Formel 1: Neue Regel - Das ist die Lösung gegen Zielankünfte hinter dem Safety-Car!

Zielankunft im Bummeltempo
Das ist die Lösung für das Safety-Car-Problem!

GP Großbritannien 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.07.2026
Als Favorit speichern
Safety-Car  - GP England 2026 - Silverstone - Formel 1
Foto: xpb

46 Runden lang bekamen die Zuschauer in Silverstone einen packenden Grand Prix mit vielen überraschenden Wendungen geboten. Auf den Tribünen und an den TV-Geräten fieberten die Fans gespannt einem dramatischen Finale entgegen. Doch dann bummelte das Feld mit Halbgas fünf Runden lang hinter dem Safety-Car der Zielflagge entgegen.

Der Highspeed-Abflug von Max Verstappen, die aufwändige Bergung des Red Bulls aus dem Kiesbett und die lange Zeit, bis die überrundeten Fahrzeuge endlich grünes Licht zum Überholen bekamen, führte zu viel Frust bei den Fans.

Kurz sah es so aus, als würde die Rennleitung das Rennen in der letzten Runde doch noch einmal freigeben. Die Meldung wurde auf dem Monitor aber schnell wieder korrigiert. Es handelte sich nach Angaben der FIA um eine Falschinformation, ausgelöst durch einen Software-Fehler im System. So führte Bernd Mayländer die Formel-1-Karawane in gemächlichem Tempo in die Schlussrunde. Bis zur Zielflagge herrschte Überholverbot.

Die Rennleitung betonte, dass man sich beim Ablauf strickt an die Regeln gehalten habe – anders als beim kontroversen Saisonfinale 2021 in Abu Dhabi. Natürlich will niemand, dass die Schiedsrichter per Knopfdruck über Sieg oder Niederlage entscheiden, so wie es beim WM-Duell zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton vor fünf Jahren der Fall war. Der Ablauf einer späten Safety-Car-Phase muss also klar geregelt sein.

Max Verstappen - Red Bull - GP England 2026 - Silverstone - Formel 1
xpb

Rückrunden muss schneller gehen

Aber dass der Sieger durch eine Neutralisation vorzeitig feststeht, kann den Verantwortlichen auch nicht gefallen. Silverstone vermeldete dieses Jahr eine Rekordkulisse. Viele der Zuschauer dürften sicher nicht ganz zufrieden nach Hause gereist sein. Es ist fraglich, ob sie kommendes Jahr noch einmal hunderte Pfund für die Tickets ausgeben.

Bei der Frage, wie man das Problem beseitigen kann, muss man natürlich immer sicherstellen, eine Lösung zu finden, die für alle fair ist. Klar ist allerdings auch, dass einige Piloten bei einem Safety-Car immer etwas verlieren und andere etwas gewinnen. Ein gewisser Glücksfaktor gehört zum Motorsport einfach dazu. Das ist allen Fahrern und Fans bewusst.

Der größte Kritikpunkt in Fällen wie in Silverstone ist die aufwändige Prozedur beim Rückrunden der Hinterbänkler. Sie kostete am Ende so viel Zeit, dass ein Wiederanpfiff nicht mehr möglich war. Als Lehre aus dem Abu-Dhabi-Debakel von 2021 wurde das Reglement so geändert, dass das Feld den Zielstrich nach dem Rückrunden noch mindestens ein Mal hinter dem Safety-Car passieren muss.

Safety Car - GP Abu Dhabi 2021 - Rennen
Wilhelm

Übernahme der IndyCar-Regeln

Um die Neutralisation zu verkürzen, muss die richtige Reihenfolge also schneller hergestellt werden, als es bisher der Fall ist. Die Formel 1 könnte sich hier ein Beispiel an der IndyCar-Serie nehmen. Hier werden die überrundeten Autos bei späten Gelbphasen einfach kurz in die Boxengasse geschickt. Sie dürfen sich anschließend wieder hinten einreihen.

Man könnte die Hinterbänkler natürlich auch einfach auffordern, sich auf der Strecke im Safety-Car-Zug zurückfallen zu lassen. Das würde schneller gehen, als wenn sich die überrundeten Autos mühsam von hinten nach vorne arbeiten und danach eine ganze Runde auf den Rest aufholen müssen.

Der Vorschlag ist nicht neu. In Diskussionen mit den Verantwortlichen wird aber immer wieder das Problem der Zeitnahme vorgeschoben. Es wird stets behauptet, dass es extrem kompliziert sei, die Software so umzuschreiben, dass die Reihenfolge und die Abstände nach einem absichtlichen Zurückfallenlassen korrekt angepasst werden. Man will den Fahrern ja eine Runde schenken, die sie aber nie absolviert haben.

In diesem Fall hätte ich aber auch kein Problem damit, wenn man den überrundeten Piloten die Runde einfach nicht schenkt. Natürlich wäre das nicht ganz fair, wenn man die langsamen Autos künstlich noch weiter nach hinten schiebt. Aber im Sinne des Sports wäre das meiner Meinung nach vertretbar, so lange die Reihenfolge nicht verändert wird. Wer so langsam ist, dass er überrundet wird, darf sich nicht beschweren.

Rote Flagge - GP Niederlande  - Zandvoort - 2025
xpb

Rote Flagge löst alle Probleme

Eine schnellere Rückrundungsprozedur kann aber nicht komplett verhindern, dass ein Rennen hinter dem Safety-Car beendet wird. Bei Unfällen knapp vor der Zielflagge dauert oft schon die Bergung zu lange. Hier hilft nur eine Lösung: Die Rennleitung sollte das Rennen abbrechen und nach Abschluss der Arbeiten neu starten. In der Boxengasse könnte man dann auch einfach die Reihenfolge mit den überrundeten Fahrzeugen neu sortieren.

Die Traditionalisten werden jetzt aufschreien. Und ja, natürlich ist ein rote Flagge immer ein künstlicher Eingriff in das Rennen. Dabei kann es vorkommen, dass einige Fahrer benachteiligt und andere bevorteilt werden. Wenn das Rennen anschließend mit einem stehenden Start fortgeführt wird, besteht die Gefahr, dass sich in letzter Minute noch einmal größere Verschiebungen ergeben.

Ich bin aber der Meinung, dass der Sport hier nicht der Show geopfert wird. Bei einer roten Flagge können sich alle Fahrer neue Reifen holen und kleinere Schäden an ihren Autos reparieren. An der Reihenfolge wird nichts geändert. Die Abstände wären auch bei einer normalen Safety-Car-Phase eingedampft worden. Jeder beginnt also wieder mit der gleichen Chance. Auch wenn der Führende natürlich mehr zu verlieren hat als die Autos dahinter.

Sport ist auch immer Entertainment. Ohne Zuschauer gibt es keinen Sport. Meiner Meinung besteht hier also dringender Handlungsbedarf. Ich bin mir sicher, dass bei einer Umfrage unter den Zuschauern in Silverstone eine Mehrheit für eine Unterbrechung und einen Restart votiert hätte – obwohl die britischen Fans eher zu den Traditionalisten gehören, für die fairer Rennsport Priorität hat.

Fazit