Bugatti Bolide aka BXX Bugatti Automobiles S.A.S.
Bugatti Bolide aka BXX
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Leichtbau-Rennwagen-Studie "Bugatti Bolide"

Leichtbau-Rennwagen-Studie „Bugatti Bolide“ 1.850 PS treffen auf 1.240 Kilogramm

Mit dem Bolide stellt Bugatti das Ergebnis eines Experiments vor: Was wäre, wenn um den W16-Motor herum radikaler Leichtbau angesagt wäre? Das Ergebnis ist eine über 500 km/h schnelle Konzeptstudie, welche die Nordschleife in 5:23,1 Minuten umrunden können soll.

Es gibt kaum schnellere Autos auf der Welt als jene von Bugatti. Schon der Veyron brach dahingehend Rekorde, und eine Sonderversion des Chiron war vor ziemlich genau einem Jahr das erste Serienauto überhaupt, das die Marke von 300 Meilen pro Stunde (482,8 km/h) brach. Dennoch entwickelt Bugatti nun sein Rennstrecken-Knowhow weiter. Zum einen mit dem auf Abtrieb optimierten Chiron Pur Sport (lesen Sie hier den Fahrbericht). Zum anderen mit der nun vorgestellten Konzeptstudie namens Bolide, mit der die Marke zeigt, wozu ein konsequent auf Leichtbau getrimmter Rennwagen imstande wäre.

"Von jeglichem Ballast befreit"

"Zum ersten Mal zeigen wir, was der W16-Antrieb wirklich kann", sagt Bugatti-Chef Stephan Winkelmann. Der Bolide verkörpere die absolute Spitze des Verbrennungsmotors im Automobilbau. "Wir haben das Fahrzeug von jeglichem Ballast befreit, den Motor mit dem leichtmöglichen Chassis illustriert und kombiniert, um den ultimativen Bugatti für das ultimative Fahrerlebnis zu schaffen." Die Konzeptstudie sei "reduziert, roh und authentisch", ergänzt Design-Chef Achim Anscheidt.

Weil der Bolide ein echter Bugatti ist, ist der Motor das Herzstück. Als Basis diente Ingenieur Frank Götzke der Antrieb des Chiron, der innerhalb von acht Monaten von 1.500 auf 1.850 PS (bei 7.000/min.) sowie von 1.600 auf 1.850 Newtonmeter (zwischen 2.000 und 7.025 Umdrehungen) erstarkte. Übrigens nicht, wie zuvor oft spekuliert, per Elektrifizierung, sondern mit klassischem Verbrennungsmotor-Tuning. Die Ansaug- und Abgasanlage zeigen sich nun durchlässiger und die vier Turbolader bauen dank optimierter Schaufeln mehr Ladedruck sowie Leistung auf. Obwohl der W16-Motor mit acht Litern Hubraum nun drehfreudiger agieren soll, spricht Bugatti ihm sowie dem angedockten Siebengang-Doppelkupplungs-Getriebe ein geringeres Gewicht zu.

Über 500 km/h Topspeed, Null auf Hundert in 2,17 Sekunden

Doch auch in der Peripherie haben Götzke und seine Truppe nichts unberührt gelassen. Vor allem galt es, Schmierung und Kühlung für extreme Rennstrecken-Aufgaben zu rüsten. Um auch bei hohen Fliehkräften eine optimale Schmierung zu erreichen, präsentieren sich Ölkreislauf, Öldruck, Rückschlagventile, Schwallbleche, Öltanks, Ölreservoire und Pumpenauslegung der Trockensumpfschmierung verbessert. Statt einer Wasser-Luft- kommt eine Luft-Luft-Ladeluftkühlung mit Wasservorkühlung zum Einsatz. Auch der Temperaturhaushalt aller Öle sowie der Rennsport-Bremsanlage soll effektiver geregelt werden als bei den bekannten Chiron-Modellen.

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Klar, dass auch bei einem Rennstrecken-Bugatti der Motor im Zentrum allen Tuns steht.

Das alles soll zu einem Topspeed von "deutlich über 500 km/h" führen. Mindestens ebenso verrückt lesen sich die simulierten Beschleunigungswerte: Null auf 100 km/h in 2,17 Sekunden. Null auf 200 km/h in 4,36 Sekunden. Null auf 500 km/h in 20,16 Sekunden, wobei der Bugatti Bolide bei einer Vollbremsung nach weiteren 13,5 Sekunden wieder zum Stillstand gekommen sein soll. Natürlich verfügt der Bugatti Bolide über permanenten Allradantrieb, wobei das Differenzial an der Vorderachse mit Längs- und jenes an der Hinterachse mit Quersperre arbeitet.

Viel Karbon, Titan und Magnesium

Soviel zum Leistungs-Aspekt, der einen Seite der Leistungsgewichts-Medaille. Gleichzeitig trägt das Trockengewicht von 1.240 Kilogramm (ein Serien-Chiron wiegt 1.995 Kilogramm) zum irren Leistungsgewicht von 0,67 kg/PS bei. Hauptverantwortlich für die Extrem-Diät ist natürlich das Karbon-Monocoque des Bugatti Bolide. Auch der Vorderwagen ist aus hochfesten Karbonfasern gefertigt, während der Heckrahmen aus geschweißtem Stahl besteht.

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Doch es sind auch die Kleinigkeiten, die zum Gewichtsverlust führen. So sind alle Schraub- und Verbindungselemente des Bugatti Bolide vollständig in Titan ausgeführt. Zudem kommen an vielen Stellen hohle, dünnwandige Funktionsbauteile aus einer in der Luft- und Raumfahrt verwendeten Titanlegierung zum Einsatz, die aus dem 3D-Drucker stammen. Auch die Flügelelemente an Front und Heck bestehen aus Titan.

Dachhutze mit morphbarer Außenhaut

Technisch besonders interessant ist die morphbare Außenhaut der auf dem Dach platzierten Ansaughutze. Bei langsamer Fahrt bleibt die Oberfläche der Hutze glatt, bei schneller Fahrt wölbt sich ein Feld von Blasen aus. Dieses reduziert ihren Luftwiderstand um zehn Prozent und führt zu einem um 17 Prozent geringeren Auftrieb; obendrein wird die Anströmung des hinteren Flügels optimiert. Bei 320 km/h liegt der Abtrieb am hinteren Flügel bei 1.800 Kilogramm und am vorderen bei 800 Kilogramm.

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Das Fahrwerk arbeitet mit querliegenden Pushrod-Stoßdämpfern.

Pure Rennsport-Technik verwendet Bugatti bei Fahrwerk und Bremse des Bolide. Ersteres arbeitet mit liegenden, jeweils 100 Gramm leichten Pushrod-Dämpfern aus Titan, deren Öl-Reservoirs innen angeordnet sind – das verbessert die Aerodynamik. Die aus Edelstahl geschweißten Querlenker tragen Flügelprofile. Aus Magnesium sind die geschmiedeten, 18 Zoll großen Zentralverschluss-Räder von OZ Racing gefertigt. Obwohl sie so breit sind, dass sie vorne 340 und hinten 400 Millimeter breite Michelin-Rennslicks aufnehmen, wiegen sie pro Stück lediglich 7,4 beziehungsweise 8,4 Kilogramm. Jeder Sechskolben-Bremssattel bringt sogar nur 2,4 Kilogramm auf die Waage; die 380-Millimeter-Scheiben und Beläge bestehen jeweils aus Keramik. All diese Maßnahmen führen zu einer maximalen Querbeschleunigung von 2,8 g.

Offenherziges Bugatti-Design

Nicht nur technisch, auch optisch ist der Bolide viel radikaler umgesetzt als bisherige Bugatti-Modelle und Studien. "Ich habe in den 16 Jahren bei Bugatti noch an keinem extremeren Fahrzeugkonzept gearbeitet", sagt folgerichtig Achim Anscheidt, der Chef-Designer. Zwar habe die Ästhetik bei der Gestaltung der Rennstrecken-Studie gegenüber der Technik eine untergeordnete Rolle gespielt. Dennoch sollte der Bolide auf Anhieb als Bugatti zu erkennen ein.

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Nicht nur der Vorderwagen des Bugatti Bolide ist sehr offenherzig gestaltet.

Deshalb ist die Front selbstverständlich vom bekannten Hufeisen-Grill gekennzeichnet. Doch bereits der sehr offenherzige gezeichnete Vorderwagen zeigt, dass hier konsequent die Form der Funktion folgt. Generell ist das Design geprägt von Lufteinlässen und Luftführungskanälen, die den Luftbedarf des Motors decken und den Anpressdruck optimieren. Zwischen auf beiden Seiten hinter der Fahrerkanzel platzierten Tank-Schnellverschlüssen sitzt ein zentrales Aerodynamik-Element, das die Luft optimal auf den geschwungenen Heckflügel leitet.

Viel pures Karbon, wenig Lack

Ein zentrales Design-Schema sind die X-förmigen Leuchten vorne und hinten. Hier präsentiert der Bugatti Bolide vor allem schwarze Löcher: Die Heckschürze gibt den Blick weitgehend auf die Hinterräder frei, die vier Auspuff-Endrohre sitzen weit üben und der Diffusor präsentiert fünf vertikale Finnen. Diese tragen übrigens die für Bugatti typische, beim Bolide aber neu interpretierte Farbe "French Racing Blue". Dieses ist allerdings nur auf 40 Prozent des Autos präsent. Die restlichen 60 Prozent sind naturbelassenes, unlackiertes Karbon.

Innen ist Rennsport-typischer Minimalismus angesagt. Die maximal zwei Insassen entern das Interieur wie bei einem LMP1-Rennwagen über die vorne angeschlagenen, nach schräg oben klappenden Türen und nehmen auf Karbon-Vollschalen-Sitzen mit Sechspunkt-Renngurten Platz. Der Fahrer greift in ein unten abgeflachtes und oben abgeschnittenes, mit allerlei Verstellmöglichkeiten versehenes Volant, über dem ein Instrumenten-Bildschirm sitzt.

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Pures, karbongeschwängertes Rennsport-Feeling im Interieur des Bugatti Bolide.

Legitimer Nachfolger des legendären Type 35

Der Mitteltunnel ragt weit nach oben; darüber thront eine freischwebende Mittelkonsole, über die die Fahrstufen gewählt und im Notfall der automatische Feuerlöscher aktiviert werden. Auch hier liegt vielerorts das Karbon frei. Die Türen werden per Schlaufen geöffnet, die Scheiben bestehen aus Polycarbonat. Sowohl die Pedalerie als auch die Beifahrer-Fußstütze lassen sich um 150 Millimeter verschieben; zudem kann ein HANS-System integriert werden.

Bugatti sieht den Bolide als legitimen Nachfolger des legendären Type 35; der Achtzylinder-Rennwagen heimste zwischen 1924 und 1930 angeblich über 2.000 Rennsiege ein. "Mit dem Bolide präsentieren wir Bugatti-Enthusiasten auf der ganzen Welt unsere Interpretation eines Bugatti-Rennwagens der Neuzeit und lassen ihren sehnlichsten Wunsch Wirklichkeit werden", sagt Stephan Winkelmann.

Technische Daten Bugatti Bolide

Technische Daten Bugatti Bolide  
Antriebsstrang  
Motorbauart / Zylinderzahl W16- Vierventiler
Hubraum 7.993 cm³
Aufladung 4 Abgasturbolader
Leistung 1.361 kW / 1.850 PS bei 7.000/min.
Max. Drehmoment 1.850 Nm (2.000 bis 7.025/min.)
Getriebe 7-Gang-DSG
Antrieb Permanenter Allradantrieb
Karosserie / Dimensionen / Gewichte  
Länge 4.756 mm
Breite 1.998 mm
Höhe 995 mm
Radstand 2.750 mm
Trockengewicht 1.240 kg
Leistungsgewicht 0,67 kg/PS
Fahrleistungen (simuliert)  
0 - 100 km/h 2,17 s
0 - 200 km/h 4,36 s
0 - 300 km/h 7,37 s
0 - 400 km/h 12,08 s
0 - 500 km/h 20,16 s
0 - 400 - 0 km/h 24,64 s
0 - 500 - 0 km/h 33,62 s
Vmax über 500 km/h
Rundenzeit Le Mans 3:07,1 min
Rundenzeit Nordschleife 5:23,1 min
Max. Querbeschleunigung 2,8 g

Fazit

Ob jedoch jemals mehr Exemplare als die eine, bisher existierende Konzeptstudie gebaut werden, ist noch nicht entschieden. Immerhin heißt es, dass der Bolide weit mehr als ein Gedankenspiel sei. Zudem hat Bugatti schon mal ein paar Rundenzeiten simuliert. Für einen Umlauf in Le Mans soll er 3:07,1 Minuten benötigen und die Nürburgring-Nordschleife in 5:23,1 Minuten umrunden.

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