"Ich liebe dieses Auto. Ich liebe diesen Motor." Das waren die Aussagen von George Russell nach dem ersten Grand Prix des Jahres in Australien. Seit dem Bilderbuch-Auftakt am 8. März ging es für den 28-Jährigen aber bergab. In der WM-Wertung liegt er seit dem Monaco-GP (7.6.) nur noch auf Rang drei.
Schnell kamen Gerüchte auf, dass der Engländer für 2027 durch Max Verstappen ersetzt werden könnte. "Es gibt noch keine Bestätigung, aber ich bin zu 100 Prozent nächstes Jahr hier", beendete Russell in Spielberg (25.6.) gegenüber englischen Medien die Spekulationen. "Das wurde [mit Toto Wolff] noch nicht einmal besprochen. Wir müssen darüber nicht sprechen. Es steht überhaupt nicht zur Debatte. Ich möchte nicht näher darauf eingehen, aber ich werde nächstes Jahr noch hier sein, und das ist eine Tatsache."
Für Verstappen wäre somit kein Cockpit bei den Silberpfeilen frei. Es ist kaum vorstellbar, dass Mercedes den WM-Führenden Kimi Antonelli nach dem Durchbruch in dieser Saison austauschen wird. Trotz des Ausfalls in Barcelona hat der Italiener noch 41 Punkte Vorsprung auf Lewis Hamilton (Ferrari) und noch mehr auf seinen Teamkollegen.

Ferrari bringt regelmäßig Updates und schließt die Lücke zu Mercedes.
Zeitpunkt der Upgrades entscheidet
Russell erbte Platz zwei, doch gegen Lewis Hamilton hatte er keine Chance. "Es war ein Realitäts-Check", sagte der einstige Top-Favorit auf den WM-Titel auf der offiziellen Pressekonferenz am Donnerstag (25.6.) vor dem anstehenden Österreich-GP (28.6.). "Ferrari hatte schon immer ein gutes Chassis. Bei der Power Unit waren sie hinter uns. In Barcelona waren sie aber näher dran, was die Geschwindigkeit auf den Geraden angeht."
Einen Grund für die starke Performance des Gegners hat der Brite bereits festgestellt. "Ferrari bringt auch immer neue Teile. Und jedes Mal, wenn du neue Teile bringst, machst du Fortschritte." Auch Mercedes hat schon Upgrade-Stufen an den W17 geschraubt. Unter anderem in Kanada Mitte Mai. "Wir haben auch etwas in der Pipeline. Aber Ferrari und McLaren bringen alle paar Rennen neue Teile."
Was sich auf den ersten Blick nach einer Kritik des Fahrers anhört, hat einen anderen Hintergrund: "Es ist nicht so leicht, dauernd Upgrades zu bringen wegen der Budgetgrenze. Es geht auch darum, zum richtigen Zeitpunkt die Updates zu bringen", erläutert Russell die Strategie der Silberpfeile.
Nach zwei Nullern fuhr der sechsmalige GP-Sieger in Barcelona wieder in die Punkte. Bis zum zweiten Stint sah er wie der Sieger aus. "In Spanien war ich am Freitag und Samstag sehr glücklich mit dem Auto. Davor sind viele Dinge gegen mich gelaufen. Leider hatten wir im Rennen ein Problem mit dem Frontflügel. Und Ferrari hat davon profitiert. Aber wir sind immer noch die Messlatte."

George Russell hat WM-Gegner Lewis Hamilton für seine Leistungen gelobt.
Keine Panik bei Russell
Aber wie lange ist Mercedes noch der Favorit? Ferrari bringt in Österreich das erste Upgrade am Motor. Das steht der Scuderia laut des ADUO-Mechanismus zu. Es soll ein kleines Leistungsplus bringen, aber nicht 20 PS, wie einige italienische Journalisten verkündet hatten.
Dennoch muss man mit der Scuderia nach dem Barcelona-Sieg rechnen und vor allem mit Russells altem Teamkollegen: "Es ist super, Lewis dabei zu sehen, was er am besten kann. Die Formel 1 ist so komplex. Alles muss passen. Sonst kannst du nicht performen. Die Leute haben ihn in den letzten Jahren kritisiert. Und seit vier, fünf Rennen fährt er sensationell. Wenn alles passt, fliegst du. Und das zeigt er gerade und ist eine echte Gefahr. Ferrari kommt", schüttete Russell Lob für seinen Landsmann aus.
Der ehemalige Williams-Pilot muss nun mit zwei WM-Gegnern kämpfen. Zu Beginn der Saison schien es auf einen Zweikampf zwischen Russell und Antonelli hinauszulaufen. "Nichts macht mich nervös. Es begeistert mich, wenn wir mehr Leute haben, die gegeneinander kämpfen. Das ist wie im Kart früher, als wir gegen mehr gefahren sind."

Der Zweikampf der Mercedes-Piloten in Barcelona kostete im Kampf gegen Ferrari viel Zeit.
Mercedes-Sieg hat Priorität
Für den Kommandostand macht es der Ferrari-Aufschwung aber schwieriger. "Der Sieg für das Team hat Priorität. In Kanada haben Kimi und ich richtig hart gegeneinander gekämpft, aber wir sind davongezogen. In Barcelona war mit Lewis ein weiterer Gegner vorhanden. Da müssen wir schlau sein", sprach sich Russell für eine angepasste Team-Taktik aus. Demzufolge hätte er in Barcelona zur Seite fahren müssen. Antonelli war ab dem zweiten Stint wieder der schnellere Silberpfeil-Chauffeur.
Der Defekt kurz vor Schluss am Auto von Antonelli war erneut auf die Batterie zurückzuführen. Andernfalls würde der Vorsprung auf Russell nicht 50, sondern 71 Punkte betragen. Allerdings hatte auch Russell in Kanada ebenfalls einen Ausfall wegen der Batterie zu verkraften.
Defekt-Hexe bei Mercedes
"Wenn ein neues Reglement kommt, pushst du natürlich ans Limit. Es geht darum, die Balance zu finden." Technik-Chef James Allison hatte bereits angekündigt, dass Mercedes an Lösungen arbeite. In Österreich gibt es das erste Upgrade, das die Zuverlässigkeit steigern soll.
Die Analyse hat bei Russells Defekt jedoch einen Haken: "Meine Batterie aus Kanada ist noch auf dem Schiff, weil wir sie nicht per Flugzeug transportieren durften", erklärt der F1-Fahrer.
Einfluss auf seine mentale Verfassung sollen die technischen Defekte nicht nehmen. "Ich werde mich nicht von Dingen stressen lassen, die ich nicht kontrollieren kann. Ich hoffe natürlich nicht, dass sie [Ausfälle] die WM beeinflussen. Aber es kann passieren. Das haben wir in der Vergangenheit gesehen. Aber ich werde deshalb nicht meinen Schlaf verlieren." Und auch nicht wegen eines möglichen Austauschs der Teamleitung durch Max Verstappen.












