Normalerweise ist die Fahrerparade in der Formel 1 eine relativ dröge Angelegenheit. Vor den meisten Rennen werden die 22 Piloten einfach auf einem offenen Tieflader zusammengepfercht, von wo sie dann den Fans winken können. Früher wurden die Stars der Königsklasse noch regelmäßig mit Oldtimern um die Strecke chauffiert. Doch nach einigen Defekten mit Ölverlust hat man diese Tradition bei den meisten Grand-Prix-Wochenenden eingestellt.
Dafür scheint sich nun eine neue Tradition zu entwickeln. Im vergangenen Jahr bekamen die Piloten in Miami zum ersten Mal Miniatur-Autos für die Parade-Runde zur Verfügung gestellt. Die Kart-ähnlichen Gefährte basierten auf einem Stahlrahmen, der mit Lego-Steinen verkleidet wurde. Ein kleiner Elektro-Motor hat die Spielzeug-Rennwagen dann angetrieben.
Jedes Team erhielt damals nur ein aufgebautes Auto. Das hieß: Die Teamkollegen mussten sich ihr Gefährt teilen. Wer nicht schnell genug war, musste hinten Platz nehmen und durfte nicht lenken. Trotzdem wurde die Nummer für alle Beteiligten zu einer riesigen Gaudi. Am Ende artete die Fahrerparade in ein kleines Rennen aus, bei dem sich die Piloten heiße Zweikämpfe lieferten. Dabei blieben einige Lego-Steine auf der Strecke. Die spektakulären Bilder finden Sie noch einmal in der Galerie.

Jeder Pilot bekommt seinen eigenen Lego-Renner mit Startnummer.
Ein Lego-Auto für jeden Fahrer
In Silverstone könnte dieses Spektakel an diesem Wochenende sogar noch übertroffen werden. Statt ein Auto für jedes Team zu bauen, stellen die Lego-Verantwortlichen nun jedem Piloten ein eigenes Wägelchen zur Verfügung. Die Rennwagen bestehen jeweils aus 28.000 Steinen und sind damit etwas kleiner als die von Miami. Dafür wurden 22 Stück gebaut, was für viel Betrieb auf der Strecke sorgen dürfte.
Die meisten Piloten freuen sich bereits auf das Spektakel: "Ich bin schon ganz aufgeregt", grinste Lando Norris in der Pressekonferenz am Donnerstag (2.7.). "Es wäre noch interessanter, wenn die Dinger 600 PS hätten", fügte Lance Stroll an. "Dann würden aber am Ende alle Fahrer im Krankenhaus landen", gab Gabriel Bortoleto zu bedenken.
Der erste Versuch mit den Lego-Autos auf der Fahrerparade in Miami gab den Fans bereits einen Vorgeschmack, was sie am Sonntag in Silverstone erwarten können. Die Ausfahrt erinnerte am Ende mehr an Auto-Scooter als an eine gemächliche Einführungsrunde für die Zuschauer. Einige Piloten fuhren dabei mit dem Messer zwischen den Zähnen. Nicht alle Autos schafften es ins Ziel.

Die Geschwindigkeit der Lego-Autos ist auf 25 km/h begrenzt.
Fahrer-Parade wird Destruction-Derby
"Das hat so viel Spaß gemacht letztes Jahr", erinnert sich Bortoleto. "Wir machen die Fahrerparade sonst nur auf den Trucks. Es ist schön, mal etwas Abwechslung zu haben." Weltmeister Norris erwartet wieder Chaos: "Jeder, der es zurück zu Start/Ziel schafft, ist schon ein Gewinner. Ich finde es gut. Es ist mal etwas anderes. Wenn die ganze Nummer sicher ist und wir uns alle benehmen, wird das eine spaßige Ausfahrt."
Einige Piloten haben aber schon angekündigt, dass das mit dem Benehmen eher schwierig werden könnte. Racing-Bulls-Rookie Arvid Lindblad durfte letztes Jahr in Miami noch nicht mitmischen. Für ihn ist die Lego-Fahrerparade in Silverstone eine Premiere: "Ich habe mich richtig gefreut, als die Nachricht kam, dass wir die Lego-Autos fahren dürfen. Ich glaube nicht, dass es bei dem Rennen um den Sieg geht. Es geht nur um Spaß. Das Ziel ist die maximale Zerstörung."

Jedes Lego-Auto wiegt 260 Kilogramm. Die Lego-Steine machen alleine 65 Kilogramm aus.
Bottas mit spezieller Taktik
Auch Lewis Hamilton erwartet chaotische Zustände: "Das wird der gefährlichste Teil des ganzen Rennwochenendes. Letztes Jahr habe ich Charles (Leclerc) ans Lenkrad gelassen. Das war einfach total lustig, dabei zuzuschauen, wie sich alle gegenseitig in die Kiste gefahren sind. Ich weiß aber noch nicht, ob ich das wirklich noch einmal mitmachen sollte."
Valtteri Bottas hat nach seinem Jahr Pause in der Vorsaison noch keine Erfahrung mit Lego-Rennwagen. Der Finne kündigte an, die ganze Sache ernster anzugehen: "Ich habe mir das letztes Jahr in Miami aus der Ferne angeschaut. Alle Autos sind auf 25 km/h gedrosselt. Deshalb wird der Schlüssel zum Sieg sein, eine möglichst kurze Distanz zu fahren. Meine Strategie lautet also, überall abzukürzen – und einen Windschatten zu nutzen."
Fans können sich den Spaß am Sonntag (5.7.) in der frei abrufbaren Vorberichterstattung auf dem offiziellen YouTube-Kanal der Formel 1 anschauen. Um 14.00 Uhr deutscher Zeit soll das Spektakel beginnen.












