De Tomaso P72 Gregor Hebermehl
De Tomaso P72
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De Tomaso P72 41 Bilder

De Tomaso P72: Comeback mit Werk in Deutschland

De Tomaso P72 Geld aus China, gebaut am Nübrugring

Der italienische Sportwagenhersteller De Tomaso taucht wieder aus der Versenkung auf. Auf dem Goodwood Festival of Speed 2019 feierte der De Tomaso P72 Premiere. Gebaut werden soll er am Nürburgring mit einem neuen Karbon-Chassis.

2019 wurde der Markenname De Tomaso 60 Jahre alt. Zu diesem Jubiläum gab es ein Geschenk der besonderen Art. Was lange unter dem Projektnamen Project P als Präsent verpackt war, ist nun, nachdem man das Geschenkpapier freudig aufgerissen hat, ein ausgewachsener Supersportwagen.

Der P72, so sein Namen, wurde vom gleichen Team erschaffen, das auch den Apollo IE gebaut hat und entwickelt hat. Es zitiert historische Supersportler – nicht ohne auch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Apollo zu verhehlen.

Apollo Intensa Emozione Hypercar 2017
Apollo
Der De Tomaso P72 baut auf dem Apollo IE auf.

Eine flache Fronthaube flankieren schmale LED-Scheinwerfer, die in obszön großen Radhäuser integriert sind. Die rundlichen Formen des Mittelmotorsportlers haben schon fast etwas Erotisches. Die Fahrgäste sind in einer komplett verglasten gewölbten Fahrgastzelle untergebracht, die schwungvolle Seitenlinie endet in noch massiveren hinteren Kotflügeln mit riesigen Luftöffnungen. Das Heck zeigt sich mit einem schmalen Fenster, an dessen Unterseite eine große goldene Öffnung zum Ausatmen des Motors prangt. Die kräftigen Kotflügel verbindet eine in die Karosserie integrierte Spoilerlippe. Darunter haben die Designer kreisrunde LED-Leuchten untergebracht sowie den "De Tomaso"-Schriftzug. Als Abschluss ist natürlich ein Diffusor in die Schürze integriert.

Ford-V8 mit über 700 PS

Zu technischen Daten hielt sich De Tomaso lange bedeckt. Unter der Glasmotorhaube des Karbon-Renners der in Goodwood präsentiert wurde, arbeitete noch ein V12-Motor. Jetzt erklären sich die Italiener definitiv: Der P72 wird wieder einen Ford-Motor tragen. Der Fünfliter-V8 mit Kompressoraufladung wird von US-Tuner Roush auf über 700 PS und über 825 Nm aufgeblasen, soll maximal 7.500 Touren drehen und wird ausschließlich mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe gekoppelt. In Sachen Grenzwerten soll er für Europa und den US-Markt homologiert werden. Fahrleistungsdaten wurden noch nicht genannt.

Produktion am Nürburgring

De Tomaso Capricorn Produktionsanlage Werk
De Tomaso
Der P72 soll am Nürburgring gebaut werden.

Von dem Hypercar will das Unternehmen lediglich 72 Exemplare zum Stückpreis von 750.000 Euro bauen. Übrigens: Der P72 ist ausgelegt nach den FIA LMP-Hypercar-Regularien, die es ihm erlauben, ab 2021 in Le Mans zu starten. Jetzt ist auch endlich klar, wo der neue De Tomaso gefertigt werden wird. Anfangs wollte De Tomaso den P72 noch in den USA produzieren und prüfte dazu entsprechende Standorte in verschiedenen US-Bundesstaaten. Im Januar 2021 gab der Sportwagenbauer bekannt, dass man mit der in Düsseldorf ansässigen Capricorn Group eine strategische Partnerschaft eingegangen ist. Zusammen will man am Standort Nürburgring eine Produktionsanlage aufbauen, die bereits im Sommer 2022 fertiggestellt sein soll. Die ersten Kundenauslieferungen sollen dann 2023 erfolgen.

Mit dem neuen Partner Capricorn im Boot wechselt der P72 auch auf ein komplett neues von Capricorn mitentwickeltes Karbon-Chassis. Das soll deutlich mehr Fußraum und Kopffreiheit bieten ohne die äußere Linie zu beeinflussen. Zudem erhöht das neue Chassis das Sicherheitsniveau und senkt nebenbei das Gewicht weiter ab. Auch der neue Karbon-Unterbau erfüllt natürlich alle FIA-Anforderungen.

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Wechselvolle Geschichte

Lange war es still um De Tomaso: Der italienische Sportwagenspezialist war nach Jahrzehnten des Misserfolgs im Jahr 2014 insolvenzbedingt aufgelöst worden. Aber der Name hat noch immer einen guten Klang, schließlich ist sein erfolgreichstes Modell Pantera bis heute unvergessen. Jetzt soll die Marke wieder Autos herstellen.

Das chinesische Unternehmen ITV (Ideal Team Venture) hatte die Namensrechte an De Tomaso bereits vor der Auflösung des Unternehmens gekauft. ITV hat unter anderem schon den Supersportwagen Apollo wiederbelebt, außerdem war der Investor an der Einführung der Marke AC Cars beteiligt. Nun bringen die Chinesen die traditionsreiche Marke De Tomaso wieder an den Start.

1959 gründete der argentinische Rennfahrer Alejandro de Tomaso im italienischen Modena den Sportwagenhersteller De Tomaso. Das erste produzierte Fahrzeug war der 1963 vorgestellte Vallelunga, dann folgte 1966 der Mangusta. Dessen von Giorgetto Giugiaro gestaltete Karosserie erregte Aufsehen – zirka 400 Fahrzeuge gingen an die Kunden. 2003 bekam der schnittige Sportler nochmals Aufmerksamkeit: In Quentin Tarantinos Film "Kill Bill" fährt Bill (David Carradine) einen De Tomaso Mangusta. Ab 1971 war De Tomaso wegen des Pantera endgültig ein etablierter Sportwagenhersteller: Das Erfolgsmodell verkaufte sich über 7.000 Mal – alle anderen Modelle kamen über zwei- oder dreistellige Absatzzahlen nicht hinaus. Nach dem Pantera ging es nur noch bergab. Der Guarà von 1993 überzeugte die Fans nicht – weniger als 40 Exemplare entstanden mit wiederholten Unterbrechungen. 2009 kaufte die italienische Firma IAI (Innovation in Auto Industry) die Rechte am Namen De Tomaso. IAI meldete 2011 Insolvenz an, der Geschäftsführer kam 2012 wegen des Verdachts der Veruntreuung von Fördergeldern in Millionenhöhe in Haft.

De Tomaso kommt zurück.: Alle Modelle der italienischen Sportwagenmarke.

De Tomaso
De Tomaso Mangusta, 1967, Designer Giorgetto Giugiaro, Privatsammlung, Restauration Ferdinand P GmbH, Willich, Foto Oliver Sold.jpg De Tomaso Pantera GR. 4, Seitenansicht De Tomaso Pantera GR. 4, Seitenansicht, Marcel Schaub 35 Bilder

Fazit

De Tomaso = Kult! Allerdings hatte die Marke das letzte Mal vor zirka 40 Jahren Erfolg – bei vielen jüngeren Menschen löst der Begriff "De Tomaso" deshalb möglicherweise kaum Emotionen aus. Also muss das Auto passen: schick, schnell und antriebsseitig zeitgemäß. Was De Tomaso aber zeigt, ist rückwärts gewandt. Schick, ja, schnell, auch ja, zeitgemäß angetrieben, sicher nicht. Und auch beim Design bleibt das Modell zurück. Da ist nichts vom legendären Style übriggeblieben ...

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