Normalerweise ist das Echo im Fahrerfeld geteilt, wenn nach den Auswirkungen des dieses Jahr eingeführten Hybrid-Antriebs auf den Fahrspaß gefragt wird. Doch in Silverstone waren sich ausnahmsweise mal alle Piloten einig. Der britische Traditionskurs wird sich deutlich anders anfühlen als in den letzten Jahren. Der Reiz geht dabei verloren, befürchten die Stars der Königsklasse.
Normalerweise ist das "Home of British Motorsport" eine der anspruchsvollsten Pisten im Kalender. Viele Mutkurven und die Kombination schneller Richtungswechsel machten Silverstone stets zu einer Herausforderung für Mensch und Maschine. Nach den ersten Runden in den Simulatoren ist aber zu erwarten, dass die Kurvengeschwindigkeiten mit der aktuellen Fahrzeuggeneration deutlich sinken werden.
Vor allem in der spektakulären Passage Maggotts, Becketts und Chapel, wo früher schnelle und präzise Lenkradarbeit gefragt war, sinkt der Schwierigkeitslevel. "Das ist jetzt nur noch ein Generator, um elektrische Energie zu produzieren", winkte Fernando Alonso spöttisch ab. Statt am Limit durch die schnellen Kurven zu ballern, müssen die Piloten ihren Gasfuß künstlich zügeln, um die Batterien für die anschließende Gerade zu füllen.

Max Verstappen befürchtet, dass Silverstone den Reiz verliert.
Neue Autos passen nicht zu Silverstone
"So wie diese Autos ihre Power generieren, passt dieses Layout einfach nicht zur aktuellen Rennwagen-Generation", erklärt Max Verstappen. "Mangels harter Bremspunkte kann man einfach nicht genug Energie rekuperieren. Und wenn man nur den Verbrennungsmotor zur Verfügung hat, gibt es einfach nicht genug Power."
Der Niederländer gilt als einer der größten Kritiker des aktuellen Reglements. In Silverstone erwartet Verstappen den negativsten Effekt des ganzen Jahres: "Einige Kurven haben sich total verändert. Das macht die Sache deutlich einfacher. Auf der anderen Seite ist es etwas schmerzhaft, weil alle Inputs des Fahrers nun einen größeren Unterschied machen. Das ist am Ende aber nicht besonders aufregend."
Mit Nachbesserungen beim Energie-Management, die zum Miami-Grand-Prix eingeführt wurden, hatten die Formel-1-Verantwortlichen versucht, die Situation etwas zu entschärfen. Dabei wurde zum Beispiel das Rekuperationslimit in der Qualifikation um ein Megajoule gesenkt, damit die Fahrer nicht mehr so oft lupfen müssen und das Super-Clipping nicht so häufig einsetzt.
Laut Verstappen hat die Maßnahme nicht wirklich geholfen: "Es ist noch weit entfernt, dass sich das Fahren wieder natürlich anfühlt, besonders auf einem Layout wie hier in Silverstone. Auch in Österreich hat man in Kurven Dinge gemacht, die nicht normal waren. Nächstes Jahr wird es ein kleines bisschen besser. Aber mit dem, was wir haben, müssen wir Fahrer uns anpassen."

Die Strecke in Silverstone hat viele schnelle Passagen, aber nur wenige harte Bremspunkte zu bieten. Das passt nicht zu den aktuellen Autos.
Rekuperations-Limit noch einmal gesenkt
Mit den Miami-Änderungen wurde auch für Silverstone die Energie-Menge reduziert, die maximal pro Runde in die Speicher geladen werden darf. Von ursprünglich 8,5 Megajoule sank das Limit auf 7,5 Megajoule. Doch als am Donnerstagmittag immer noch kein Datenblatt mit den aktuellen Energie-Vorgaben von der FIA verschickt wurden, konnte man sich schon denken, dass noch einmal über die Limits diskutiert wird.
Nach den Erfahrungen aus ihren Simulatoren waren die Teams auf die Regelhüter zugekommen, um die Situation noch weiter zu entschärfen. Um kurz nach 19 Uhr Ortszeit veröffentlichte die FIA dann endlich das sogenannte "Power Unit Dokument". Darin vermerkt war, dass die Ladeleistung in der Sprint-Quali und im richtigen Qualifying noch einmal um ein Megajoule auf 6,5 MJ reduziert wird.
Die Teams müssen ihre Energie-Strategien nun schnell an die neuen Regeln anpassen. In der Vorbereitung hatten alle noch mit dem alten Wert geplant. Auch die Fahrer müssen sich anpassen. Schneller werden die Rundenzeiten dadurch übrigens nicht. Die Maßnahme führt nur zu weniger "Lift and Coast" und "Superclipping". Große Jubelsprünge sind von den Piloten nicht zu erwarten.












