ID.3 ist für Volkswagen wichtig. VW will mit diesem Modell eine ähnlich bedeutsame Wende vollziehen wie beim Wechsel vom Käfer zum Golf und auf breiter Front in die E-Mobilität starten. Klares Ziel der Offensive: Bis 2025 soll die Marke Weltmarktführer in der E-Mobilität sein. Somit hängt vom ID.3 viel ab – wie viel, erklärt Vorstandsmitglied (COO) Ralf Brandstätter niedersächsisch nüchtern: „Wenn die E-Mobilität keinen Ertrag abwirft, wird es eng.“ Der Ertrag pro Fahrzeug fällt aber noch überschaubar aus, deshalb ist Masse gefragt: Spätestens 2025 will VW jährlich weltweit eine Million Elektromodelle verkaufen. Der Auftakt muss also passen, weshalb der ID.3 mal eben das beste E-Auto seiner Klasse werden soll.

Drei Varianten der 1st-Serie

Bis er das beweisen kann, dauert es noch, denn erst ab Juni 2020 werden die Kunden beliefert. Ins bestens ausgeleuchtete Fotostudio rollt der VW schon heute. Genauer: eines von den 30.000 Exemplaren der rund 40.000 Euro teuren 1st-Serie mit einer 58-kWh-Batterie für bis zu 420 km Reichweite (WLTP). VW bietet drei Versionen der Startserie an: In der Basiskonfiguration bringt der ID.3 die Sprachsteuerung Voice-Control, ein Navi-System und kostenloses Nachladen für ein Jahr oder bis zu 2.000 kWh mit. Der darüber positionierte 1st Plus kommt zusätzlich mit LED-Matrix-Scheinwerfern (IQ Light) sowie Zweifarblackierung innen und außen daher.

Die Topversion 1st Max ist obendrein mit großem Panorama-Glasdach und einem Augmented-Reality-Head-up-Display ausgestattet, das nicht nur die üblichen Infos wie Geschwindigkeit ins Sichtfeld des Fahrers projiziert, sondern auch weiter vor der Haube Aktionshinweise einblendet, etwa animierte blaue Pfeile als Abbiegeaufforderung des Navis. Optisch befinden sich die Symbole etwa 15 Meter vor dem Auto.

Der ID.3 kommt mit drei Akkugrößen

Batteriekapazität Reichweite (nach WLTP)
45 kWh bis 330 km
58 kWh bis 420 km
77 kWh bis 550 km

Erst wenn die 1st-Serie abverkauft ist, folgen die frei konfigurierbaren ID.3-Modelle ab 30.000 Euro, dann auch mit den weiteren Akku-Optionen. So steht noch eine kleine Variante mit 45 kWh zur Wahl, die eine Reichweite von 330 km ermöglichen soll. Reisetaugliche 550 km verspricht der ID.3 mit dem 77-kWh-Akku.

Die Angst vorm Liegenbleiben auf weiten Strecken verliert so an Bedeutung. Auch lange Zwischenstopps, um den Speicher wieder aufzufüllen, dürfte es beim ID.3 nicht geben, da sich bei 100 kW in 30 Minuten 290 km nachladen lassen. Ohne ständig die Reichweitenanzeige im Blick haben zu müssen, kann man also das sogenannte Play-Pedal – Gaspedal war gestern – durchdrücken. Der Motor an der Hinterachse schiebt dann die Autos der 1st Edition mit 204 PS an, weitere Motorisierungen werden bei den normalen Varianten nachgereicht – etwa ein 150 PS starkes E-Aggregat. Der Vortrieb wird übrigens grundsätzlich bei 160 km/h elektronisch begrenzt.

Auf den ersten Blick wirkt das Auto wie ein kleiner Van, denn der ID.3 sieht höher aus als ein Golf – und ist es auch: Weil der Akku 14 Zentimeter hoch ist, überragt der E-Kompaktwagen den bald erscheinenden Golf VIII um zwölf Zentimeter (1,58 statt 1,46 Meter). Der ID.3 ist genau genommen fast so hoch wie ein Golf Sportsvan.

Neue Wege bei Design und Bedienung

Das ist nicht der einzige Unterschied: Von vorne fällt das kühlerlose Gesicht auf. Die Form der Scheinwerfer hat sich nur unwesentlich zur Studie verändert. Licht sei das neue Chrom, sagt VW-Chef-Designer Klaus Bischoff. Und so zieht sich zwischen den Scheinwerfern noch ein schmales illuminiertes Band. Auch beim Logo hat sich das Kreativteam in Wolfsburg etwas einfallen lassen: Zum Einsatz kommt natürlich das neue Emblem, das auf den 3D-Effekt verzichtet und mit den schmaleren Buchstaben reduzierter wirkt. Auch hier ist die Beleuchtung möglich – aber nicht in Deutschland, ein Leucht-Logo verbietet der Gesetzgeber.

VW ID.3 (2020), 1st-Serie
Neuvorstellung VW ID.3
7:50 Min.

Das Heck fällt kantiger aus als bei der Studie. Dazu passen die eckigen Rückleuchten, die über den Karosserierand gehen und bis ins Seitenteil hineinreichen. In der Seitenansicht ist ähnlich wie beim Golf auch der charakteristische Knick auf Höhe der Fensterlinie zu erkennen, nur fällt er etwas markanter aus. Diese Kante läuft einmal um das Auto herum und soll laut Klaus Bischoff dem Fahrzeug eine zeitlose Note verpassen.

Bei der Anordnung der Instrumente im Innenraum gingen die Entwickler ebenfalls neue Wege. Direkt hinter dem Lenkrad befindet sich ein Digitaldisplay mit flexibler Anzeige, das über ein Bedienelement zur Rechten verfügt, mit dem wie im BMW i3 die Fahrstufen des Getriebes gewählt werden.

Mittig auf dem Armaturenträger sitzt ein etwa 10 Zoll großer Touchscreen mit verschiedenen Apps, den der Fahrer individuell konfigurieren kann. Ein Novum ist der Touch-Slider, eine Mulde im unteren Bereich, in die man den Finger nach links oder rechts schieben und so etwa Lautstärke oder Raumtemperatur stufenlos regeln kann.

Großer Innenraum, hohe Funktionalität

Auch bei der Gestaltung des Innenraums ergaben sich neue Freiheiten, wobei es im ID.3 nicht futuristisch zugeht, VW ist auf dem Boden geblieben und hat damit ein Interieur geschaffen, das vielen zusagen dürfte. Wer sich von der Masse absetzen will, den bietet die Marke mit verschiedenen Farbkombinationen für den Innenraum ausreichend Möglichkeiten. So lässt sich beispielsweise ein dunkles Cockpit mit orangen Applikationen aufpeppen.

Der VW ID.3 in Blochs innovationscheck
45:08 Min.

Vor allem die Funktionalität hatten die Entwickler in Wolfsburg im Blick. Da die Motor-Getriebe-Einheit viel weniger Platz als bei konventionellen Antrieben beansprucht, konnte VW neue Wege gehen. „Von außen hat der ID.3 die Maße eines Golf, von innen die eines Passat“, sagt VW-Designchef Bischoff. Der Radstand ist nur 21 Millimeter kürzer als beim Passat und ermöglicht gerade hinten viel Beinfreiheit. Selbst Großgewachsene genießen ein luftiges Raumgefühl, nur über ihren Köpfen geht es etwas knapper zu. Mit 390 Litern stellt der Kofferraum immerhin rund 100 Liter mehr Volumen bereit als beim aktuellen Golf.

Das geänderte Technikkonzept wirkt sich auch auf die Sitzposition des Fahrers aus. Er thront höher und zugleich entspannter, weil die niedrige Armaturentafel 150 Millimeter weiter entfernt ist als im Golf und der Van-artige Vorbau mit weit ins Dach gezogener Frontscheibe eine großzügige Atmosphäre schafft.

Dazu sorgt VW für die besondere Beziehung zwischen Auto und Kunden: Bewegt sich der Besitzer auf den ID.3 zu, nimmt das Auto das anhand des Schlüssels beziehungsweise des Smartphones wahr (wenn das Auto über die App geöffnet wird) und leuchtet dann mit den Scheinwerfern in die Richtung des Fahrers – der ID.3 schaut ihn sozusagen an.

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Fazit

VW ist es ernst mit der Elektromobilität. Der Konzern bekennt sich zur CO2-Neutralität für 2050 wie im Pariser Klimaabkommen festgelegt. Das heißt auch, dass VW den Verkauf von Modellen mit Verbrennungsmotor 2040 einstellen wird.

Damit ist klar, dass der ID.3 in Golf-Größe nicht viel teurer sein darf als sein Diesel-Pendant. Selbst das erfordert von den Käufern schon Zugeständnisse, denn die reale Reichweite wird die Einstiegsversion nicht zum Vollwert-Auto machen – und die Schnell-Lade-Infrastruktur wird gerade zu Beginn für lange Reisen nicht ausreichen.

Anderseits: Die meisten Menschen fahren zu 80 Prozent nicht mehr als 60 Kilometer pro Tag und die legt der ID. billiger, leiser und umweltfreundlicher zurück. Wie gut er das kann, konnten wir bereits auf einer ersten Probefahrt in einem Vorserienmodell erahnen.

VW ID.3
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