Formel 1: Risiko bei McLaren - Upgrades bis Baku, und was dann?

McLaren geht volles Risiko
Upgrades bis Baku, und was dann?

GP Aserbaidschan 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 06.08.2026
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Lando Norris - McLaren - GP Ungarn 2026
Foto: McLaren

Bei McLaren blickt man auf eine abwechslungsreiche erste Saisonhälfte zurück. Das Weltmeisterteam konnte die starke Form der vergangenen beiden Jahre nicht ganz in die neue Reglement-Ära übernehmen. Für den problematischen Start in das Jahr 2026 gab es allerdings auch gute Gründe, wie Technik-Direktor Neil Houldey erklärt.

"Unser Launch-Auto lieferte uns eine ordentliche Basis. Wir haben gute Entscheidungen in den Bereichen getroffen, die sich im Laufe des Jahres nicht mehr ändern lassen, wie zum Beispiel die Aufhängungen. Leider war das Auto nicht so schnell, wie wir gerne hätten. Das lag auch dran, dass wir letztes Jahr unbedingt den WM-Titel absichern wollten und andere schon früher mit dem 2026er-Auto anfangen konnten. Die verlorene Zeit mussten wir zu Beginn des Jahres aufholen."

Ein Thema war zum Beispiel das Gewicht. Der MCL40 hatte bei der Geburt ein paar Kilogramm zu viel auf den Rippen. "Da muss man immer eine gute Balance finden", erklärt Houldey. "Wenn man untergewichtig ist, kostet das auch Performance. Dann verzichtet man zum Beispiel auf Komponenten, die einen schneller machen, oder man macht Abstriche bei der Steifigkeit. Deshalb versucht man immer nur leicht unter das Mindestgewicht zu kommen."

Oscar Piastri - McLaren - GP Ungarn 2026
McLaren

McLaren mit alten Schwächen

Schon bei den Wintertestfahrten konnten die Ingenieure einige Bereiche identifizieren, in denen sich Gewicht einsparen ließ. Bis zum ersten Rennen in Melbourne speckte der MCL40 so viel ab, dass er am Limit lag. Ärgerlicherweise sorgten dann jedoch einige Probleme mit der Power Unit für ungeplante Standzeiten und Ausfälle. Manchmal lag es an Motorenpartner Mercedes, manchmal musste sich McLaren an die eigene Nase fassen.

Es dauerte eine Weile, bis der Weltmeister-Express wieder Fahrt aufnahm. Interessanterweise stellten die Ingenieure schnell fest, dass der Neuwagen trotz großer Reglement-Änderungen einige gute und schlechte Charakter-Eigenschaften seiner Vorgänger übernommen hatte. So richtig können auch die Techniker nicht erklären, wie das passieren konnte.

"Da haben wir noch nicht alle Antworten gefunden", gibt Houldey zu. "Es könnte dran liegen, dass die Fahrer bestimmte Eigenschaften fordern. Es hängt aber wohl auch mit unseren CFD-Simulationen und Windkanal-Tests zusammen. Das Auto macht auch deshalb XYZ, weil wir immer bei der Entwicklung ABC für die richtige Methode halten. Andere Teams glauben vielleicht, dass man Rundenzeit in anderen Bereichen findet. Die entwickeln dann in diese Richtungen."

Neil Houldey - McLaren - Formel 1 - 2026
McLaren

Weltmeister findet in die Spur

Obwohl die Basis des MCL40 gesund war, fehlte in den ersten Rennen noch etwas Performance. Doch McLaren konnte schon in den letzten Jahren beweisen, dass man ein Auto im laufenden Betrieb weiterentwickeln und sich im Kräfteverhältnis nach oben arbeiten kann. Bei der Herangehensweise unterschied sich das 2026er-Modell nicht viel von seinen Vorgängern. Die Ingenieure konzentrierten sich mit ihren Upgrades vor allem auf die Flügel, den Unterboden und die Verkleidungsteile.

"Wir haben mit der Zeit ein besseres Verständnis bekommen, wo sich Performance holen lässt", verrät Houldey. "Das sogenannte Floor-Board war einer dieser Bereiche. Auch beim Unterboden vor den Hinterrädern konnten wir Änderungen vornehmen, ohne dass es negative Einflüsse auf den Rest des Unterbodens hatte. Mit Änderungen an diesen Stellen konnten wir gute Fortschritte erzielen. Wir haben auch gelernt, wie man mehr aus den Reifen holt. In diese Richtung haben wir dann Upgrades gebracht."

Nach und nach fand McLaren immer besser in die Spur. Die Piloten sind aber noch nicht ganz zufrieden mit ihren Dienstwagen. Houldey gibt zu, dass der MCL40 im Grenzbereich noch etwas zickig ist. Hier will man auf jeden Fall noch einmal Hand anlegen, um den Fahrern ein besseres Gefühl im Cockpit zu geben. Trotzdem reichte es wie erwähnt schon zum ersten Saisonsieg in Budapest. Lando Norris gewann am Hungaroring souverän mit 15 Sekunden Vorsprung.

Lando Norris - McLaren - GP Ungarn 2026
McLaren

Wie lange bleibt McLaren im WM-Kampf?

Ein gutes Rezept, um den Piloten die Arbeit zu erleichtern, ist einfach mehr Abtrieb aufs Auto zu packen. Allerdings muss man dabei auch immer ein Auge auf die Top-Speeds haben. Laut Houldey war das Werksauto von Mercedes in der ersten Saisonhälfte regelmäßig schneller auf den Geraden. Die Ingenieure müssen also idealerweise Anpressdruck finden, ohne dabei den Luftwiderstand zu erhöhen.

Während einige Konkurrenten ihr Upgrade-Pulver schon verschossen haben, will McLaren nach der Sommerpause noch einmal richtig nachlegen. "In den nächsten Rennen haben wir jeweils kleinere Upgrades geplant", verrät Houldey. "Dann soll noch einmal etwas Größeres für das Rennen in Baku kommen. Wie es danach weitergeht, hängt auch davon ab, ob wir bei der Aerodynamik-Entwicklung nach der Sommerpause gute Performance-Schritte finden. Dann entscheiden wir, ob es sich lohnt, für den Endspurt der Saison noch ein Paket zu bauen oder ob wir unseren Fokus lieber auf das nächstjährige Auto legen."

Der Zeitpunkt für den Switch zum 2027er-Projekt hängt auch noch von anderen Faktoren ab: "Wir schauen natürlich genau drauf, wo wir stehen, wo unsere direkten Gegner stehen und welche Möglichkeiten es noch gibt", so Houldey. Das heißt übersetzt: Wenn McLaren noch eine Chance sieht, den WM-Titel anzugreifen, wird man eher bereit sein, das Auslaufmodell noch etwas länger aufzurüsten.

Lando Norris - McLaren - GP Ungarn 2026
McLaren

Kalender sorgt für Unsicherheit

Die Ingenieure müssen hier die richtige Balance finden: "Ich sehe gute Chancen, dass es uns gelingt auch nach Baku ein paar Upgrades zu bringen, die noch mehr Performance aus dem aktuellen Auto rausholen, ohne dass die Entwicklung des nächstjährigen Autos zu negativ zu beeinflusst wird. Dabei handelt es sich eher um Neuteile, die man einfach austauschen kann und nicht um große Layout-Geschichten wie zum Beispiel beim Bodywork."

Eine Variable in der Berechnung, ob Last-Minute-Upgrades dieses Jahr noch sinnvoll sind, steckt im Rennkalender. Noch ist nicht klar, ob die beiden Finalrennen in Katar und Abu Dhabi überhaupt stattfinden. Neue Teile lohnen sich natürlich nur, wenn sie auch bei einer bestimmten Zahl von Grand-Prix-Wochenenden zum Einsatz kommen.

Serienboss Stefano Domenicali hat angekündigt, dass bei einem möglichen Ausfall der beiden Rennen in der Golf-Region noch ein Ersatz-Termin in Europa eingeplant ist. Dabei müssen die Teams mit sehr kühlen Bedingungen rechnen. Kleinere Aero-Upgrades dürften da weniger eine Rolle spielen als Setup-Lösungen, mit denen die Fahrer ihre Reifen ins Arbeitsfenster bringen. Ende September sollte die Kalenderfrage gelöst werden. Spätestens dann muss auch in Woking die Entscheidung zum Entwicklungsfahrplan fallen.

Fazit