BMW M3 Touring Front M340i Retusche BMW / Patrick Lang
BMW M3 E30 Pickup
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BMW M3 E30 Pickup 86 Bilder

BMW M3 Touring

Kommt der Power-Kombi aus München?

Es gab ihn noch nie, den sportlichsten 3er mit Kombi-Heck. Ist es bei der sechsten Generation (2020) endlich so weit? Was dafür spricht, was dagegen, was BMW M sagt.

Tatsächlich gab es die Gerüchte um einen M3 Touring nahezu bei jeder Generation, von der ersten (E30) vielleicht mal abgesehen. Tatsächlich gebaut hat ihn BMW allerdings bislang nie. Im September 2020 debütiert der M3 auf Basis des neuen 3ers (G80) zusammen mit dem zweitürigen M4 (G82), der überhaupt erst seit dem Vorgänger (F82) so heißt. Und tatsächlich verkauft sich das Coupé besser als der Viertürer mit der legendären Original-Typbezeichnung.

Warum also nicht eine weitere Karosserievariante für den M-Bestseller und wie Audi (RS4 Avant) oder Mercedes (C63 AMG T-Modell) Kasse machen bei Kunden, die sportlich fahren wollen und Transportbedürfnisse haben, die über das hinausgehen, was Limousine, Coupé und Cabrio zu bieten haben? Natürlich gibt es auch jetzt wieder das Gerücht, dass BMW an einem M3 Touring arbeitet, der frühestens 2021 anrollen würde. Aber eine Kombi-Variante hat sich bislang aus Sicht von BMW offenbar nicht gerechnet.

Wie groß ist der Aufwand fürs Kombiheck?

Klingt für den Laien erstmal erstaunlich: Die Technik die den Unterschied macht steckt, beim M3 doch vorwiegend unter dem Blech und da treiben die Münchner seit jeher enormen Aufwand, verwenden unzählige andere Teile als in den AG-Autos. Motor, Achsantrieb, Schaltung, Aufhängung, Federn, Dämpfer – alles war bislang M-spezifisch und wird es auch beim neuen wieder sein. Da gibt es demnächst sogar eine Allrad-Variante mit Automatik neben dem Handschalter mit Heckantrieb. Könnte sich doch lohnen, das alles für mehr als drei Karosserievarianten zu verwenden, oder?

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Könnte. Allerdings braucht jede Karosserievariante mit anderem Gewicht und anderem Schwerpunkt auch eine andere Fahrwerksabstimmung – etwas, worin die M GmbH stets besonders viel Aufwand auch in Form von Testkilometern investiert. Außerdem ist beim M3 sogar die Karosse nur mehr bei Türen und Heckdeckel mit der Ausgangsbasis gleich. Die Spur ist breiter, die Radhäuser entsprechend auch – mehrere Zentimeter sogar.

Wer will überhaupt noch Kombis?

Trotzdem: Das Nein zum Kombi muss mit einer ziemlich düsteren Stückzahlprognose zu tun haben. Andererseits wird BMW vom aktuellen M3/M4/Cabrio am Ende der Laufzeit erstmals sechsstellig verkauft haben. Da sollte es doch, eine mindestens gleich große Kundenschar fürs neue Modell vorausgesetzt, selbst bei niedrigem Modellmix-Anteil möglich sein, den M3 Touring in einer Größenordnung zu verkaufen, die den Aufwand rechtfertigt.

Was BMW bislang vom Gegenteil hat ausgehen lassen, hat vor allem mit den Haupt-Absatzmärkten für das meistverkaufte M-(Core-)Modell zu tun. Von der fünften Generation gingen etwa 45 Prozent in die USA, je 10 Prozent nach Deutschland und Großbritannien. Der Rest verteilt sich einigermaßen gleichmäßig auf andere Länder.

Die Hauptmärkte von M3/M4 stehen auf Stufenheck

Das ist wenig ermutigend für Kombi-Varianten im Allgemeinen. Denn in den USA haben erst Vans und dann die SUVs den klassischen Kombis den Gar ausgemacht. Das Segment ist in den Vereinigten Staaten tot, selbst Volkswagen hat dort 2019 seine letzten beiden Variant-Modelle vom Markt genommen. Der Kombi ist ein europäisches Phänomen, verliert aber selbst hier an Marktanteil. 2018 lag der Marktanteil der Kombis laut Jato Dynamics noch bei 11 Prozent, Marktbeobachter prognostizieren aber, dass das Segment bis 2025 um ein Viertel schrumpft. Das passiert nicht homogen. So hatte Italien beispielsweise 1999 noch einen Kombianteil von 15 Prozent im ersten Halbjahr 2019 waren er nur mehr 5 Prozent. In England ebenfalls. Übersetzt auf den M3 wären das von etwa 10.000 M3/M4, die in England über die Laufzeit verkauft werden dürften, also potenziell 500 Touring – wenn man für die supersportliche Mittelklasse von der gleichen Kombi-Nachfrage ausgeht wie beim Gesamtmarkt.

BMW M3 Pickup E93

Der zweitstärkste M3-Markt, Deutschland, hat zwar einen viel höheren Kombianteil (17 Prozent im ersten Halbjahr 2019), stünde damit aber für lediglich 1.700 potenzielle M3 Touring. Selbst wenn man für die restlichen 25 Prozent der M3-Ländermärkte der Einfachheit halber von einem Kombianteil wie in Europa ausginge, wären das über die Laufzeit nur 4.200 M3 Touring; insgesamt ergäben sich aus dieser sicher eher vagen Abschätzung also 6.400 mögliche M3 Touring-Verkäufe – über den ganzen Modellzyklus. Gut möglich, dass das den Aufwand für die Entwicklung eines M3 Touring unrentabel erscheinen lässt.

Bei der Konkurrenz geht es doch auch

Bei Audi und Mercedes muss also entweder der Kombianteil von RS4 und C63 AMG höher sein oder der Aufwand geringer. Oder beides. Dass die Abschätzung für die sportlichen Kombis nicht richtig sein muss, zeigt zudem Audi, wo es den RS4 wie den RS6 einst nur als Kombi gab. Beim RS6 hat man mit dem Erscheinen des RS7 die Limousine wieder eingestellt, rechnet aber kurioserweise selbst in den USA mit einem Kombianteil von 25 Prozent. Die Ingolstädter haben den Avant offenbar lange genug als sportliche Karosserievariante kultiviert und beim M3/M4-Konkurrenten RS4/RS5 sogar das fünftürige Coupé (RS5 Sportback) erfolgreich etabliert.

02/2020, Audi RS4 Avant Bronze Edition
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Noch eine Karosserievariante, nach der man BMW fragen könnte, ob sie nicht was für den M3/M4 wäre. Beim Touring haben wir das getan. Die Antwort ist karosserieunabhängig: "Kein Kommentar". Tatsächlich aber auch kein Dementi.

Fazit

BMW ist nicht zu beneiden – für eine hohe Nachfrage nach einer Kombivariante des M3 lassen sich scheinbar ähnlich viele Argumente finden, wie dagegen. Und dann noch die vielen Nachfragen. Hohe Stückzahlen bei der aktuellen Modellgeneration dürften eher für einen M3 Touring sprechen, der kommende Allradantrieb sicher auch.

Dass Haustuner Alpina den B3 als Touring mit Allradantrieb anbietet eher dagegen, dass die Allgäuer insgesamt weniger als 2.000 Autos pro Jahr über alle Baureihen hinweg verkaufen ebenfalls. Unsere Prognose: Mit Genration 6 der M3 kommt der Touring tatsächlich. Zugegeben, diese Einschätzung fußt vor allem auf dem verweigerten Dementi. Das könnte allerdings auch zum Ziel haben, potenzielle Kunden mit Blindbestellungen aus der Deckung zu locken.

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